Mit dem Elektro-Rolli kann Robert Grundmann selbstständig bis zu seinem eigenen Eingang an der Bachstraße 
fahren. - © Joern Spreen-Ledebur
Mit dem Elektro-Rolli kann Robert Grundmann selbstständig bis zu seinem eigenen Eingang an der Bachstraße 
fahren. | © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp Der lange Weg zur Barrierefreiheit

Pflege im Alter (3): Rollstuhlfahrer Robert Rolf Grundmann musste viel Zeit und Missverständnisse in Kauf nehmen, bis er seinen Wunsch nach einem Zuhause ohne Stolperfallen verwirklichen konnte.

Karsten Schulz

Espelkamp. Wenn er heute mit seinem E-Rolli durch die schwellenlose Eingangstür die Rampe vor seinem Haus an der Bachstraße selbstständig befährt, dann erinnert sich Robert Rolf Grundmann noch oft an die Zeit, als das nicht selbstverständlich war. Der Plan für eine Rampe war zwar im Kopf vorhanden, doch welcher Unternehmer kann die in Deutschland immer noch ungewöhnliche Konstruktion bauen? Und wie kann ein solch teurer Bau finanziert werden? Gibt es Zuschüsse? An welche Stellen wende ich mich da? Fragen über Fragen, zu denen sich noch ganz viele hinzugesellten. Dem an Syringomyelie, eine sehr seltene Erkrankung des Rückenmarks, Erkrankten gelang es, alle zu beantworten. Doch dafür brauchte er viel Zeit und musste auch manche Missverständnisse mit Bauhandwerkern und Architekten in Kauf nehmen. Grundmanns Eltern waren verstorben, und es zeigte sich das Problem, dass das Elternhaus nicht barrierefrei war. Es war auch nur begrenzt barrierefrei umzubauen. Da bot sich an der Bachstraße 3 in Espelkamp die Chance: Ein Freund hatte dort ein Einfamilienhaus erworben, bei dem sich viele Möglichkeiten auftaten. Es war vom Zuschnitt her für einen Umbau so gut geeignet, dass dort eine separate Wohnung eingebaut und durch einen Anbau sogar noch vergrößert werden konnte. Hinzu kam, dass das vorhandene Bad bereits vom Besitzer zuvor barrierefrei umgebaut worden war. Grundmann hatte sich sachkundig gemacht Der beauftragte Architekt hatte nunmehr die Aufgabe, zwei Zimmer des Altbaus aus den 70er Jahren mit einem bewohnbaren Wintergarten als Neubau zu verbinden. Dazwischen befand sich die Hausaußenwand. Grundmann, ehemaliger Mitarbeiter des Jugendamtes der Stadt Kamen, hatte sich im Vorfeld sachkundig gemacht. So wusste er, dass eine Rampe im Zuge von Wohnumfeldverbesserungen förderfähig ist. Er erhielt von seiner Krankenkasse den Höchstzuschuss in Höhe von 4.000 Euro. "Mehr bekam ich allerdings für den Umbau nicht. Auch wenn ich mich als Rollifahrer in der Höchststufe befinde. Unfallopfer haben da schon mehr Glück, denn notwendige Umbauten müssen in der Regel durch die Versicherung des Verursachers getragen werden – das muss allerdings in manchen Fällen mit langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzungen erkämpft werden", weiß Grundmann. Es folgten regelmäßige Gespräche mit dem Architekten und den Handwerkern sowie Treffen auf der Baustelle. Ebenfalls notwendig wurden viele, viele Telefonate und E-Mails. So ging es darum, eine Haustür ohne Schwelle einbauen zu lassen. Grundmann: "Der Handwerker wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Das bekommt man allerdings mit, wenn man die Messe Rehacare, die einmal im Jahr in Düsseldorf stattfindet, besucht. Da habe ich das gesehen." Den Tipp gab er dem Handwerker. Der machte sich kundig und baute ihm schließlich die Haustür schwellenlos ein. Schon kleiner Höhenunterschied wird zum Hindernis Grundmann weiß außerdem, dass es verschiedene Musterwohnungen gibt, die vollständig eingerichtet sind. Dort können sich Rollstuhlfahrer und andere eingeschränkt lebende Menschen umsehen und ausprobieren, ob sie in solchen Wohnungen leben können. Grundmann selbst hat sich eine solche Wohnung in Iserlohn angeschaut. Sie ist in einem ehemaligen Kasernengelände eingerichtet worden. "Dort habe ich beispielsweise auch meinen Duschsitz gefunden", sagt er. Grundsätzlich machte er beim Umbau die Erfahrung, dass es nicht immer leicht ist, den Handwerkern zu vermitteln, dass ein Höhenunterschied von zwei Zentimetern zu einem "kaum oder gar nicht überwindbaren Hindernis werden kann". Was ist an der Wohnung von Robert Grundmann in Espelkamp anders als in "normalen" Wohnungen? Sie hat grundsätzlich Schiebetüren zu den einzelnen Zimmern. "Das würde ich jedem Rollstuhlfahrer unbedingt empfehlen. Das erhöht ungemein den Aktionsradius in den Zimmern", so Grundmann. Man sollte unbedingt darauf achten, dass Lichtschalter und auch Steckdosen vom Rolli aus bedient werden können. Türöffner, Fenster und Jalousien sollten über Sprachsteuerung zu regeln sein. Vorschriften zur Badgröße verhindern rollstuhlgerechtes Bad Wer einen Neubau plant, so Grundmann, und das über den sozialen Wohnungsbau machen möchte, sollte wissen, dass die Vorschriften zur Badgröße verhindern, dass dort ein rollstuhlgerechtes Bad eingebaut werden könne. „Das ist ein großes Manko in Deutschland. In anderen Ländern sind die gesetzlichen Vorgaben für das Bauen stärker auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eingestellt. In Großbritannien zum Beispiel muss seit etwa zwei Jahren jedes Haus, auch das private Einfamilienhaus, barrierefrei zugänglich sein. Hier dagegen setzt das neue Landesbauministerium die Quote für rollstuhlgerechte Wohnungen herunter, weil durch die Anforderungen angeblich weniger Wohnungen errichtet werden", zeigt sich Grundmann enttäuscht.

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