Hier fing alles an: Der alte Feuerwehr-Standort war der Garagenhof an der Ostlandstraße. - © Archiv Feuerwehr
Hier fing alles an: Der alte Feuerwehr-Standort war der Garagenhof an der Ostlandstraße. | © Archiv Feuerwehr

Espelkamp Feuerwehr Espelkamp feiert Jubiläum

Das Modell einer ständig besetzten Wache wird jetzt 50 Jahre alt. Daraus ist die heutige IGEU-Feuerwehrbereitschaft entstanden. Am 16. September wird groß gefeiert

Volker Dau

Espelkamp. 50 Jahre Feuerwache Espelkamp: Dieses runde Jubiläum feiert die Feuerwehr Espelkamp mit einem Festakt und einem anschließenden "Tag der offenen Tür". Ungewöhnlich wie die Entstehungsgeschichte der Stadt Espelkamp ist die Geschichte ihrer Feuerwehr. 1949 wurde die neu gegründete Löschgruppe in Espelkamp-Mittwald von der Amtsverwaltung in Rahden als öffentliche Freiwillige Feuerwehr anerkannt. Für den Aufbau der Feuerwehr setzte sich besonders der damalige Gemeindevertreter und spätere erste Stadtdirektor Espelkamps, Wilhelm Kern, ein. Durch einen staatlichen Zuschuss wurde 1951 eine erhebliche Verbesserung der Ausrüstung ermöglicht. Es konnte ein Löschfahrzeug LF 16 in Dienst gestellt werden. Als Unterkunft diente eine Muna-Halle an der heutigen Gubener Straße, den meisten besser bekannt als "Garagenhof". Diese Gerätehalle entsprach Mitte der 1960er Jahre längst nicht mehr den technischen Erfordernissen, und somit wurde 1967 bis 1968 ein neues modernes Gerätehaus zentrumsnah gebaut und fast auf den Tag genau vor 50 Jahren am 6. September 1968 feierlich eingeweiht. In den 1990er Jahren und 2012 wurde die Feuerwache umfassend erweitert und modernisiert. Doch es wurde mehr als nur eine neue "Feuerwehrgarage" geschaffen. Auf Vorschlag des Espelkamper Unternehmers und Förderer der Feuerwehr, Peter Aumann, wurde in einem Teil des neuen Gerätehauses eine Werkstatt eingerichtet, in der ständig Mitarbeiter aus seinem Unternehmen waren, die gleichzeitig auch Feuerwehrleute waren. Insgesamt waren anfangs acht Feuerwehrmänner dort tätig. In der Feuerwache gab es zudem drei Wohnungen, in der Feuerwehrangehörige wohnten. Diese drei Feuerwehrmänner wechselten sich nachts mit dem Telefondienst für den "Feuerwehrruf 112" ab. Eine qualifizierte zentralisierte Notrufabfrage ähnlich den heutigen Standard gab es seinerzeit noch nicht. Die gesetzlichen Vorgaben dafür wurden erst viele Jahre später geschaffen. So ist die "kleine" Stadt Espelkamp mit rund 15.000 Einwohnern und einer freiwilligen Feuerwehr ohne hauptamtliche Kräfte zu einer ständig besetzten Feuerwache gekommen. Ein großes Plus an Sicherheit für die Bürger der Stadt. 1992 ging das Unternehmen Aumann in Konkurs und der Fortbestand der bewährten "Aumann-Werkstatt" an der Feuerwache war gefährdet. Die Werkstatt wurde in ein Folgeunternehmen überführt und zunächst nur von den Firmen Harting und Gauselmann getragen. Etwas später kamen weitere Espelkamper Unternehmen als Gesellschafter hinzu. Geschäftsmodell bis heute einzigartig in Deutschland Aktuell sind neun Gesellschafter (adp Gauselmann GmbH, Harting AG & Co. KG, Hennemann Umweltservice Elektronik GmbH, Kadeco Sonnenschutzsysteme GmbH, Laweco Maschinen- und Apparatebau GmbH, Naue GmbH & Co. KG, Plümat Plate & Lübeck GmbH & Co., Schulz Gebäudeservice GmbH & Co. KG und Stanger Produktions- und Vertriebs-GmbH & Co. KG) an der IGEU Feuerwehrbereitschaft beteiligt, die gemeinsam das wirtschaftliche Gerüst für den Fortbestand des Unternehmens bilden. Bis heute ist dieses Geschäftsmodell einzigartig in Deutschland. Aumann wurde für sein mehr als 20-jähriges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Unter dem Motto "Gemeinsam Leben retten" wird es während des "Tages der offenen Tür" zwischen 12 und 17 Uhr eine Stammzellen-Typisierungsaktion geben. Etwa alle 24 Sekunden rückt die Feuerwehr in Deutschland zu einem "klassischen" Einsatz aus. Alle 35 Sekunden erhält ein Mensch auf dieser Welt die Diagnose Blutkrebs. Allein in Deutschland erhält alle 15 Minuten ein Mensch diese niederschmetternde Diagnose. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Doch jeder zehnte Patient findet keinen Spender. Auch im Kampf gegen den Blutkrebs wird die Feuerwehr Espelkamp jetzt aktiv: "Einfach Mund auf. Stäbchen rein Spender sein". "Unter dem Motto ,Leben retten liegt uns im Blut? arbeiten die Westdeutschen Spenderzentrale (WSZE) und unsere Feuerwehr zusammen", erläutert Reiner Hußmann, Leiter der Feuerwehr Espelkamp. "Feuerwehrleute sind Lebensretter. Manchmal muss man statt mit Strahlrohr oder Spreizer mit Wattestäbchen und Knochenmarkspende vorgehen. Auch das entspricht dem Feuerwehrmotto ,Retten, Löschen, Bergen, Schützen", führt er weiter aus. Für Patienten mit Blutkrebs oder anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems ist eine Stammzellenspende oftmals die letzte Chance. Blutkrebs ist der Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarks beziehungsweise des blutbildenden Systems.

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