Ein stadtbildprägendes Gebäude: Die Espelkamper Rundturnhalle ist die größte Sporthalle der Stadt und für den Vereinssport von großer Bedeutung. - © Foto: Joern Spreen-Ledebur
Ein stadtbildprägendes Gebäude: Die Espelkamper Rundturnhalle ist die größte Sporthalle der Stadt und für den Vereinssport von großer Bedeutung. | © Foto: Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp Espelkamper Politik stimmt für neue Stadtsporthalle

Ausschuss für Stadtentwicklung: Klare Zustimmung von allen Fraktionen für einen Neubau. Kämmerer Björn Horstmeier legt Wirtschaftlichkeitsberechnung vor

Karsten Schulz

Espelkamp. Seltene Einigkeit im wichtigen Ausschuss für Stadtentwicklung: Über alle Fraktionsgrenzen hinweg gab es gestern Abend ein einmütiges Votum für den Neubau einer Stadtsporthalle in Espelkamp. Damit wird die ursprüngliche Planung, die vorhandene stadtbildprägendende Rundturnhalle am Standort komplett zu sanieren, nicht weiterverfolgt. Vor dieser Entscheidung mussten sich die Politiker durch eine Menge Datenmaterial kämpfen, das ihnen als Entscheidungsgrundlage diente. So hatte sich Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Stadtmarketing, Bauen, Thorsten Blauert, vor allem um die rechtliche Seite gekümmert und herauszufinden versucht, ab wann und mit wie viel Fördergeldern zu rechnen ist. Er hatte zudem einen direkten Vergleich zwischen Sanierung und Neubau zusammengestellt, der von der Politik noch in der Juni-Sitzung des Fachausschusses gewünscht worden war (die NW berichtete). Er machte sich gleich ans Werk und fand Interessantes heraus. In Sachen Förderung stellte er fest, dass eine "Verlängerung des Durchführungszeitraumes möglich ist, wenn die Gemeinde die Verzögerung nicht zu verantworten hat". Allerdings sei eine Förderung von Neubauten offenbar nur in Ausnahmefällen vorgesehen - "bei Unwirtschaftlichkeit der Sanierung". Die Fördermittelzusage kann umbewilligt werden, dazu hätte es allerdings bereits eine Entwurfsplanung bis Mitte August bedurft. Planungskosten hätten sich auf 150.000 Euro belaufen Die Planungskosten für einen Entwurf hätten sich auf 150.000 Euro belaufen, so Blauert. Allein das Vergabeverfahren hätte zu lange gedauert, machte er deutlich. Eine Umbewilligung ist nur in einem bestimmten Verfahren möglich - der Nachweis der Unwirtschaftlichkeit müsse in aller Deutlichkeit erbracht werden. Und nunmehr kommen  die Zahlen. Eine Komplettsanierung der vorhandenen Rundturnhalle würde mit insgesamt vier Millionen Euro zu Buche schlagen, der Eigentümer-Anteil beläuft ich auf 800.000 Euro. Für einen Neubau müssen insgesamt sechseinhalb Millionen Euro auf den Tisch geblättert werden, der Eigenanteil liegt hier immerhin schon bei 1.3 Millionen Euro. Während man bei einer Sanierung von einer Abschreibungszeit von 25 Jahren ausgeht, sind es beim Neubau immerhin 50. Wenn neu gebaut wird kann der Betrieb in der alten Halle weiterlaufen. Bei einer Sanierung ruht der Sportbetrieb für mindestens ein Jahr , wahrscheinlich sogar für zwei Jahre. Bei den Stellplätzen gibt es beim Altbau nach wie vor Konflikte mit anderen Nutzern. Bei einem Neubau kann das ganze Konzept neu überdacht werden. Ein wesentlicher Faktor ist der Unterhaltungsaufwand, der bei der Sanierung eines über 40 Jahre alten Altbaus zunehmen wird, dagegen bleibt der Aufwand bei einem Neubau für viele Jahre zunächst gering. In einem Neubau könnte zudem mehr Toiletten und Duschen eingebaut werden und ein neuer Kraftraum. Die Abrisskosten belaufen sich auf insgesamt gut 500.000 Euro, die jedoch auch bezuschusst werden. Blauert selbst schlug den Parlamentariern einen Neubau vor, der mit einer 80-prozentigen Förderung rechnen kann. Kämmerer Björn Hostmeier hatte sich in den vergangenen Wochen ebenfalls mit der Rundturnhalle beschäftigt und zu beiden Alternativen eine Wirschaftlichkeitsberechnung erstellt. Er kam doch zu einem klaren überzeugenden Ergebnis. So würde der Aufwand bei einer sanierten Halle - berechnet auf mindestens 30 Jahre - etwa zwei Millionen Euro betragen. Im gleichen Zeitraum würden beim Neubau gerade einmal 8.126 Euro anfallen. "Das hat jetzt für Klarheit gesorgt und hat belegt, welche Variante die unwirtschaftlichste ist", sagte André Stargardt (SPD). Er bedankte sich bei der Verwaltung und auch für die Vorgehensweise. Es sei der "richtige Gedanke gewesen, seinerzeit nach einmal zurückzurudern". Dem stimmte auch CDU-Fraktionssprecher Wilfried Windhorst zu. August-Wilhelm Schmale (CDU) nimmt die "große Politik" mit ins Boot. "Sowohl Düsseldorf wie Berlin haben uns versprochen, dass es für Sporthallen und Sportanlagen allgemein noch mehr Förderung als bisher gibt." Unabhängiger Paul-Gerhard Seidel lobt: "Politik und Verwaltung haben von der Auewaldschule gelernt. Das Risiko bei einer Sanierung ist einfach zu hoch."

realisiert durch evolver group