Der Applaus will nicht enden: 98 packende Minuten dauert der erste Kinofilm aus Espelkamp. Die Story um ein Familiendrama, Organhandel und Mord zieht das Publikum in den Bann und kommt an. - © Heike von Schulz
Der Applaus will nicht enden: 98 packende Minuten dauert der erste Kinofilm aus Espelkamp. Die Story um ein Familiendrama, Organhandel und Mord zieht das Publikum in den Bann und kommt an. | © Heike von Schulz

Espelkamp Großes Kino „made in Espelkamp“

Premiere: Mit Glamour auf dem rotem Teppich erleben 650 Gäste im Neuen Theater das Kinodebüt von „Phantomschmerz“. Die Camcore-Crew verwirklicht ihren Traum

Heike von Schulz

Espelkamp. Samstag Espelkamp, Sonntag Berlin, Montag Rahden und dann Bielefeld. Das ist die Premierentour der Crew von Camcore. Am Samstag hatten in Espelkamp rund 650 Gäste die Ehre, die Uraufführung des Debütfilms „Phantomschmerz" im Neuen Theater zu erleben. Die Spannung und das Lampenfieber des Teams um Andreas Olenberg (Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Cutter) und Daniel Littau (Hauptdarsteller, Produzent, Drehbuchautor) war zum Greifen nahe, als sie um 17 Uhr die Türen des Theaters aufsperrten und die Gäste über den roten Teppich flanierten. Wird ihr erster Kinofilm ankommen? Nach drei Jahren Arbeit den eigenen Film endlich auf der großen Leinwand zu sehen, davon haben die Jungs von Camcore schon immer geträumt. Rund drei Stunden später stand fest: Ihr Traum ist in Erfüllung gegangen. Ein nicht enden wollender Applaus, Standing Ovations. Das gesamte Team kam auf die Bühne, in ihren Gesichtern war nach der Anspannung Erleichterung und Freude zu sehen. Das Publikum konnte Fragen stellen, die wurden humorvoll beantwortet. Das Lachen tat gut nach der vom ersten Moment an packenden, düsteren und eher traurig als fröhlich stimmenden Story mit einem Ende, dass das Publikum zu Diskussionen anregte. Der Plan der Crew ging einmal mehr auf. Zuvor herrschte im Theaterfoyer beim Photocall Glamour-Atmosphäre à la Hollywood, wo übrigens „Phantomschmerz" bei den Los Angeles Film Awards auch schon ausgezeichnet worden ist. Andreas Olenberg und Daniel Littau hatten die erste Version ihres Werks im Vorfeld bei verschiedenen nicht öffentlichen Filmfestivals gezeigt und sind ausgezeichnet worden. Sponsoren, Unterstützer, Familien, Freunde – alle waren gekommen, um die Weltpremiere in Espelkamp zu sehen.Hauptdarsteller Sven Martinek, bekannt aus dem Kinofilm „Vier gegen die Bank" (2016) sowie vielen TV-Serien, war auf einem Dreh und konnte nicht kommen. So wie Schauspielerin Katy Karrenbauer (Fernsehserie „Hinter Gittern – Der Frauenknast"). Schauspieler wie Fredderik Collins, bekannt aus „Tatort Münster", „SOKO Köln" oder „Alarm für Cobra 11" – bei „Phantomschmerz" als Darsteller, Executive Producer –, oder die junge Hauptdarstellerin Christine Kroop und natürlich der Protagonist Daniel Littau wurden wie das ganze Team, das eine überzeugende Arbeit angeliefert hat, gefeiert. Ohne die vielen helfenden Hände wäre der Film nicht zur realisieren gewesen Ohne die vielen helfenden Hände wäre der Kinofilm nicht zu realisieren gewesen. Das machte Andreas Olenberg im Gespräch kurz vor der Premiere deutlich. „Unser Gesamtbudget lag bei 50.000 Euro. Dafür bekommt man bei anderen Kinofilmen nicht mal das Catering", so Andreas Olenberg. Mehr als 300 private Spender und 50 Sponsoren, Schauspieler und Crewmitglieder, die auf ihre Gage verzichtet haben, machten das Projekt möglich. Bei einer Crowdfundingkampagne seien 10.500 Euro zusammen gekommen, 40.000 Euro seien gesponsert worden. Bewusst haben Andreas Olenberg (28) und Daniel Littau (27), quasi „Sandkastenfreunde" aus Espelkamp, an Schauplätzen in Ostwestfalen-Lippe gedreht. „In Berlin hätten wir für die Drehorte Genehmigungen einholen und viel Geld für die Miete bezahlen müssen", erläuterte Olenberg. „Wir haben sehr viel Glück gehabt und viel Beratung und Unterstützung bekommen." Deshalb baten die beiden vor Beginn, das Publikum möge bitte den kompletten Abspann ansehen, da jeder es verdient habe, genannt zu werden. Der Abspann war lang. Auf Facebook hatten sie nach Schauspielern gesucht und das Drehbuch veröffentlicht. Über die große Resonanz von prominenten Darstellern wie Katy Karrenbauer, Jessica Boehrs und Jale Arikan seien sie überrascht gewesen. „Die Agentin von Sven Martinek rief bei uns an, dass er die Rolle des Chefarztes Ben spielen würde", berichtete Olenberg. „Wir haben ihn zum Casting eingeladen, um herauszufinden, ob er zu unserem Team passt. Es passte vom ersten Moment an. Wir haben 23 Tage mit ihm drehen dürfen." Sehr schade findet Andreas Olenberg, dass die Filmförderung in NRW ihr Projekt nicht einmal angesehen hätten: „Dabei brauchten wir keine Millionen, sondern rund 70.000 Euro." Deshalb haben sie allen Grund, stolz zu sein, dass sie „ihren Traum" mit einer Crew von 15 Leuten verwirklichen konnten. Nach der Premiere in Berlins größtem Kino, dem Zoo Palast, ist das Camcore-Team heute, Montag, im Dersa Kino in Rahden zu Gast, noch vor dem Bundesstart am 6. September. Selbst um den Filmverleih haben sich Olenberg und Littau gekümmert. „Unser Film passt in keine Schublade. Es ist ein Beziehungsdrama, das sich zu einem Thriller entwickelt. Da sind die Filmverleihe vorsichtig", sagte Olenberg. 1.300 Kinos haben sie persönlich kontaktiert. In 44 wird „Phantomschmerz" am 6. September deutschlandweit anlaufen. 50 weitere Kinos hätten ihr Interesse signalisiert. Und was kommt danach? „Phantomschmerz" als TV-Film, DVD, vielleicht ein weiterer Spielfilm und die erste Serie aus OWL würden sie gerne verwirklichen. Ideen werden schon gesammelt.

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