Gesprächsbedarf: Auf persönliche Gespräche beim Thema Friedhof setzen auch Monika Pretzel (v. l.), Björn Horstmeier, Christel Senckel, Ortsvorsteher Herbert Klingel und Klaus Neumann. Bürger sollten sich im Arbeitskreis für die Friedhöfe einbringen, bat Kämmerer Horstmeier. Fotos: Joern Spreen-Ledebur|| - © Joern Spreen-Ledebur
Gesprächsbedarf: Auf persönliche Gespräche beim Thema Friedhof setzen auch Monika Pretzel (v. l.), Björn Horstmeier, Christel Senckel, Ortsvorsteher Herbert Klingel und Klaus Neumann. Bürger sollten sich im Arbeitskreis für die Friedhöfe einbringen, bat Kämmerer Horstmeier. Fotos: Joern Spreen-Ledebur|| | © Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp Stadt entschuldigt sich für umstrittene Briefe zur Grabpflege

Städtischer Friedhof: Kämmerer kündigt Konsequenzen an und lädt Bürger ein, sich im Arbeitskreis einzubringen

Joern Spreen-Ledebur

Espelkamp. Im Mai hatten zahlreiche Espelkamper Post aus dem Rathaus erhalten. Vielen Empfängern trieben die Briefe die Zornesröte ins Gesicht. Inhalt der Schreiben: Die Stadtverwaltung bemängelte den Pflegezustand vieler Gräber. Inhalt und Tonfall empörten die Bürger (die Neue Westfälische berichtete ausführlich) und auch an der Behandlung von Gräbern durch die Friedhofswärter gab es reichlich Kritik. Die Empörung ist bei vielen Bürgern noch immer da, aber die Verwaltung ruderte etwas zurück und dürfte solche Briefe nicht mehr verschicken. Bürgermeister Heinrich Vieker hatte sich schon für die Briefe entschuldigt. Kämmerer Björn Horstmeier und seine Kollegin Monika Pretzel hatten Klaus Neumann und Christel Senckel von der Siedlergemeinschaft Espelkamp-Mittwald nun zu einem Info-Abend eingeladen. Zahlreiche Espelkamper wollten sich das im Bürgerhaus nicht entgehen lassen. Viele hätten die Briefe als verletzend empfunden, machte Klaus Neumann von den Siedlern deutlich. Der Waldfriedhof habe schöne Ecken, aber manches sei auch verbesserungsbedürftig, sagte Christel Senckel. Die Bürger machten ihrem Unmut Luft, brachten sich mit Vorschlägen ein - aber hörten zunächst eine Entschuldigung. "Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen", sagte Horstmeier. Die Stadt sei froh über die Rückmeldungen der Bürger, die seien wie ein Spiegel. Friedhöfe seien sensible Bereiche. Der städtische Kassenwart erinnerte daran, dass es nach dem Willen des Rates einen Arbeitskreis zu den Friedhöfen geben werden. Hier seien die Bürger eingeladen, sich mit ihren Ideen einzubringen, warb Horstmeier um Mitwirkung der Espelkamper. Städtische Friedhöfe sind in die Jahre gekommen Die städtischen Friedhöfe seien in die Jahre gekommen und mit der Zeit hätten sich auch Wünsche gewandelt, merkte er an. "Der Zeitgeist ist nicht mehr überall konform mit unserer Friedhofssatzung", räumte Björn Horstmeier ein. Die jetzige Satzung sei schon 15 Jahre alt - und so bat der Kämmerer die Bürger um Hinweise, wo diese Satzung gelockert werden könne. Klaus Neumann hatte den Zeitpunkt der Friedhofs-Begehung Anfang Mai im Blick, die letztlich zu den umstrittenen Briefen aus dem Rathaus führte. Viele erneuerten die Bepflanzung auf den Gräbern erst nach den Eisheiligen. "Wäre die Begehung erst Ende Mai gewesen, dann hätte es die meisten Briefe nicht gegeben." Den Einwand scheint Kämmerer Horstmeier, erst seit wenigen Monaten im Amt, zu teilen. "Der Zeitpunkt der Begehung erscheint mir auch nicht mehr optimal." Die Schreiben seien dann auf Grundlage der derzeitigen Satzung erfolgt. Der Kämmerer lenkte weiter ein. Wegen der Schreiben zu einem sensiblen Thema müsse sich die Verwaltung hinterfragen. "Da ist ein persönliches Gespräch besser." Und wenn es einen Brief gebe, dann müsse das genau überlegt sein und man müsse sich in die Situation des Empfängers versetzen. "Das werden wir angehen", sagte Horstmeier zu. Auch bei den öffentlichen Flächen auf den Friedhöfen sei nicht alles in Ordnung. Man müsse darüber sprechen, ob man in Frotheim etwa die Rasenwege durch Schotterwege ersetzen solle. Die könnten verkrauten, merkte Klaus Neumann an und erinnerte daran, dass Wege auch für die Nutzer von Rollatoren gut passierbar sein müssen. Früher sei hier viel angefahren worden, meinte Neumann hinsichtlich des Waldfriedhofes. Was beim Ausheben der Gräber so herausgeholt werde, "das ist eher geeignet als Unterbau bei der Hofpflasterung." Der Boden müsse ausgetauscht werden, forderte Neumann. Bürger sahen das ebenso und beklagten Steine und Betonbrocken, die es beim Ausheben von Gräbern gebe. An manchen Grabbereichen nur eine Vase zulässig Viel Kritik gab es, dass an manchen Grabbereichen nur eine Vase zulässig ist. Andere kritisierten, dass sich Mitarbeiter der Verwaltung Urteile zur Gestaltung einer Grabfläche anmaßten oder dass Schalen mit nur einer Pflanze von Gräbern entfernt würden. "Selbst eine Kerze darf man nicht aufstellen", beklagte eine Bürgerin und hatte für diese aus ihrer Sicht übertriebene Vorgabe kein Verständnis. "So ein Wust von Paragrafen ist irre", kommentierte Heinz-Dieter Horn die aktuelle Friedhofssatzung. Großzügiger solle die Friedhofssatzung werden, forderten die Bürger. Eine Espelkamperin kritisierte, dass sie mit dem umstrittenen Brief aus dem Rathaus auch als Beweis ein Foto erhalten habe - allerdings ein vier Jahre altes. Die laut Satzung vorhandene Pflicht zur Bepflanzung eines Grabes stellte Björn Horstmeier angesichts der massiven Kritik von Bürgern in Frage. Er erinnerte an erste Änderungen bei der Satzung; nun seien auch Pflanzschalen aus Kunststoff zulässig. Viel Kritik gab es an den aus Sicht der Bürger teils verkrauteten Wegen und Wildwuchs an Hecken sowie Büschen auf öffentlichem Grund. Im Vergleich zum Lübbecker Friedhof sei der Waldfriedhof beschämend, meinten Bürger. Bis vor zehn Jahren sei alles gut gewesen. Die nun tätigen Mitarbeiter aber "können nichts anpacken". Neue Gräber sackten teils so tief, dass Kränze nur noch knapp über der Grasnarbe lägen, meinte Klaus Neumann. Nach längerer Zeit sei das ja in Ordnung, aber nicht drei, vier Tage nach einer Beerdigung. Wie solle man das den Kindern erklären, fragte er. "Die denken doch, dass ein Sarg eingebrochen ist."

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