Dieses Grab gilt als eines der gepflegtesten auf dem Waldfriedhof: Dennoch hat Adolf Mierzowski erst kürzlich einen Brief von der Friedhofsverwaltung erhalten, der ihm die Tränen in die Augen trieb und ihn maßlos verärgerte. - © Foto: Karsten Schulz
Dieses Grab gilt als eines der gepflegtesten auf dem Waldfriedhof: Dennoch hat Adolf Mierzowski erst kürzlich einen Brief von der Friedhofsverwaltung erhalten, der ihm die Tränen in die Augen trieb und ihn maßlos verärgerte. | © Foto: Karsten Schulz

Espelkamp "Ärger ist bei uns angekommen"

Unruhe auf den Friedhöfen: Kämmerer und Bürgermeister nehmen die Beschwerden von Grabstellenbesitzern sehr ernst. Sie hatten einen Brief von der Friedhofsverwaltung erhalten, wie sie ihre Gräber zu pflegen haben

Karsten Schulz

Espelkamp. Der Ärger mit den von der Friedhofsverwaltung verschickten Briefen (die NW berichtete ausführlich) hatte im Espelkamper Rat gestern ein Nachspiel. Bereits im Ältestenrat hatten die Fraktionsvorsitzenden den Unmut vieler Bürger der Verwaltung gegenüber vorgetragen, die daraufhin reagierte und Besserung gelobte. Auch Stadtkämmerer Björn Horstmeier, dem das Friedhofswesen untersteht, hatte im NW-Bericht das Problem erkannt und mitgeteilt, dass man zukünftig anders damit umgehen wolle. Als gestern Nachmittag im Rat der Stadt das Thema "Ordnung auf den Friedhöfen" aufgerufen wurde, ergriff gleich SPD-Fraktionsvorsitzender Reinhard Bösch das Wort. Grundsätzlich finde der Tagesordnungspunkt zwar die Zustimmung der SPD, so Bösch, dennoch wolle und müsse er auf die öffentliche Diskussion bezüglich der Zustände auf den drei Espelkamper Friedhöfen eingehen. Grundsätzlich solle doch, im Sinne der Bürger, deutlich werden, was der Verwaltung bei der Pflege der Gräber wichtig sei und was immer gepflegt werden sollte, damit auch jeder Bescheid wisse. Dann müsse auch dringend über den Stil der Briefe, die bei Nachfrage geschrieben werden,geredet werden. Da gebe es ja wohl Klärungsbedarf. Bösch bezog sich da auch auf die Veröffentlichung in der NW. Das tat auch Bürgermeister Heinrich Vieker. Sowohl die Verwaltung wie auch er hätten die Reaktionen der Betroffenen wohl zur Kenntnis genommen. Vieker: "Es tut uns leid, wenn die Gefühle verletzt wurden. Wie immer liegt in einem solchen Fall der Teufel im Detail." Es gäbe verschiedenste Varianten von Vordrucken, der sich die Verwaltung gerne bedient, um Zeit und Kosten zu sparen. Die Verärgerung ist auf alle Fälle angekommen und nicht nur das", sagte der Bürgermeister während der Ratssitzung in aller Deutlichkeit. Auch die Verwaltung habe sich sofort eingeschaltet und sich Gedanken gemacht, wie man dieses Problem dauerhaft lösen könne. Daraufhin ergriff sofort Kämmerer Björn Horstmeier das Wort. "Ich teile die Auffassung des Bürgermeisters. Es liegt hier wirklich keine Absicht vor, den Bürger in irgendeiner Form zu beleidigen oder zu kränken." Horstmeier hat sich bereits Gedanken gemacht, wie man diesem Problem grundsätzlich begegnen könne. Grundsätzlicher Handlungsbedarf im Friedhofswesen Er wolle dies in einem Arbeitskreis im Detail offenlegen. Es bestehe grundsätzlicher Handlungsbedarf im Friedhofswesen, so der Kämmerer, der sich die Satzung der Espelkamper Friedhöfe vorgenommen hatte. Diese stamme aus dem Jahre 2003 und weise 30 Paragrafen auf, fand er heraus. Er möchte die Politik einladen, diesem Arbeitskreis beizuwohnen, an dem auch Vertreter der Friedhofsverwaltung, der Friedhofswärter vor Ort und der Bestatter teilnehmen sollten. Er habe bereits mehrere Bereiche kenntlich gemacht, die untersucht werden sollten. Dazu gehörten Vorbereitungsarbeiten sowie die Unterhaltungspflege und natürlich auch die Grabpflege. Diese sei in der alten Friedhofsordnung "sehr stark reguliert". "Ist das alles im heutigen Kontext noch zielführend?", fragte der Kämmerer. Auch bei der Gestaltung der öffentlichen Flächen auf den Friedhöfen müsse dringend etwas getan werden. Horstmeier sprach hier von einem möglichen Rückbau, um diese Bereiche auf Dauer gesehen pflegeleichter organisieren zu können. Dies werde jedoch noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, um es umsetzen zu können. Ad hoc könne jedoch auch schon etwas getan werden. Kämmerer Horstmeier sprach von einer Mängelliste, die schnell erstellt werden soll und die dann möglichst sofort abgearbeitet werden soll. Dazu müssten jedoch zusätzliche Mittel in den Haushalt eingestellt werden.

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