Diese Wandbehänge sind riesig: Das demonstriert Teppichhändler Jürgen Tönsmann aus Espelkamp, der diese monumentalen gewebten Stoffkunstwerke von der Bundeskunstsammlung als Leihgabe erhalten hat. Sie hingen ursprünglich im "Palazzo Prozzo", wie der "Palast der Republik" von den Berlinern despektierlich genannt wurde. - © Karsten Schulz
Diese Wandbehänge sind riesig: Das demonstriert Teppichhändler Jürgen Tönsmann aus Espelkamp, der diese monumentalen gewebten Stoffkunstwerke von der Bundeskunstsammlung als Leihgabe erhalten hat. Sie hingen ursprünglich im "Palazzo Prozzo", wie der "Palast der Republik" von den Berlinern despektierlich genannt wurde. | © Karsten Schulz

Espelkamp Espelkamper Teppichmuseum erhält Leihgaben aus den „Kunstschätzen des Bundes“

Jürgen Tönsmann stellt eine Ausstellung über DDR-Kunst zusammen. Großer Imagegewinn für Espelkamp. Weitere Projekte sind in Vorbereitung

Espelkamp. Ursprünglich zierten sie die Gänge der DDR-Volkskammer im Herzen der Hauptstadt im von den Berlinern spöttisch betitelten "Palazzo Prozzo": Riesige Wandteppiche von bekannten oder weniger bekannten DDR-Künstlern. Als der Palast abgerissen wurde - er wich dem Neuaufbau des Berliner Stadtschlosses, der 2019 abgeschlossen sein soll -, verschwand auch ein Stück DDR-Kultur und Identität. Einige Kunstwerke aus den Räumen des integrierten DDR-Kulturhauses wurden jedoch in Sicherheit gebracht und der Bundesrepublik Deutschland und ihrer "Abteilung Kunstschätze des Bundes" übereignet. Zwei dieser monumentalen Wandbehänge zieren seit einiger Zeit den Sitzungs- und Aufenthaltsraum des Teppichhauses Tönsmann und können dort besichtigt werden. "Wir sind ganz stolz darüber, dass sich die Abteilung Kunstschätze aus Berlin an uns gewandt hat und uns angeboten hat, DDR-Kunst in Espelkamp ausstellen zu können", freute sich Teppichhaus-Inhaber und Museumsleiter Jürgen Tönsmann im Gespräch mit der NW. Die jetzt ausgestellten zwei Wandteppiche und zwei Bilder sind jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was im kommenden Jahr geplant ist, darauf wies Rita Obermeier hin. Bei seinem Besuch im "Amt für Kunstschätze des Bundes" in Berlin habe Jürgen Tönsmann zunächst einmal die verschiedensten Ausstellungsmöglichkeiten mit den entsprechenden Schwerpunktthemen im Museum Tönsmann erörtert. Dabei kam auch die für Herbst 2017 geplante Ausstellung des SAP-Mitbegründers Hasso Plattner in seinem neu eröffneten Barberini-Museum in Potsdam zur Sprache. Dort wird die Ausstellung "Künstler in der DDR" zum Thema haben. Schwerpunktmäßig befasst sich diese Präsentation mit den Kreativen, die zurzeit der DDR damit beauftragt waren, den "Palast der Republik" mit ihren Werken zu verschönern. Diese Exponate stammen aus dem Kunstdepot der Bundesrepublik Deutschland. Und jetzt wird es interessant: Jürgen Tönsmann konnte mit dem Kunstdepot und dem Ausstellungsleiter in Potsdam vereinbaren, dass nach Beendigung der Ausstellung in Potsdam diese Werke dem Museum Tönsmann im kommenden Jahr für eine Sonderausstellung in Espelkamp zur Verfügung gestellt werden. Etwa Mitte kommenden Jahres werden die jetzt bald in Potsdam zu sehenden Exponate dann in der Industriestadt im Grünen zu sehen sein, freuten sich Tönsmann und Obermeier über diesen "großen Imagegewinn für Espelkamp". Üblicherweise werden nur hochrangigen Museen Exponate aus dem Fundes der Bundesrepublik zur Verfügung gestellt, wie beispielsweise zurzeit dem Leopold-Museum in Wien, das so eine Karl-Spitzweg-Ausstellung zusammenstellen konnte, die noch bis zum 19. Juni zu sehen ist. "Es ist für uns somit eine große Ehre. Möglicherweise ist man auf uns aufmerksam geworden, weil wir das einzige Teppichmuseum in Deutschland sind", mutmaßen Tönsmann und Obermeier. Der ideenreiche Teppichhändler denkt allerdings schon weiter und plant eine weitere Sonderausstellung nach der DDR-Kunstschau. So ist angedacht für Ende 2018/Anfang 2019 eine Präsentation zusammenzustellen, die sich mit Wirkteppichen des Mittelalters beschäftigt. Dazu sollen auch entsprechend passende Gemälde gezeigt werden. Und es geht noch weiter: Ein ganz großer Wunsch ist es, den berühmten "Erntedankteppich" aus der Zeit des Nationalsozialismus zu zeigen. "Er befand sich im Büro von Reichspropaganda-Minister Joseph Goebbels", sagt Jürgen Tönsmann. Er ist so groß und so schwer, dass er von acht Personen getragen werden muss. "Auch so etwas sollte man einmal zeigen. Ich glaube, wir finden bei uns auch einen Platz dafür", so der Privatmuseumsbetreiber im Gespräch mit der NW.

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