Verbündete: Manfred Vesper (l.) und Galsan Tschinag arbeiten gemeinsam daran, in der Mongolei eine Million Bäume zu pflanzen. - © Robert Rolf Grundmann
Verbündete: Manfred Vesper (l.) und Galsan Tschinag arbeiten gemeinsam daran, in der Mongolei eine Million Bäume zu pflanzen. | © Robert Rolf Grundmann

Espelkamp Förster berichtet über Aufforstungsprojekt in der Mongolei

1.000.000 Bäume für die Mongolei

Espelkamp. Jürgen Tönsmann hatte in sein Teppichmuseum eingeladen. Viele Interessierte waren gekommen, so dass die Stuhlreihen fast vollständig besetzt waren. Eingestimmt durch mongolische Musik warteten alle gespannt darauf, was der pensionierte Förster Manfred Vesper über das Projekt "1.000.000 Bäume für die Mongolei" der Galsan-Tschinag-Stiftung berichten werde. Wie engagiert er sein Wissen weitergibt und seine Erfahrungen einbringt, kann man allein daran ablesen, dass er das ferne, kleine Land in den letzten Jahren über 40-mal besucht hat. Der vom Namensgeber der Stiftung als "Gott des Baumes und Gott des Waldes" vorgestellte Referent erklärte, dass es in der Mongolei drei Ökosysteme gebe: im Norden den Wald, in der Mitte die Steppe, die auch von den Hirten genutzt werde und im Süden die Wüste Gobi. Trotz vieler Hemmnisse wie Korruption und Klientelpolitik sei es im Laufe der Jahre gelungen, eine Reihe von Forstbaumschulen aufzubauen und Personal dafür zu Schulen. Mit dieser Hilfe zur Selbsthilfe soll eine nachhaltige Waldbewirtschaftung entwickelt werden, insbesondere für die Flächen, die zur Zeit des Kommunismus dem Kahlschlag zum Opfer gefallen waren. Bäume können nur dort wachsen, wo die Umweltbedingungen passen - es muss genügend Wasser vorhanden sein, und die Sonneneinstrahlung darf nicht zu stark sein. Dort wo Wald und Steppe aneinander grenzen, konkurrieren die beiden Ökosysteme, und Ausläufer reichen in den jeweils anderen Bereich hinein. Es sei wichtig, diese Bedingungen zu kennen, zu akzeptieren und zu beachten, um Fehlschläge zu vermeiden. Birke, Lärche und Kiefer seien die Baumarten, die natürlich vorkommen und deshalb auch überwiegend für die Wiederaufforstung genutzt würden. Niederschläge kämen sporadisch und in großen Mengen. Dort, wo der Wald fehlt, fließt das Wasser ab und erreicht gar nicht erst die grundwasserführenden Schichten. Aus denen aber würden die Brunnen gespeist, die für Hirten und Herden überlebenswichtig seien. Vesper illustrierte seine Ausführungen mit Landschaftsaufnahmen und Fotos, die die Arbeit in Gewächshäusern und auf Freiflächen zeigten. Dort erfolgt die Aufzucht vom Samenkorn bis zum Bäumchen, dass dann an seinen endgültigen Standort gepflanzt wird. Er berichtete auch anschaulich von landestypischen Verhalten: so kann einzelnen Bäumen eine besondere Verehrung zuteil werden, wenn sie von den Bewohnern des buddhistisch geprägten Landes als Wohnsitz eines Geistes oder Lebewesens angesehen werden, das man durch Opfergaben besänftigen oder positiv stimmen möchte. Es gäbe auch Kultstätten, an denen mit Opfergaben um einen Reisesegen gebeten werde. Er tue dies auch regelmäßig, weil er auf einer Fahrt ohne diesen Reisesegen in einen schweren Unfall verwickelt gewesen sei. Seinem Publikum riet er, mit der Bahn in die Mongolei zu reisen, denn nur so könne man die großen Entfernungen erleben und erfahren. Bevor Galsan Tschinag den Vortragsabend mit einem gesungenen Gebet abschloss, berichtete er von seinen Erfahrungen mit mongolischen Politikern und Behörden, die häufig eine Ansammlung von 100 Bäumen schon als Wald ansähen. Er erzählte auch, dass er sich neben seinem Wiederaufforstungsprojekt vorgenommen habe, 60 Bücher zu schreiben - 44 seien schon erschienen, der größte Teil von ihnen auch auf Deutsch. Die noch fehlenden 16 werde er auch noch schaffen. Wer wollte, konnte - inspiriert von landestypischer Musik - auch noch Kunsthandwerk aus der Mongolei erwerben, die zugunsten der Stiftung verkauft wurden.

realisiert durch evolver group