Mal so gesehen: Der Schul-Marathon

Wochen der Entscheidungen

Die Fronten formieren sich, die Messer werden gewetzt, es bilden sich die ersten Fronten im Espelkamper Schulstreit: Ob es wohl so heftig wird, wie seinerzeit bei der Schließung von Ostland- und Ina-Seidel-Schule? Bisher lief die Debatte eher gezügelt ruhig und von einer Informationsflut geprägt, die es seinerzeit so nicht gab. Da wurde zeitweise viel schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit gewaschen, was auch zu Verletzungen auf der einen wieder anderen Seite geführt hatte. Nach der Entscheidung der CDU, sich vorbehaltlos hinter das Garbe-Gutachten zu stellen, trennt sich nunmehr die Spreu vom Weizen. Die nicht mehr Betroffenen aus Benkhausen und Frotheim und auch aus der Kernstadt haben sich schnell aus der IG "Schule vor Ort" zurückgezogen, wie zu erfahren war. Schließlich bleibt ja ihre Schule bestehen. Doch hatte die IG von Anfang an klar deutlich gemacht, dass sie die Interessen aller Eltern an allen Grundschulen mit ihren Standorten in Espelkamp vertreten werden. Das von der IG entwickelte gut recherchierte Gutachten, in dem sehr viel Arbeit steckt und das von noch mehr Engagement zeugt, hat, ebenso wie das des Detlef Garbe, den gesamten Grundschulbereich durchleuchtet und analysiert. Da ist es mehr als blauäugig, von den Nichtbetroffenen, den Kopf jetzt in den Sand zu stecken und mit den Wölfen zu heulen oder gar nicht. Denn man muss nur eins und eins zusammenzählen, um ganz schnell festzustellen, dass es in wenigen Jahren keine zwei Schulstandorte Benkhausen und Frotheim mehr geben wird sondern nur noch die große Lösung mit zwei großen Schulen im Osten und Westen der Kernstadt, Waldschule und Mittwald, in die das Stadtgebiet einschließlich der Dörfer aufgeteilt wird. Wer ehrlich ist, hätte den Eltern und der Öffentlichkeit diese Rechnung gleich eröffnen müssen und nicht erst auf die jetzt avisierte Übergangslösung hinarbeiten dürfen. Doch die wird jetzt durchgezogen, komme was wolle. Möglicherweise würde der Schulträger schon in dem ein oder anderen Fall wortbrüchig werden, wenn er die Schulschließungen nicht durchsetzen sollte. Aber für einen Ratsbürgerentscheid braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit, die sich auf eine Fragestellung einigt. Kommt diese nicht zustande, gilt der Ratsbeschluss. Der wird wahrscheinlich auf die drei Schulstandort-Schießungen hinauslaufen. Und dagegen kann die IG ein Bürgerbegehren starten, für das sie in einem bestimmten Zeitraum 2.000 Unterschriften sammeln müsste. Dieses führt dann - nach Ablehnung durch den Rat - zwangsläufig zu einem Bürgerentscheid. All dies würde die Entscheidung über die Grundschulstruktur jedoch deutlich verzögern und weit ins nächste Jahr hineinreichen. Es wird wohl ein Schul-Marathon und kein Schulsprint werden. karsten.schulz@nw.de

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