Romantischer Ort: Die alte Brücke über den Burggraben hat sich Karin Gauselmann als Motiv ausgesucht. - © FOTO: JOERN SPREEN-LEDEBUR
Romantischer Ort: Die alte Brücke über den Burggraben hat sich Karin Gauselmann als Motiv ausgesucht. | © FOTO: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Espelkamp Eine Frau in vielen Rollen

Karin Gauselmann wird heute 80 Jahre alt / Stiftungskapital verdoppelt

Karsten Schulz

Espelkamp. Ihre 80 Jahre sieht man ihr wahrlich noch nicht an. Wie immer sitzt die Frisur tadellos, ihre Kleidung ist eher klassisch und zeitlos, hervorragend aufeinander abgestimmt. Sie ist dezent geschminkt, ihrem Typ entsprechend. Nur die Beine wollen nicht mehr so wie früher. Vom Fototermin auf der romantischen Burggraben-Brücke im Schloss Benkhausen geht sie gemessenen Schrittes Richtung Freitreppe am Herrenhaus. Sie sucht den Handlauf und geht langsam hinauf. Drinnen fühlt sie sich sicherer. "Ich bin hier Zuhause. Gehen Sie ruhig voran", nickt sie den Anwesenden freundlich zu. Mit ein wenig Stolz in der Stimme blickt sie in Richtung historisches Herrenzimmer im Untergeschoss und nimmt mich ein wenig beiseite: "Diese Vitrine hier mit den Puppen, die habe ich dem Schloss zur Verfügung gestellt. Die kommen doch hier gut, nicht wahr?" Überhaupt ist ihr und ihrem Mann Schloss Benkhausen ganz besonders ans Herz gewachsen. "Es ist sehr schön geworden, und das in so einer relativ kurzen Zeit. Das Haus lebt", freut sich die Jubilarin, die heute ihren 80. Geburtstag feiert. Jeden Stuhl hat sie selbst ausgesucht. Die moderne, dem historischen Stil des Schlosses angepasste, Verdunkelung ebenfalls. Ihr kam es darauf an, dass sich im historischen Herrenhaus Altes und Neues harmonisch miteinander verbinden. Ganz besonders freut sie sich über die gelungene Wiederherstellung der historischen Gartenanlage im Stil eines englischen Gartens mit Landschaftspark. "Ich habe meinen Mann darin bestärkt, Schloss und Garten wiederherzustellen", sagt sie im Gespräch mit der NW. Karin Gauselmann war langjähriges Mitglied des Aufsichtsrates der Gauselmann AG und an vielen strategischen Entscheidungen beteiligt. Sie hält 25 Prozent Eigentümer-Anteile, ist Mitglied des Familienrates der Gauselmann-Gruppe und damit ein wichtiger Teil des ostwestfälischen Familienunternehmens. Darüber hinaus ist Karin Gauselmann auch nachhaltig gesellschaftlich engagiert, unter anderem als Vorsitzende des Stiftungskuratoriums der Gauselmann Stiftung. Anlässlich ihres 80. Geburtstages erhöhte sie das Stiftungskapital von jetzt fünf Millionen auf zehn Millionen Euro. Zukünftig heißt die Stiftung deshalb auch "Paul und Karin Gauselmann Stiftung." In der Branche ist Karin Gauselmann genauso bekannt wie ihr Mann. Und das Unternehmen bestimmt ihr Leben, seitdem sie vor knapp 50 Jahren ihren Mann kennenlernte. Auch an den Wochenenden - bis auf den Sonntagnachmittag. "Da spielen mein Mann und ich Streit-Paciencen oder auch Rommé-Cup. Das können schon mal zwei bis drei Stunden sein, die die beiden so miteinander verbringen. "Da geht?s manchmal richtig zur Sache. Da lasse ich nichts anbrennen", verrät sie augenzwinkernd. Ansonsten bestimmen vor allem die große Familie und die Firma ihr Leben. In Espelkamp habe sie sich einen großen Bekanntenkreis geschaffen. Mit einigen Freundinnen pflege sie regelmäßigen Telefonkontakt. So war schnell klar, dass die im Schloss vorhandenen - auch größeren - Räume nicht für ihre Geburtstagsfeier ausreichten. "Wir hatten im Sommerzimmer gerade einmal Platz für 60 Personen. Das reicht nicht." So wurden Sommer- und benachbartes Kaminzimmer miteinander verbunden. Karin Gauselmann: "Jetzt gibt es zwischen beiden Räumen eine wunderbare Pforte. Es fällt überhaupt nicht auf, dass wir das neu gemacht haben", freut sich die Jubilarin. Im übrigen sorgen die heimischen "Dixie Rats" für die entsprechende musikalische Untermalung. Dass ihre Wahl auf diese Band fiel, zeigt die Verbundenheit Karin Gauselmanns mit Espelkamp und Umgebung. Die gebürtige Berlinerin zieht es so gar nicht mehr nach Berlin. "Im Alter liebt man es ruhiger. Wir haben doch alles hier, was wir brauchen. Espelkamp ist so gepflegt, und dann die bunten Gebäude, das ist alles sehr hübsch. Gehen Sie mal morgens um 8 Uhr durch die Stadt. Da waren die Stadtsoldaten schon unterwegs. Das ist blitzblank." Gerne gehe sie mit ihrem Mann über den Wochenmarkt, wo sie auch einkauft. Das wichtigste Ereignis in ihrem Leben war die Heirat mit ihrem Mann. Kennengelernt hat sie ihn im Skiurlaub im österreichischen Hintertux, den sie als Erholung für den Neustart in Westdeutschland geplant hatte. Nach dem ersten Augenkontakt und einem Tänzchen während des abendlichen Hotelballs überreichte Paul Gauselmann der jungen Berlinerin seine Visitenkarte und ermutigte sie, sich einmal bei ihm zu melden. Nach seiner Abreise tat sie dies auch und übermittelte ihm gleichsam ihre neuen Kontaktdaten in Westdeutschland. Bei einem der vielen Telefongespräche war am Anfang ihre Frage: "Wie alt sind Sie eigentlich?" Aber erst bei einem erneuten Wiedersehen und gemeinsamen Ausflug nach Heidelberg kam dann das "Geständnis": der junge Mann war Witwer und obendrein Vater von drei kleinen Jungs. Das sei zwar eine Überraschung gewesen, jedoch auch eine große Herausforderung. Es dauerte nun nicht mehr lange, bis die entsprechende Frage gestellt wurde. Und noch ehe die Probezeit beim Darmstädter Arbeitgeber endete, kündige Karin Gauselmann ihren Job und zog nach Espelkamp. Kurz darauf, am 1. Dezember 1967, wurde die Hochzeit in Berlin gefeiert. Den neuen Anforderungen als Mutter und Hausfrau und als Gattin eines aufstrebenden Jungunternehmers wurde Karin Gauselmann vollends gerecht. Ihrem Mann ermöglichte sie damit die volle Konzentration auf seine Geschäfte, den Kindern gab sie Halt und Hilfe, wo immer dies notwendig war. 1969 bekam die junge Familie nochmals Nachwuchs: Paul und Karins gemeinsamer Sohn Karsten wurde geboren. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, freute sich Karin Gauselmann schon bald über die ersten Enkelkinder, die das Haus mit neuem Leben erfüllten. Inzwischen sind es neun Enkelkinder - sieben Mädchen und zwei Jungen - im Alter zwischen sieben und 32 Jahren. Immer gern und mit großem Interesse begleitet sie den Werdegang eines jeden einzelnen, darf doch keiner zu kurz kommen.

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