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Die Dachflächen der Ellerburg sind teilweise schon abgedeckt, Fenster ausgebaut. Herausgebrochenes Mauerwerk auf der Nordseite gibt den Blick frei auf die Reste einer Toilette und auf einen alten Kachelofen. - © FOTOS: JOERN SPREEN-LEDEBUR
Die Dachflächen der Ellerburg sind teilweise schon abgedeckt, Fenster ausgebaut. Herausgebrochenes Mauerwerk auf der Nordseite gibt den Blick frei auf die Reste einer Toilette und auf einen alten Kachelofen. | © FOTOS: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Espelkamp Bröckelndes Bollwerk

Abriss der Fiesteler Ellerburg rückt näher / Dachziegel und Fenster werden entfernt

Von Joern Spreen-Ledebur
21.09.2014 | Stand 30.09.2014, 19:39 Uhr

Espelkamp-Fiestel. Wenn Steine erzählen könnten, dann hätte das Mauerwerk der Ellerburg allerhand zu berichten. Kriegerische Belagerungen hat es ebenso erlebt wie fröhliche Familienfeste. Seit Jahren aber bröckelt das Mauerwerk und nun rückt der Abriss der maroden Fiesteler Ellerburg näher. Erste Anzeichen dafür sind bereits deutlich zu sehen.

Baustraßen an dem historischen Herrensitz sind mittlerweile angelegt worden, um einen besseren Zugang zu haben. Dachziegel sind zum großen Teil abgetragen und einige Fenster entfernt worden. Ziegel und Fenster verschwinden komplett.

Das diene dazu, dass sich im Winter keine Fledermäuse in der Ellerburg einnisten, wie Torsten Siemon von der Stadtverwaltung erklärte. In der Umgebung des bröckelnden Bollwerks sind nach Angaben von Dominik Bulinski von der Stadt einige Nistkästen für Fledermäuse aufgehangen worden.

Für das kommende Jahr sei der Abriss der Ellerburg geplant, meinten Siemon und Bulinski gestern im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Anfang des Jahres stehe erst einmal die Ausschreibung der Arbeiten an, danach der "behutsame Rückbau" bis auf die Grundmauern, wie Bulinski das Vorhaben bezeichnete. Sollte die Substanz noch gut sein, dann könnte der Keller der Ellerburg vielleicht erhalten bleiben. Genaueres aber dürfte sich erst im Lauf des Abbruchs zeigen.

Um Zugang zum maroden Bauwerk zu haben, wurde jetzt eine Baustraße angelegt. - © FOTO: NW
Um Zugang zum maroden Bauwerk zu haben, wurde jetzt eine Baustraße angelegt. | © FOTO: NW

Über die Jahre 2015 und 2016 soll die Umsetzung des Parkpflegewerkes folgen. Schon jetzt sei die Burg als Bodendenkmal eingetragen, erinnerte Bulinski. Im Parkpflegewerk ist unter anderem die Errichtung einer Aussichtsplattform angedacht.

Die weiteren Details würden sich im Planungsprozess ergeben, meinte Dominik Bulinski. "Wir haben es ja mit einem Gebäude zu tun, das eine denkmalschutzrechtliche Wertigkeit hat und in einem schlechten Zustand ist." Der Fachausschuss solle über das weitere Vorgehen und das anstehende Projekt informiert werden. Gegenüber der Politik möchte Bulinski dann auch zu den Kosten Stellung nehmen.

Die Ellerburg in Fiestel stammt ursprünglich aus dem Mittelalter und wurde vom Geschlecht derer von Münch wahrscheinlich im 13. Jahrhundert errichtet. Als Wasserburg war sie von einer Gräfte umgeben; errichtet wurde die Burg auf Pfählen aus Erlen und Eichen. Als die Gräfte im Zuge des Aue-Ausbaus im vorigen Jahrhundert trocken gelegt wurde und Luft an die Holzpfähle kam, begann das Holz zu verrotten. Das Todesurteil für ein Bollwerk, von dem aus einst der einzige Aue-Übergang zwischen Lübbecke und Rahden kontrolliert wurde.

Information

Einst Sitz der Amtsverwaltung


  • Die aus dem Mittelalter stammende Ellerburg ließ der Obrist v. Ripperda im Jahr 1697 neu bauen.
  • Im Jahr 1820 ging die Burg an den damaligen preußischen Regierungspräsidenten, Freiherr von der Horst, über. Es folgten einige bauliche Erweiterungen und die Anlage von Garten und Park.
  • Von 1870 bis 1889 war die Ellerburg Sitz der Verwaltung des preußischen Amtes Alswede.
  • Die letzten Bewohner zogen in den 1980er Jahren aus der Burg aus.
  • In den folgenden Jahren scheiterten mehrere Anläufe, die immer mehr verfallende Ellerburg zu sanieren.

Auch kriegerische Auseinandersetzungen hatten der Burg nicht den Garaus machen können. Im Jahr 1475 etwa zogen Soldaten des Osnabrücker Bischofs vor die Ellerburg. Der Belagerung war die Ermordung des aus dem Bistum Osnabrück stammenden Albert von dem Bussche durch Hardeke von Münch vorangegangen. Der Mord ereignete sich historischen Überlieferungen zufolge übrigens vor dem Altar der Leverner Kirche. Und die Gemeindekirche wurde nach der Bluttat neu gebaut.

Während des Dreißigjährigen Krieges nahmen 1633 kaiserliche Truppen die strategisch wichtige Burg am Aue-Übergang ein, ihnen folgten die Schweden. Die rückten erst 1650 wieder ab.

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