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Bad Oeynhausen Urgestein mit Schweigepflicht

Modellbau Klocke verabschiedet Friedhelm Krone nach mehr als 50 Berufsjahren

Von Peter Steinert
01.11.2013 | Stand 30.10.2013, 21:41 Uhr
Das (halbe) Modell für einen V-12-Motor lagert heute im Raritätenkeller der Modellbau-Firma Klocke und begeistert Friedhelm Krone immer noch. Der wird heute nach gut 50 Berufsjahren als Modellbauer in den Ruhestand verabschiedet. - © FOTO: PETER STEINERT
Das (halbe) Modell für einen V-12-Motor lagert heute im Raritätenkeller der Modellbau-Firma Klocke und begeistert Friedhelm Krone immer noch. Der wird heute nach gut 50 Berufsjahren als Modellbauer in den Ruhestand verabschiedet. | © FOTO: PETER STEINERT

Bad Oeynhausen. Der Raritätenkeller der Firma Gustav Klocke Modellbau gibt was her: "Hier", sagt Friedhelm Krone, "das ist die Ehrengabe der Gemeinde Rehme". Doch bevor der 65-Jährige die hölzerne Form weiterreicht wischt er schnell mit seiner Hand über das Unikat, spürt mit den Fingern letzte Staubkrümel auf, die er in einem Zug wegpustet. Der daneben stehende Betriebsleiter Ralf Remmert lacht: "Das ist die Handbewegung des Modellbauers." Eines Modellbauers wie Friedhelm Krone. Der wird am heutigen Donnerstag nach gut 50 Berufsjahren verabschiedet.

Früher – das ist für Friedhelm Krone das Jahr 1963. Der 14-Jährige hatte die Volksschule Eidinghausen hinter sich gebracht. Eine Lehrstelle sollte her. "Da bin ich mit meinem Vater zu Gustav Klocke, der damals seinen Betrieb noch in der Friedenstraße hatte."
Etwa eine Stunde dauerte das Bewerbungsgespräch. Der erste Arbeitstag: ein 1. April. "Das wäre ein Montag gewesen und deswegen sollte ich erst am Folgetag, dem 2. April kommen", erinnert sich Krone und erklärt die noch heute in Modellbauerkreisen bekannte Regel: "Wer an einem Montag anfängt, der wird in dem Beruf nicht alt." "Das", fügt Betriebsleiter Remmert an, "hat sich dann ja auch bewahrheitet."

Friedhelm Krone tauchte ein in eine Welt der Geheimnisse und des Verborgenen. Denn viele Auftraggeber ließen sich bei der Entwicklung ihren neuen Produkte ungern in die Karten schauen. Das galt gleichermaßen für heimische Unternehmen wie Heesemann, die die Formen für einzelne Maschinenteile bei Klocke fertigen ließen, wie auch für führende Fahrzeug-Produzenten.

Auch heute noch spricht Friedhelm Krone zurückhaltend von "namhaften Automobil-Herstellern", um erst auf Nachfrage die Marken Volkswagen und Audi zu verraten. Die ließen nicht nur die Modelle von Getriebegehäusen oder Ölwannen sondern zeitweise ihre neuesten Kreationen – unter strengster Geheimhaltung – als 1:1-Abbild in Bad Oeynhausen nachformen. Wie etwa denVW- Golf, den die Klocke-Mitarbeiter lange vor der interessierten Öffentlichkeit begutachten durften. Wenngleich nur als hölzerne Hülle ohne Motor.
Vielleicht prägen deswegen nicht diese Automobile die Erinnerungen von Friedhelm Krone, sondern einzelne Elemente, wie die Fünf-Ventil-Technik von Audi, die der gebürtige Mennighüffener aus Holz nachbaute. Um dann bescheiden anzufügen: "Wir sind Förmchenbauer." Sachlicher sieht Betriebsleiter Ralf Remmert den Beruf: "Der Modellbauer muss ein Vorstellungsvermögen vom dreidimensionalen Denken haben." Und: "Das Modell ist ein Werkzeug, um ein Gegenstück herzustellen."

"Was einst mit einem Hobel angefangen hatte, ist heute höchste CNC-Technik", sagt Friedhelm Krone, der inzwischen Kunststoffe und Aluminium bearbeitet, der am Computer entstandene Stoßstangen Wirklichkeit werden lässt oder der die Prüflehre für ein Autoteil millimetergenau herstellt. "Das ist das Urmaß aller Dinge", sagt das Urgestein im grauen Kittel.

Den Kittel will Friedhelm Krone auch nach mehr als 50 Jahren nicht so ganz ausziehen. Mitunter werde er sich noch im Betrieb blicken lassen. In jenem Betrieb, der mittlerweile an der Königstraße beheimatet ist und der heute den künftigen Rentner mit der einen oder andere Überraschung verabschieden will. Ob auch ein Ehrenteller der längst nicht mehr selbstständigen Gemeinde Rehme dabei sein wird, war nicht zu erfahren.

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