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Thomas Modzel und Carmen Sander suchen die Kandidaten aus. - © FOTO: NICOLE BLIESENER
Thomas Modzel und Carmen Sander suchen die Kandidaten aus. | © FOTO: NICOLE BLIESENER

Bad Oeynhausen Die gespielte Bewerbung

Vorsprechen für Ausbildung an der ersten Musikalischen Schauspielschule

28.08.2013 | Stand 26.08.2013, 19:32 Uhr

Bad Oeynhausen. Anabelle dreht den Fuß auf der Fußspitze, erst den einen dann den anderen. Die 19-Jährige, die zurzeit in Bad Oeynhausen ein freiwilligen soziales Jahr absolviert, ist nervös. Sie hat auf der Bühne Platz genommen. Der kleine Hocker ist im Moment ihr einziger Halt, denn die junge Frau spricht für einen Platz an der Schauspielschule vor. Vorbereitet hat Anabelle eine Szene aus dem Drama "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind. Doch gleich nach wenigen Sätzen hat sie einen Aussetzer. "Fang einfach noch mal von vorn an", muntert Thomas Modzel sie auf. "Du bewirbst dich hier nicht um eine Rolle, sondern um einen Ausbildungsplatz."

Am 1. Oktober eröffnet der Bad Oeynhausener Schauspieler, Moderator, Sänger, Musiker, Thomas Modzel, im ehemaligen Gesellschaftshaus am Klosterplatz in Bielefeld Ostwestfalens erste musikalische Schauspielschule.

Fünf Vorsprechen hat Thomas Modzel bereits absolviert. Die sechste Bewerbungsrunde macht Modzel gemeinsam mit Carmen Sander, die im Hauptberuf in der Klinik Porta Westfalica als Physiotherapeutin arbeitet und an der Schauspielschule künftig Atemtechnik, Körpersprache und Haltungsschulung unterrichten wird. 12 Plätze für das erste Semester sind bereits vergeben, zwei sind noch frei. Gestern Morgen hatte der künftige Schauspielschulleiter noch einmal sechs Interessenten nach Bad Oeynhausen eingeladen.

Darunter auch Marielle Ronja Prinz. Die 21-jährige Bielefelderin hat schon an verschiedenen Theater-Projekten mitgewirkt und absolviert zurzeit ein Jahrespraktikum beim Bielefelder Alarm-Theater. Extra für das Vorsprechen bei Thomas Modzel hat Marielle Gesangsstunden genommen. "Ich kann auch erst einmal was singen, ich begleite mich selbst am Klavier", schlägt die zierliche Blondine mit leiser Stimme vor.

"Fabelhaft", ruft Modzel, springt auf die Bühne und zieht das Klavier aus der Ecke. Marielle beginnt etwas zaghaft. Das Klavier übertönt ihre Stimme. Nach nur wenigen Liedzeilen wird Marielles Stimme kräftiger und Thomas Modzel nickt anerkennend. Auch bei der einstudierten Szene zeigt Anabelle viel Bühnenpräsenz. Ihre Zurückhaltung legt sie schnell ab. Sie nutzt die ganze Bühne, zeigt Improvisationsgeschick und setzt ihre sparsam gewählten Requisiten gekonnt ein. Marielle hat sich auf dieses Vorsprechen konsequent vorbereitet, das erkennen Thomas Modzel und Carmen Sander gleich. Die junge Frau ist motiviert, ehrgeizig und - so teilen ihr die beiden Jurymitglieder auch gleich nach dem Vorsprechen mit - ab 1. Oktober Schülerin an der "MuSS". So nennt Modzel seine Schule am Bielefelder Klosterplatz.

Wer heutzutage im Fernsehen oder auf der Theaterbühne Erfolg haben wolle, braucht eine solide Ausbildung, weiß Thomas Modzel. Modzel selbst, der eigentlich Theologe werden wollte, sich dann aber für die Bühne entschied, hat sein Handwerk an der renommierten Folkwang-Schule in Essen gelernt. Anschließend absolvierte er ein Musikstudium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf.

Den unbedingten Drang auf die Theaterbühne verspürt auch Anabelle Block. Die 19-Jährige ist spontan zum Vorsprechen gekommen und hat Glück. "Zwei Kandidaten haben heute Morgen aus Krankheitsgründen abgesagt", sagt Modzel. Ein kurzer Blick in Anabelles Bewerbungsmappe zeigt der Jury: "Das könnte was werden." Anabelle bekommt ihre Chance und nutzt sie. "Wir sehen uns am 1. Oktober", sagt Modzel. "Und dein Gezappel mit den Füßen werden wir dir dann noch abgewöhnen."

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