Peggy Wehmeier wuchs in Rehme auf und lässt ihr neues Werk auch dort spielen. - © FOTO: PR
Peggy Wehmeier wuchs in Rehme auf und lässt ihr neues Werk auch dort spielen. | © FOTO: PR

Bad Oeynhausen Kämpferisch bis zur letzten Seite

Bad Oeynhausenerin Peggy Wehmeier veröffentlicht als Carla Berling ihren ersten Roman

VON NICOLE SIELERMANN

Bad Oeynhausen/Köln. "Vom Kämpfen und vom Schreiben" heißt eines ihrer Werke. Gekämpft hat sie. Und letztendlich auch geschrieben. Allen Widrigkeiten ihres Lebens zum Trotz. Die gebürtige Bad Oeynhausenerin Peggy Wehmeier ist ihrem großen Ziel Stück für Stück näher gekommen. Jüngst ist unter dem Pseudonym Carla Berling ihr erster Roman "Die Rattenfänger" erschienen. Der nächste ist bereits in Arbeit – er spielt im beschaulichen Bad Oeynhausen.

Der große Traum vom Schreiben. Peggy Wehmeier, die vor vielen Jahren als freie Journalistin für die NW im Einsatz war, hat diesen Traum nie aus den Augen verloren. Auf einer alten Schreibmaschine, auf der auch noch das "e" hakte, tippte sie vor 19 Jahren ihr erstes Manuskript. Das wanderte in die Schublade. Doch vorher wurden alle fehlenden "e"’s handschriftlich ergänzt. "Irgendwann, es sind doch mehr als die geplanten drei Monate vergangen, lese ich mein Werk. Über 300 dicht beschriebene Seiten mit einer Million handgeschriebener ,e‘. Und ich bin entsetzt. Alles klingt holperig und gestückelt, ist langatmig und vor allem: Es ist kein bisschen spannend. Es gibt keine Kapitel, keine Spannung, keinen Pepp, irgendwas fehlt, ich weiß aber nicht, was es ist, merke nur, dass es beschissen klingt. Es ist dilettantischer Mist!" Ehrliche Worte findet die 53-Jährige für ihre Träume. Und nach und nach wird sie von der Realität eingeholt. Doch sie kämpft.

Information

Bücher


"Vom Kämpfen und vom Schreiben", VAT Verlag, 19.90 Euro.

"Die Rattenfänger", VAT Verlag, 19.90 Euro.

Die Wechseljahre-Serie "Jesses Maria", 2 Bände, je 9.90 Euro, Books on Demand. (nisi)

"Ich wollte Schreiben", sagt Peggy Wehmeier. Nicht, weil die Geschichte unbedingt in die Welt musste. "In Wahrheit hatte ich Geldsorgen. Schlimme Geldsorgen." Der Mann arbeitslos, die Kinder klein, die Gasheizung abgestellt, Wärme spendet einzig und allein der Backofen – und das in einem schweinekalten Winter. Also sollte der Roman das ersehnte Geld bringen. Doch erst jetzt, 19 Jahre später wird er veröffentlicht. Unter dem Titel "Die Rattenfänger". "Endlich", wie Peggy Wehmeier heute sagt. "Als ich damals stolz erzählte, dass ich an einem Roman schreibe, wurde ich mitleidig belächelt." Eine Situation, die sie auch in "Vom Kämpfen und vom Schreiben" – ihre Autobiografie – beschreibt.

Im Laufe der Jahre arbeitet Wehmeier sich in die Materie des Schreibens ein. Räumt in ihrer Autobiografie auf mit dem Klischee des Schriftstellers, stellt klar, dass dieser Job harte Arbeit, viel Recherche und vor allem Zuhören ist. Und langsam, Stück für Stück, kommt der Erfolg. Erste Lesungen, die oft in Eigenregie organisiert werden, bringen Häppchenweise den Erfolg. "Hardy, mein verstorbener Mann, lehrte mich unermüdlich, weiter an mich zu glauben und nie aufzugeben." Ein Rat, an den sich die 53-Jährige hält. Noch heute.

Vor zehn Jahren gibt Peggy Wehmeier dann alles in Bad Oeynhausen auf und zieht nach Bonn, 2007 folgt der Sprung nach Köln, wo sie mit ihrem zweiten Ehemann lebt und sich auch das Pseudonym Carla Berling zulegt. "Weil Romanautorin Peggy Wehmeier bescheuert klingt. Wie eine dichtende Erdkundelehrerin", sagt sie lachend. Ihre Freunde hätten sie früher, als sie noch für die NW unterwegs war, immer Karla Kolumna genannt. "Daher Carla – aber mit C sieht das einfach schicker aus."

Mittlerweile ist Carla Berling auf Lese-Tour unterwegs. Tourt quer durch NRW. Und macht vielleicht ja auch bald mal in Bad Oeynhausen Station. "Es bedeutet mir viel, jetzt auch als Carla Berling in Bad Oeynhausen kleine Erfolge zu haben", gibt die Autorin zu. "Denn Heimat ist Heimat – die trägt man immer mit sich", sagt sie.

Heimat – die kommt auch im neuen Buch von Peggy Wehmeier alias Carla Berling vor, das im kommenden Jahr erscheinen soll. Noch ist aber alles "top secret", wie Wehmeier sagt. Nur eines verrät sie: "Es spielt in Bad Oeynhausen."

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