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BAD OEYNHAUSEN Eine unterhaltsame Ehe zu dritt

Amüsante Inszenierung des Musicals "Irma la Douce"

VON ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
27.04.2012 | Stand 26.04.2012, 20:11 Uhr
Jojo (Michael Klein, l.) und Bonbon (Jungdong Kim) bezirzen Irma (Anna Katharina Schwabroh). - © FOTO: NIEDRINGHAUS-HAASPER
Jojo (Michael Klein, l.) und Bonbon (Jungdong Kim) bezirzen Irma (Anna Katharina Schwabroh). | © FOTO: NIEDRINGHAUS-HAASPER

Bad Oeynhausen. Federleicht, unterhaltsam und amüsant: Das Detmolder Landestheater kam mit seiner Inszenierung des Musicals Irma la Douce im Theater im Park hervorragend an. Am Ende gab es minutenlangen Applaus für die Lipper.

Paris Ende der 50er Jahre: Im Rotlichtmilieu der französischen Hauptstadt verliebt sich der Jurastudent Nestor in das Freudenmädchen Irma. Die beiden werden ein Paar. Als Nestor die Eifersucht packt, verkleidet er sich als älterer reicher Herr Oscar und beansprucht Irma für sich allein. Schon beginnt die Geschichte einer Ehe zu dritt.

Auf der von Hans-Günter Säbel entwickelten Bühne verwandelte sich die Paris-Bar im Handumdrehen in die spießige Wohnung des Liebespaares, den plüschigen Puff, die Polizeistation mit Blaulicht und das Stacheldraht umzäumte Gefängnis der Teufelsinsel Cayenne, auf der Nestor inhaftiert wird, weil er in Verdacht steht, Oscar umgebracht zu haben.

Mit riesigen Baguettes, Camenberts so groß wie Torten und jeder Menge Weinflaschen nimmt das Ensemble das Klischee von der Stadt der Liebe und Lebenslust auf die Schippe. Das alles erinnert an erheiternde Ganovenfilme. Ein Sahnehäubchen obendrauf ist die fünfköpfige Band im Hintergrund der Bühne, die mit Akkordeon, Kontrabass, Tuba, Schlagzeug, Posaune und Saxophon französische Straßenmusik, den legendären Piaf-Sound und schwungvolle Walzer spielt. Eine gelungene Ballettchoreografie, in der das Ensemble die Kampfszenen in der Verhaftung von Oscar in Zeitlupe auf die Bühne bringt, rundet die dichte Inszenierung ab.

Tatjana Reese, die Schauspieldirektorin am Landestheater, hat das französische Musical mit viel Schwung, Heiterkeit und Lust am Temperament in Szene gesetzt. Anna Katharina Schwabroh ist eine Idealbesetzung für Irma la Douce. Nicht nur, weil sie bestechend gut singen kann, sondern weil sie dem Freudenmädchen fern aller Tragik und Alltagsproblematik eine Leichtigkeit verleiht, die zuweilen an Pippi Langstrumpf erinnert.

Als sie es sich mit ihrem Freund in der kleinbürgerlichen Wohnung gemütlich macht, tauscht sie die roten Lederpumps gegen plüschige rosafarbenen Hausschuhe während Markus Hottgenroth in einer überzeugenden Doppelbesetzung als Nestor und Oscar mit Schürze und Staubsauger durch die Wohnung fegt.

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