Stau ist der Normalfall auf der Mindener Straße. Dennoch soll die Zahl der Fahrzeuge seit 2003 um 5.000 abgenommen haben.
Stau ist der Normalfall auf der Mindener Straße. Dennoch soll die Zahl der Fahrzeuge seit 2003 um 5.000 abgenommen haben.

BAD OEYNHAUSEN Verkehrs-Prognose mit Überraschungen

Ausschuss votiert für Rückbau von Mindener- und Kanalstraße auf zwei Spuren nach Fertigstellung der Nordumgehung

23.03.2012 | Stand 22.03.2012, 19:47 Uhr

Bad Oeynhausen (juk). Wenn ein Verkehrsplaner von "tendenzieller Stagnation" auf der Mindener Straße spricht, dann könnte er damit auch den Dauerstau auf Bad Oeynhausens Stadtautobahn meinen. Gutachter Jörn Janssen aber wollte so beschreiben, dass sich die Zahl der Fahrzeuge auf der Mindener- und Kanalstraße nicht erhöht hat und nach seiner Prognose auch nicht erhöhen wird. Ein Stillstand, der die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung (ASE) am Mittwochabend überraschte.

Janssen und sein Kollege René Strahl vom Hannoveraner Planungsbüro SHP stellten dem Ausschuss ihre Analyse vor, welche Gestaltungsmöglichkeiten sie für Mindener- und Kanalstraße sehen, wenn denn die Nordumgehung eröffnet ist. Doch schon mit ihrer Bestandsaufnahme überraschten die Planer. Denn während 2003 noch über 46.000 Fahrzeuge am Knotenpunkt von Mindener, Eidinghausener und Steinstraße gezählt wurden, kamen Janssen und Strahl 2011 per Video-Zählung nur noch auf gut 41.000 Fahrzeuge. Mit einem weiteren Zuwachs rechnen die Ingenieure nicht.

Deshalb gingen sie in ihren Planungen für die Zeit nach Fertigstellung der Nordumgehung von maximal 18.000 Fahrzeugen pro Tag aus. "Das eröffnet Gestaltungsmöglichkeiten", sagte Janssen. Die Planer schlagen vor, Mindener- und Kanalstraße auf zwei Fahrspuren zurückzubauen und am Knotenpunkt Eidinghausener Straße einen Kreisel anzulegen (wir berichteten).

Reiner Barg und Eckhard Grummert (beide BBO) meldeten Zweifel an der Verkehrsprognose an. Sie regten an, die Fertigstellung der Nordumgehung abzuwarten und dann mit "richtigen" Zahlen zu planen. "Mit Verlaub", sagte Barg, "aber eine zweispurige Mindener Straße, das ist für mich ein Wolkenkuckucksheim."

"Das haben Visionen nun mal so an sich", konterte Arnold Reeker, Fachbereichsleiter für Planen und Bauen bei der Stadt. Und wies auf die Chancen eines Rückbaus für die Entwicklung der Stadt hin: "Die Stadtteile wachsen zusammen, die Innenstadt wird besser erreichbar."

Gutachter Janssen verteidigte seine Zahlen, gab aber zu: "Die haben uns auch überrascht. Aber die Zahlen sind korrekt. Straßen NRW hat bei seiner Erhebung 2010 sogar noch weniger Fahrzeuge gezählt." Und deshalb sei auch der Rückbau realistisch. "Man kann doch auch nicht allen Ernstes eine Nordumgehung bauen und dann die Mindener- und Kanalstraße so lassen wie sie ist", so der Gutachter.

Der damit die große Mehrheit des ASE überzeugte. Einzig Grummert und Barg stimmten gegen den empfohlenen Rückbau auf zwei Spuren.

Wenn der Rat diesen Beschluss bestätigt, will die Stadt Gespräche mit Bezirksregierung, Land und Bund führen. Denn bei der Finanzierung des Millionen-Projektes sehe er vor allem den Bund in der Pflicht, sagte Arnold Reeker.

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