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Die ehemalige Tongrube in Dehme wurde in den 60er Jahren zur Deponie. - © FOTO: NICOLE SIELERMANN
Die ehemalige Tongrube in Dehme wurde in den 60er Jahren zur Deponie. | © FOTO: NICOLE SIELERMANN

BAD OEYNHAUSEN-DEHME "Der Mist liegt 15 Meter tief"

Rudolf Brandt erinnert sich an die alte Groh-Deponie in Dehme

VON NICOLE SIELERMANN
29.04.2011 | Stand 28.04.2011, 21:23 Uhr

Bad Oeynhausen-Dehme. Rudolf Brandt erinnert sich genau: "Als Kinder sind wir in den Teichen der alten Kiesgrube geschwommen." Später dann sei die Ziegelei abgerissen und die Grube mit Bauschutt aufgefüllt worden. "Erst in den 70ern kamen dann nachts die Tanklaster und es fing an zu stinken", sagt der Dehmer. Seit einigen Wochen wehren sich Anwohner gegen die Auffüllung und den Anschnitt der alten Groh-Deponie, über die ein Stück der neuen Nordumgehung führt (die NW berichtete).

Von 1900 bis 1968 war die erste Dehmer Ziegelei auf dem Gelände zwischen Dehmer Straße, Elfenloh und Breitensiek in Betrieb. Dann wurde das Werk geschlossen, weil die Tongruben ausgebeutet waren. Eine dieser Gruben ist die heutige Deponie am Breitensiek in Dehme. Wie alte Luftaufnahmen von 1956 zeigen war diese Grube mindestens 15 bis 20 Meter tief.

1969 dann wurde die alte Ziegelei von der Firma Groh abgerissen, der Schutt sollte dann in der Grube entsorgt werden. "Aber der Bau war so stabil, dass er nicht abzureißen war", erinnert sich Rudolf Brandt. Also sei ein Großteil des Gebäudes abgebrannt worden - was sich als nicht ungefährlich erwies, weil doch das eine oder andere Haus in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Das Land wurde danach an eine Siedlungsgemeinschaft verkauft.

"Und die Tongrube wurde zur Deponie, deklariert für Bauschutt", sagt Rudolf Brandt. Immer mehr Lastwagen hätten den Schutt dort abgeliefert. "Das war alles ganz normal."

Bis Anfang der 70er Jahre. "Da wurde es kritisch", urteilt Brandt. "Da fing es an zu stinken - und vielen war klar, das etwas nicht stimmt", erinnert sich der 62-Jährige.

"Nachts waren damals Tanklaster unterwegs, die vom Breitensiek aus die Einfahrt nutzten und ihren Inhalt in Höhe der alten Mühle in der Deponie abgekippt haben." Das sei auch der Zeitpunkt gewesen, als das Gelände eingezäunt worden sei. "Gemunkelt wurde auch, dass die Härterei der Weserhütte dort abgekippt hat", erzählt Rudolf Brandt.

Schon damals haben sich Nachbarn bei Stadt und Kreis beschwert, genutzt hat es offenbar nichts. "Es kann aber heute keiner sagen, dass habe niemand gewusst", mahnt Rudolf Brandt. Alle seien involviert gewesen - Stadt, Kreis und Bezirksregierung. Nur niemand habe etwas unternommen. Vor wenigen Wochen war Rudolf Brandt einer der Anwohner, die bei der Ortsbegehung auf der Deponie dabei waren.

Noch heute kann er nur den Kopf schütteln, wenn er an die Mess-Daten denkt. "Was wollen die denn in 1,50 Meter Tiefe finden?", fragt er sich.

"Die Sohle der Tongrube liegt bei mindestens 15 bis 20 Metern - und dort liegt der ganze Mist. Da muss gemessen werden. Nicht an der Oberfläche", fordert der Dehmer. Doch dieses Ansinnen der betroffenen Bürger werde immer wieder abgewiegelt. "Ich würde mir ja wünschen, dass ich Unrecht habe - aber ich befürchte, es stimmt alles so."

Denn, so Rudolf Brandts Theorie, wenn es wirklich nur Bauschutt sei, der in der Deponie liege, dürfte es eigentlich auch keine Gase geben.

Und die Bauarbeiter bräuchten beim Anschnitt der Deponie auch keine Schutzanzüge tragen. "Ich möchte gar nicht wissen, was dort alles verbuddelt wurde", winkt er ab.

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