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Merle (l.) und Anna wollen aus Vlotho kommend nach Bad Oeynhausen in die Innenstadt. Doch die Fahrt endet erst einmal an der maroden Radweg-Brücke in Rehme. Vor der müssen viele Rad-Touristen kehrt machen. - © FOTO: PETER STEINERT
Merle (l.) und Anna wollen aus Vlotho kommend nach Bad Oeynhausen in die Innenstadt. Doch die Fahrt endet erst einmal an der maroden Radweg-Brücke in Rehme. Vor der müssen viele Rad-Touristen kehrt machen. | © FOTO: PETER STEINERT

BAD OEYNHAUSEN Kurstadt radelt hinterher

Weser-Tourismus: Bett & Bike, Movelo oder Hinweisschilder auf die Stadt – Frank Oette hat viel zu tun

VON NICOLE SIELERMANN
22.04.2011 | Stand 21.04.2011, 21:09 Uhr

Bad Oeynhausen. Beinahe alle Weseranrainer sind dabei, bei der neuen E-Bike-Region "Movelo": Rinteln, Hameln, Höxter. Nur eine Stadt schläft im Dornröschenschlaf: Bad Oeynhausen. Egal, ob Weserradweg, Bett&Bike-Angebote oder Hinweisschilder auf der Rehmer Insel – wenn es um die Weser als Tourismusmagnet geht, radelt die Kurstadt weit hinterher. Dass nun Verkehrsminister Peter Ramsauer die Oberweser renaturieren und mehr für den Tourismus öffnen will (die NW berichtete) – das könnte eine Chance sein.

"Bei allen Sachen, die die Weser betreffen, arbeiten wir mit dem Tourismusverband Weserbergland zusammen", erklärte Frank Oette, Staatsbad-Geschäftsführer. Das betreffe alle Natur- und Aktivgeschichten. Auch das Projekt "Movelo" (Ausleihen von Elektrorädern). "Es gibt zurzeit Gespräche, die Stadt anzubinden."

Denn Radfahrer seien ein Thema. "Noch müssen wir die Voraussetzungen schaffen, also E-Bikes kaufen, Verleih- und Aufladestationen aufbauen", so Oette. Einziger Haken am guten Vorsatz: "Movelo" ist bereits gestartet. Nur Bad Oeynhausen, Porta Westfalica und Minden fehlen.

Doch nicht nur bei neuen Projekten, auch bei Altbewährtem hat Bad Oeynhausen Nachholbedarf. Wie beim Bett&Bike-Angebot. An anderen Flüssen, in anderen Städten längst etabliert, gibt es in der Kurstadt lediglich eine Unterkunft die als Gastgeber für Radfahrer geführt ist. Das Mercure am ZOB.

Für Hotel-Chef Steffen Loebl war es keine lange Überlegung, bei diesem Angebot dabei zu sein: "Mit wenig Aufwand ist viel erreicht. Schließlich müssen wir irgendwie die Gäste in die Stadt locken." Wenn sich sein Hotel nur auf das Staatsbad verließe, sähe es schlecht aus, sagt er. "Der Radweg ist quasi vor der Tür", der Radservice im 100 Meter entfernten Bahnhof, Platz für Fahrräder gibt’s, ein Abholservice bei Regen wird angeboten, ein Lunchpaket und auch Waschmaschine und Trockner stehen für die Rad-Gäste bereit.

Einziger Nachteil, den Loebl seit Jahren bei der Stadt bemängelt: "Es fehlen die Hinweis-Schilder zur Innenstadt." Reisen neue Radelgäste an, lotst Loebl sie nicht selten per Telefon zum Hotel. "Leider haben wir viel zu wenig Rad-Touristen in der Stadt", urteilt der Hotelier.

Das alles sei ausbaufähig, es seien genügend Radler auf dem Weserradweg unterwegs, da könne es doch nicht schwierig sein, die in Stadt und Kurpark zu ziehen. Loebl: "Es wird zu wenig getan."
Andere Betriebe in Bad Oeynhausen haben die Zeichen der Zeit bisher offenbar nicht erkannt – oder aber ignoriert: "Wir haben durchaus Betriebe angesprochen", erklärte Oette. Doch das Bettenangebot in der Stadt sei gering und die wenigen, die es gebe, müssten auch bereit sein, mitzumachen. Zum Vergleich: Hameln bietet immerhin sieben Unterkünfte, Minden fünf und Höxter sogar neun.

Dabei habe das Staatsbad viel Attraktives zu bieten, so Oette. "Wenn wir die Stadt als Übernachtungsstation etablieren, könnten wir zum Beispiel die Bali-Therme ganz anders vermarkten." Vielleicht als Entspannungs-Station nach einer anstrengenden Radtour. "Aber die Weser ist zurzeit nicht unsere erste Marketingstrategie – nur eine davon", betonte Oette.

Tausende Radfahrer nutzen jährlich den Weserradweg. Tausende potenzielle Besucher, die bisher an Bad Oeynhausen vorbeiradeln. Denn: Woher sollen sie wissen, was die Stadt zu bieten hat? Kein Schild, keine Infotafel, kein Hinweis auf Kurpark oder Innenstadt. "Die Besucherlenkung muss sich ändern. Das ist eine weitere Baustelle", gibt Oette zu. "Wir müssen es schaffen, die Besucher in die Stadt zu bringen." Doch das solle zusammen mit dem Projekt "Movelo" auf den Weg gebracht werden.

Potenzial steckt auch in der "Weißen Flotte", der Fahrgastschifffahrt auf der Weser. "Da ist Bad Oeynhausen bisher gar kein Haltepunkt", vermutet Frank Oette. Und liegt damit falsch. Denn zumindest einmal in der Woche macht die "Poseidon" zwischen Juni und August Halt am Rehmer Anleger. Einmal monatlich legt von Mai bis Oktober zudem der Raddampfer "Wappen von Minden" an. "Ich habe mich bisher aber wenig mit der Schifffahrt beschäftigt", gesteht Oette ein. "Da steckt aber was drin, auch da könnte man was draus machen."
      

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