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Vor einer riesigen Leinwand, auf der das von Jules Verne erfundene historische Geschehen illustriert wird, erzählt und spielt Rufus Beck im Theater im Park die Geschichte vom Kanonenwahn der US-Amerikaner. - © FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
Vor einer riesigen Leinwand, auf der das von Jules Verne erfundene historische Geschehen illustriert wird, erzählt und spielt Rufus Beck im Theater im Park die Geschichte vom Kanonenwahn der US-Amerikaner. | © FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER

BAD OEYNHAUSEN Ironisch und heiter ins Weltall

Rufus Beck saust im vollbesetzten Theater im Park mit erfrischender Leichtigkeit zum Mond

VON ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
21.03.2011 | Stand 20.03.2011, 23:20 Uhr

Bad Oeynhausen. Da ist sie wieder. Diese Stimme. Nicht die von Harry Potter. Und auch nicht die vom kleinen Nick. Sondern diesmal die vom Kanonenclub in Baltimore. Rufus Beck ist zurück. Im Theater im Park saust der bekannte Schauspieler und Vorleser wieder einmal ins Weltall. Aber nicht, wie letztes Jahr mit Frank Cottrell Boyes Kinderbuch "Galaktisch", sondern diesmal mit Jules Vernes Roman "Von der Erde zum Mond".

Ein Garderobenständer, ein Pult, ein Stuhl und ein Tischchen. Dahinter ziehen auf einer riesigen Leinwand Kanonen, Landkarten, Dollarnoten, eine Giftspinne und der Sternenhimmel vorbei. Von Parviz Mir-Ali neu arrangierte Militärmärsche aus dem 19. Jahrhundert schmettern durch den Zuschauerraum. Mittendrin spielt Rufus Beck die aberwitzige Geschichte von Jules Verne, die die erste Fahrt von Florida zum Mond etwa 100 Jahre zuvor vorwegnimmt.

Information

Wilder Kerl und bewegter Mann

Rufus Beck hat sich nicht nur als Theater- und Filmschauspieler, sondern auch als Vorleser einen Namen gemacht. Bekannt wurde der heute 54-Jährige sowohl in der Rolle der "Waltraut" in der Filmkomödie "Der bewegte Mann" als auch in dem Film "Die wilden Kerle". Als Vorleser machte er Karriere, als er Harry Potter und allen anderen Figuren der weltbekannten Geschichte seine wandlungsfähige Stimme lieh. (nh)

Aber bevor es richtig los geht, entschuldigt sich der 54-Jährige im karierten Anzug mit dunkel-violettem Hemd erst einmal bei seinem Publikum für die ausgefallene Lesung vor vier Wochen. Rufus Beck musste damals in letzter Minute absagen, weil er einen Fahrradunfall hatte: "Das ist das erste Mal, dass eine meiner Vorstellungen ausgefallen ist. Meine Kinder müssen immer einen Helm zum Fahrradfahren aufsetzen. Bei mir hat es ein paar Tage gebraucht, bis ich in den Spiegel schauen konnte, ohne mich zu erschrecken".

Davon war nichts mehr zu sehen, als der bekannte Schauspieler im vollbesetzten Theater im Park den alten Menschheitstraum von der Reise zum Mond in Szene setzte. Und zwar mit einer wunderbar wechselnden Stimme, die einfache Sätze zu ganzen Abenteuern moduliert. Und die jeder einzelnen Figur ihre unverwechselbare Stimme leiht.

Schneidig als General Maston. Dann im behäbigen rheinländischen Dialekt wie der Mathematiker und passionierte Kanonengießer James Maston. Aufgeregt stotternd als Major Elphiston. Ironisch wie Kapitän Nicholl. Charmant und temperamentvoll wie Michel Ardan, der als erster Mensch zum Mond fliegt. Und dann wieder nasal borniert wie Impey Barbicane, der Präsident des Kanonenclubs in Baltimore. In der Rolle als Erzähler kommt Rufus Beck seinem Original wohl am nächsten.

Der Schauspieler schlägt die Hacken zusammen, als er Preußen erwähnt. Hält eine Rede vor dem Kanonenclub von Baltimore. Wechselt vom Präsidenten in die Rolle der jubelnden Menge. Und überzieht die ganze Geschichte um den Kanonenwahn der US-Amerikaner mit herrlicher Ironie. Das ist witzig und von erfrischender Leichtigkeit.

Rufus Beck hält die Fäden in der Hand. "Zehn, neun, acht, sieben, Zündung" dröhnt es durch das Theater im Park und die Riesenkanone startet von der Leinwand aus Richtung Mond. Mit so einer Kraft, dass es die Schaulustigen in Florida durch die Luft wirbelt. An Krücken, auf Stelzfüßen und mit eisernen Greifhänden lässt Rufus Beck die geschundene Menge das Ereignis erzählen. Dröhnender Applaus, als sich Rufus Beck verbeugt. "Warum diese Bewegung immer nur im Theater und nie zu Hause funktioniert, verstehe ich nicht", klagt der Schauspieler und verabschiedet sich.

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