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Erich Berger(109) mit seiner jüngsten Urenkelin Pia Maria Berger (7). - © FOTO: GISELA SCHWARZE
Erich Berger(109) mit seiner jüngsten Urenkelin Pia Maria Berger (7). | © FOTO: GISELA SCHWARZE
VLOTHO

Der älteste Mann Deutschlands

Erich Berger feierte seinen 109. Geburtstag im Kreise seiner Familie

VON GISELA SCHWARZE
16.03.2010 | Stand 15.03.2010, 20:55 Uhr

Vlotho/Bad Oeynhausen. Erich Berger ist mit 109 Jahren der älteste Mann Deutschlands. Am vergangenen Samstag, 13. März, vollendete er sein 109. Lebensjahr im Kreis seiner Lieben. Gefeiert wurde im benachbarten Vlotho.

Dass Erich Berger der älteste Mann Deutschlands ist, haben seine Enkel bei Google herausgefunden. Dort steht es Schwarz auf Weiß.
Erich Berger feierte sein hohes Alter an der Bonneberger Straße bei seiner Enkelin Barbara Schwarz und deren Familie. Der Projektchor der reformierten St. Johannis-Gemeinde brachte unter der Leitung von Peter Ausländer zum Ehrentag "Viel Glück und viel Segen" und drei weitere musikalische Geschenke.

"Haferflocken mit Milch" bezeichnete der rüstige 109-Jährige als sein erprobtes Rezept für ein hohes Alter. "In Milch gekochte Haferflocken habe ich Zeit meines Lebens jeden Morgen zum Frühstück gegessen", bezeichnete er sich als lebenden Beweis für sein Geheimrezept. Ansonsten sind Königsberger Klopse das Leib- und Magengericht des Seniors. "Die müssen erst gekocht und dann angebraten werden", behauptete er fachmännisch.

Die Lieblingsspeise wundert nicht, denn Erich Berger stammt aus Königsberg. In Ostpreußen wuchs er auf, nach dem Tod seiner Eltern in einem Waisenhaus. Von dort machte er sich im Alter von 17 Jahren zu Fuß auf, um zu Verwandten nach Peitscheendorf im Bezirk Allenstein zu gelangen. Sein Fußmarsch sei damals 120 Kilometer lang gewesen, erinnerte sich der älteste Mann Deutschlands. In Peitschdorf baute sich Erich Berger ein Haus, lebte dort mit Frau und drei Kindern, bis er in den Krieg ziehen musste.
Sein Haus in Ostpreußen sah Erich Berger nie wieder, seine Familie wurde von dort vertrieben. Weil sich seine Tochter Hilde in Bad Oeynhausen verheiratet hatte, kam der Jubilar nach Kriegsende nach Ostwestfalen. Mit eigener Hände Arbeit erbaute er sein zweites Haus in der Badestadt auf dem Kappenberg. Dort lebt der Senior noch heute und wird von seiner Schwiegertochter Helena Berger liebevoll verpflegt.

"Bei jedem Haus, das in der Verwandtschaft gebaut wurde, war Opa mit voller Tatkraft dabei", erzählt die Enkelin Barbara Schwarz. "Als Mein Bruder Jochen 1995 baute, kam Opa mit dem Omnibus von Bad Oeynhausen, um für Jochens Haus mit auszuschachten", dachte sie an die stramme Leistung des damals fast 95-Jährigen zurück.
Seine Kinder, eine Tochter und zwei Söhne, überlebte Erich Berger. Zum Ehrentag am Samstag gratulierten ihm sieben Enkel und elf Urenkelkinder, von denen die siebenjährige Pia Maria das jüngste ist. Sichtlich erfreut nahm der Senior auch den mehrstimmigen Chorgesang des Projektchors entgegen. Mit einem mehrfachen "Dankeschön" zeigte er seine Begeisterung über "Lobet den Herren", "Auf Seele, Gott zu loben" oder "Hab in Schnee ein Brief geschrieben".

"Über Musik freut sich Opa immer", weiß die Enkelin. Jeden Tag höre er mehrere Stunden Volksmusik und singe vielfach laut und vernehmlich mit. "Im vorigen Jahr hat Opa an seinem Geburtstag sogar noch getanzt", erinnert sich die Enkelin. In diesem Jahr sei ihm der Winter einfach zu lang für ihn gewesen und die warme Frühjahrssonne müsse ihn erst wieder in Schwung bringen, denn an der frischen Luft sei der 109-Jährige für sein Leben gern.

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