Dr. Oliver Lindner (3. v. l.) führt sein Spritzen-System vor, Prof. Wolfgang Burchert, Prof. Otto Foit und Werner Oesterschlink (v. l.) präsentieren Urkunde und Trophäe. - © FOTO: STUKE
Dr. Oliver Lindner (3. v. l.) führt sein Spritzen-System vor, Prof. Wolfgang Burchert, Prof. Otto Foit und Werner Oesterschlink (v. l.) präsentieren Urkunde und Trophäe. | © FOTO: STUKE

Bad Oeynhausen Mit pfiffiger Spritze an die Landesspitze

Herz- und Diabeteszentrum zum dritten Mal in Folge als "Ort im Land der Ideen" ausgezeichnet

VON JÖRG STUKE

Bad Oeynhausen. Es begann im Hobbykeller. "Ich habe meiner Frau eine Wäscheklammer geklaut", gesteht Dr. Oliver Lindner. Dazu nahm er ein paar Metallstäbe und einige Holzplättchen und bastelte ein erstes Modell eines Spritzenhalters. Der ist inzwischen ausgereift und preiswürdig: Für das Spritzensystem "AktivoFix" wurde Lindner und mit ihm das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) gestern vom Bundespräsidenten als "Ort im Land der Ideen" ausgezeichnet.

Diese Auszeichnung bekommt das HDZ nun schon zum dritten Mal in Folge, sagte Geschäftsführer Prof. Otto Foit. "Damit ist das HDZ Spitze in Nordrhein-Westfalen", so Werner Oesterschlink von der Deutschen Bank, die Koordinator und Sponsor der Aktion "Ausgewählte Orte im Land der Ideen" ist. In ganz Deutschland gebe es nur fünf Institutionen, die wie das HDZ dreimal ausgezeichnet wurden.

Der Charme von Lindners Erfindung: Sie wirkt so einfach und ist doch so effizient. Mit seiner speziellen Spritzenhalterung lassen sich radioaktive Medikamente, die im HDZ zum Beispiel bei der Untersuchung der Herzkranzgefäße eingesetzt werden, für die Mitarbeiter schonender und genauer abfüllen. "Das Haltesystem führt dazu, dass die Mitarbeiter die Spritze nicht mehr direkt in die Finger nehmen müssen", erläutert Lindner. Folge: Die Strahlenbelastung der pharmazeutisch-technischen Assistenten sinkt um 90 Prozent. Zudem kann über einen Monitor die Dosierung des radioaktiven Medikaments genauer kontrolliert werden.

Zwar sei auch vom herkömmlichen Umgang mit den strahlenden Medikamenten keine Gesundheitsgefahr ausgegangen, so Lindner. "Doch unsere Mitarbeiter können natürlich erwarten, dass die Strahlenbelastung so gering gehalten wird wie möglich", sagte Prof. Andreas Bockisch, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin. "Ich bin ganz begeistert davon, wie hier mit geringen Mitteln eine Lösung gefunden wurde."

Einfach, aber nicht trivial sei Lindners Erfindung, sagte Prof. Wolfgang Burchert, Direktor des Instituts für Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung am HDZ - Lindners Chef. Denn schließlich werde an den Kliniken seit Jahrzehnten mit radioaktiven Medikamenten gearbeitet. Auf Lindners Abfüllsystem aber war noch niemand gekommen.

15 Geräte vom inzwischen patentierten "AktivoFix" (Kosten: rund 2.000 Euro) gibt es bislang bundesweit. Zwei davon sind am HDZ rund 15 bis 20 Mal pro Tag im Einsatz. "Ich hoffe, dass es einmal das Standardsystem der Kliniken wird", so Lindner. Allein: Es gibt für fast alle Anwendungen eigene Spritzensysteme. "Darauf muss das AktivoFix eingestellt werden."

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group