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Samuel (l.) fühlt sich wohl bei Jeanne d’Arc und Siegbert Engelkensmeier. Und in Jeanne d’Arcs Nichte Michelle hat er eine neue Freundin gefunden. - © FOTO: NICOLE SIELERMANN
Samuel (l.) fühlt sich wohl bei Jeanne d’Arc und Siegbert Engelkensmeier. Und in Jeanne d’Arcs Nichte Michelle hat er eine neue Freundin gefunden. | © FOTO: NICOLE SIELERMANN

Samuel mag Fernsehen

14-Jähriger aus Eritrea in Deutschland operiert / Als Gastkind bei Familie Engelkensmeier

VON NICOLE SIELERMANN
17.07.2009 | Stand 16.07.2009, 20:04 Uhr

Bad Oeynhausen. Wenn Samuel gefragt wird, was er in Deutschland am besten findet, zieht ein verschmitztes Lächeln über sein Gesicht. "Fernsehen", sagt der 14-Jährige ein wenig schüchtern. Denn das kannte er bisher überhaupt nicht. Daheim in Eritrea bei Mama im kleinen Dorf gibt es so etwas nicht. Seit einigen Monaten ist Samuel in Deutschland. Übers Hammer Forum, das sich um verletzte und erkrankte Kinder in Krisengebieten kümmert, entstand der Kontakt. Samuel wurde operiert und genießt momentan einige Wochen Urlaub bei Familie Engelkensmeier.

Über seinen Unfall im September 2008 spricht Samuel nur ungern. Ganz leise wird seine Stimme, wenn er erzählt, dass er mit seinen Beinen in eine Maschine geraten ist. Mehr kann er auf Deutsch nicht erzählen. Und will es auch nicht. Ein Bein hat der Teenager bis zur Mitte des Oberschenkels verloren. Eine moderne Prothese schaut unter dem Hosenbein hervor.

Das andere Bein versuchen Ärzte in Deutschland zurzeit zu retten. "Ich wurde ein Duisburg operiert", sagt Samuel. Mit einem externen Stabilisator humpelt er momentan an Krücken durch die Gegend. Vorher ging es nur im Rollstuhl vorwärts. Da sei das Laufen schon besser, aber "schwer", wie er sagt. Weitere Operationen folgen. "Mir fehlt ein Stück zwischen den Knochen", erklärt der 14-Jährige. Bei Samuels Worten schwingt ein bisschen Hoffnung mit, dass er sein zweites Bein behalten kann. Aber auch die Angst, dass es eben nicht so kommen wird. "Abwarten", sagt er dann und damit ist für ihn das Thema endgültig beendet. Für seine 14 Jahre trägt er sein Schicksal - zumindest nach außen - tapfer.

Über das Hammer Forum kam Samuel im Frühjahr aus Eritrea nach Deutschland. Zum Ärzteteam des Forums gehört auch der ehemalige Chefarzt des Bünder Lukas Krankenhauses, Dr. Theophylaktos Emmanouilidis. Er versucht in Krisengebieten, Menschen vor Ort zu operieren und ihnen auf diese Weise zu helfen. Wenn das Ärzteteam allerdings an seine Grenzen gerät, setzen sie auf deutsche Krankenhäuser, die die Patienten unentgeltlich versorgen. Wie im Fall von Samuel.

In Duisburg operiert, lebt Samuel inzwischen in einer Gastfamilie in Herten. Und weil die in den Sommerferien Urlaub macht, Samuel aber medizinisch betreut werden muss, verbringt der 14-Jährige seinen Urlaub bei Jeanne d’Arc und Siegbert Engelkensmeier in Bad Oeynhausen. Dort hat das Löhner Ehepaar ein Tabakgeschäft an der Herforder Straße.

Zu Hause in Eritrea lebt Samuel mit seiner Mutter und dem zehnjährigen Bruder in einem kleinen Dorf. Er besucht die siebte Klasse der Schule und spricht die Landessprache Tigrinya sowie Arabisch. "Er hat hier superschnell Deutsch gelernt", lobt Gastmutter Jeanne d’Arc Engelkensmeier. Und seine Deutschtkenntnisse hegt und pflegt er. Denn: "Ich möchte wiederkommen", sagt er schüchtern. Wenn er später mal die Schule beendet hat. Zu Besuch und - natürlich - zum Fernsehgucken.

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