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Misshandlung noch ungeklärt

Verhandlung gegen 27-jährige wird fortgesetzt

15.07.2009 | Stand 14.07.2009, 20:36 Uhr

Bad Oeynhausen. Zwei ihrer Kinder musste eine Bad Oeynhauserin bereits wegen Überforderung an das Jugendamt abgeben. Im letzten Oktober kam auch ihr Sohn in eine Pflegefamilie - denn es besteht der Verdacht auf Misshandlung. Die 27-Jährige musste sich gestern wegen Körperverletzung durch Fahrlässigkeit vor dem Amtsgericht verantworten. Ein Urteil wurde noch nicht gesprochen.

Die Angeklagte brachte ihren damals fünf Monate alten Sohn ins Bad Oeynhausener Krankenhaus, nachdem sie feststellte, dass ihr Kind den linken Arm in Schonhaltung hielt. Im Krankenhaus konnte der behandelnde Arzt keine schwere Verletzung feststellen und schickte die Mutter wieder nach Hause. Bessere sich der Zustand ihres Sohnes nicht, solle sie wieder im Krankenhaus erscheinen.
Die Mutter erhob während der Verhandlung Vorwürfe gegen den behandelnden Arzt. "Er packte meinen Sohn mit beiden Händen an seinem Arm und drehte brutal daran. Der Kleine brüllte dabei wie am Spieß."

Nach der Behandlung in Bad Oeynhausen fuhr die Angeklagte mit ihrem Sohn in die Kinderklinik Minden. Dort stellte der behandelnde Arzt eine Spiralfraktur am linken Oberarm fest. Der ärztliche Sachverständige erklärte in der Verhandlung, dass so eine Verletzung nur durch starke Gewalteinwirkung entsteht. "Den Verdacht des Klinikums auf Kindesmisshandlung konnte ich bestätigen."

Dass die Fraktur durch die Behandlung in Bad Oeynhausen entstand, kann sich der Sachverständige nicht vorstellen. Ein Krankenpfleger, der während der Untersuchung in Bad Oeynhausen anwesend war, erklärte, dass sich der behandelnde Arzt korrekt verhalten habe und das Kind, entgegen der Behauptung der Mutter, während der Behandlung nicht geschrien habe.

Eine ehemalige Freundin der Angeklagten brachte noch einen weiteren Aspekt mit ein. Sie gab an, dass die Tatverdächtige manchmal den Oberarm und Unterarm des Kindes mit dem Schmusetuch des Kindes verband. Der Sachverständige schloss jedoch aus, dass dies zu der Fraktur geführt habe.

Während der Behandlung in Bad Oeynhausen und Minden wurde die Angeklagte gefragt, ob ihr Kind einen Unfall hatte, bei dem es sich die Verletzung zuzog. Das verneinte die Angeklagte. Bei weiteren Fragen zur Nacht vor der Untersuchung ertappte das Gericht die Bad Oeynhauserin bei einer Lüge. Die Angeklagte gab an, dass ihre Mutter bei ihr übernachtet hatte. Dies stellte sich als falsch heraus.

Die 27-Jährige verteidigte ihre Lüge: "Das Jugendamt sitzt mir seit Jahren in Nacken, ich brauchte Rückendeckung von meiner Mutter." Weitere Ereignisse in der Nacht blieben ungereimt. Die Angeklagte
soll dem behandelnden Arzt in Minden erklärt haben, dass ihr Sohn in der Nacht seine Arme zwischen die Gitter des Bettes steckte. In der Verhandlung bestritt die Angeklagte, das gesagt zu haben.
Nach dem gestrigen Verhandlungstag konnte das Gericht noch kein Urteil fällen. Der Prozess wird Ende Juli fortgesetzt. Dann soll auch der behandelnde Arzt aus dem Kinderklinikum Minden befragt werden.

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