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Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe der Zertifikat-Geschädigten Karl-Heinz Brinkgerd, Sönke Dethlaff und Frank Franke (5. v. l.) mit den Rechtsanwälten Juliane Brauckmann, Dr. André Ehlers und Matthias Keunecke (v. l.). - © FOTO: STUKE
Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe der Zertifikat-Geschädigten Karl-Heinz Brinkgerd, Sönke Dethlaff und Frank Franke (5. v. l.) mit den Rechtsanwälten Juliane Brauckmann, Dr. André Ehlers und Matthias Keunecke (v. l.). | © FOTO: STUKE

Steinbrück soll helfen

Selbsthilfegruppe der Zertifikat-Geschädigten schreibt Brief an den Finanzminister

VON JÖRG STUKE
28.04.2009 | Stand 27.04.2009, 20:05 Uhr

Bad Oeynhausen. Solch ein Rat gleich von drei Rechtsanwälten ist in der Branche wohl eher unüblich: "Ich würde derzeit mit einer Klage gegen die Banken nichts überstürzen", sagte Juliane Brauckmann, Rechtsanwältin aus Bielefeld, am Wochenende beim Treffen der Selbsthilfegruppe der Zertifikatgeschädigten in Bad Oeynhausen. Und ihre beiden Berufskollegen Dr. André Ehlers und Matthias Keunecke, Rechtsanwälte aus Bremen und Hannover, stimmten dem zu.

Gut 80 Mitglieder der Selbsthilfegruppe trafen sich im "Oeyn-Haus", um sich über die jüngsten Entwicklungen zu informieren. "In der Selbsthilfegruppe sind inzwischen rund 170 Geschädigte aus ganz Ostwestfalen organisiert", sagt Sprecher Sönke Dethlaff aus Vlotho. Den Schaden, der diesen Menschen durch nach ihrer Auffassung falsche Bankberatung entstanden ist, beziffert Frank Franke auf rund 3,7 Millionen Euro. Gut 20 der Mitglieder hätten bereits Klagen gegen die Banken eingereicht die ihnen die hochspekulativen Papiere - allen voran Zertifikate der inzwischen insolventen Lehman-Bank - verkauft hätten.

Die drei Anwälte, die die Selbsthilfegruppe informierten, rieten aber zu Geduld auf dem Klageweg. "Ich empfehle derzeit nur in den extremsten Fällen dazu, unmittelbar zu klagen", sagte Juliane Brauckmann. Ansonsten könne man erst einmal abwarten, wie die ersten Gerichts-Entscheidungen ausfallen, erklärte auch André Ehlers.

Und hier warten viele Lehman-Geschädigte auf einen Richterspruch im Verfahren gegen die Hamburger Sparkasse. "Der wird am 12. Mai erwartet", so Matthias Keunecke. Der Hamburger Fall sei allerdings sehr speziell gelagert. "Aber wenn hier zugunsten der Anleger entschieden wird, dann muss man in anderen Fällen erst Recht mit einer Entscheidung für die Geschädigten rechnen", glaubt Ehlers.

Das Warten auf erste Urteile könnten sich die meisten Geschädigten deshalb erlauben, weil die Fälle erst drei Jahre nach Abschluss des Zertifikats-Kaufs verjährten, betonte Brauckmann. "Einige unserer Mitglieder haben allerdings nicht mehr viel Zeit und deshalb auch bereits Klage eingereicht", erklärt Sönke Dethlaff.

Nach Darstellung der Gruppe sei in keiner Weise von den beratenden Banken auf das Risiko aufmerksam gemacht worden, das Zertifikate wie etwa der Lehman-Brothers bergen. "Sie können davon ausgehen, dass viele Bankberater selbst nicht wussten, was sie da verkauft haben", sagte Juliane Brauckmann. Und erntete ungläubiges Kopfschütteln ihrer Zuhörer.

Mit Aktionen wie der "Krötenwanderung" wollen die Geschädigten weiter auf sich und die Vorwürfe, die sie gegen die Banken erheben, aufmerksam machen. "Für uns ist klar: Die Schuld liegt nicht in Amerika bei den Lehmans, sondern bei den Banken hier, die uns falsch oder gar nicht beraten haben", sagt Dethlaff.

Für ihre Sache demonstrieren wollen die Mitglieder der Selbsthilfegruppe beim Besuch von Peer Steinbrück, der am 8. Mai nach Lübbecke kommen will. "Dann werden wir dem Bundesfinanzminister auch einen Brief überreichen, in dem wir ihn bitten, sich für unsere Interessen einzusetzen", kündigte Dethlaff an. Den Brief unterzeichneten am Wochenende im "Oeyn-Haus" alle 80 Anwesenden.

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