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Auf dem Parkplatz des Werre-Parks in Bad Oeynhausen kommt es laut Polizei häufig zu Fahrerfluchten. - © Thorsten Gödecker
Auf dem Parkplatz des Werre-Parks in Bad Oeynhausen kommt es laut Polizei häufig zu Fahrerfluchten. | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen So geht die Polizei jetzt gegen Fahrerflucht am Werre-Park vor

Bürger sollen selbst aktiv werden und Hinweiszettel ausfüllen. Im Idealfall führen diese die Polizei zum Flüchtigen.

Noah Matzat
03.12.2019 | Stand 03.12.2019, 11:14 Uhr

Bad Oeynhausen. Gerade den Wagen in eine enge Parkbucht manövriert, Motor aus und Tür auf. Zack – Delle im Nachbarwagen. Das passiert oft. Und ebenfalls häufig flüchten die Beteiligten vom Unfallort. Bei den Geschädigten ist der Ärger hinterher groß. Nur die Hälfte der Delikte können überhaupt aufgeklärt werden, sonst bleibt der Geschädigte auf seinen Kosten sitzen. Damit die Aufklärungsquote steigt, hat sich das Innenministerium eine neue Strategie ausgedacht, wie Zeugenhinweise zum Täter führen sollen. Unter dem Motto "Unfallflucht ist unfair!" können Menschen, die beobachtet haben, wie es auf einem Parkplatz zu einem Unfall gekommen ist, ihre Beobachtungen auf einem Fragebogen ausfüllen. Im schlimmsten Fall droht eine Freiheitsstrafe Neben den Kontaktdaten der Zeugin oder des Zeugens werden Ort, Uhrzeit und Datum und alle wichtigen Angaben zu dem Fluchtfahrzeug wie Nummernschild und Fahrzeugtyp auf dem Hinweiszettel vermerkt. Auch eine Beschreibung der Insassen sollen die Beobachter möglichst in kurzen Sätzen niederschreiben. "Wenn ich mir überlege, dass ich zu meinem Fahrzeug komme und es beschädigt ist, aber kein Mensch wartet oder kein Zettel mit Kontaktdaten an der Windschutzscheibe klebt, dann würde ich mich total ärgern", sagt Polizeihauptkommissar Stephan Spanke. Jeder solle sich vor Augen führen, dass man selbst nicht auf dem Schaden sitzen bleiben möchte. "Und es ist doch jeder versichert. Klar, dann steigt die Versicherungssumme, aber das ist kein Vergleich zu dem, was einem sonst blüht", sagt Spanke. Denn:  Parkrempler sind in dem meisten Fällen kein Bagatelldelikt. "Bei den Kunststoffstoßstangen zum Beispiel kann ein kleiner Haarriss schon einen Schaden von 1.500 Euro verursachen", sagt der Hauptkommissar. Ist der Schaden niedrig, drohen bei Unfallflucht Geldstrafen, je nach Höhe des Schadens Fahrverbot und verkehrsrechtliche Konsequenzen – also Punkte. Ist der Sachschaden "erheblich" kann es sogar zu einer Freiheitsstrafe kommen. Hinweiszettel gibt's am Info-Point Um die neuen Hinweiszettel zu verbreiten, sind Polizisten punktuell im Kreis Minden-Lübbecke im Einsatz. An Parkplätzen, an denen besonders oft Fahrerflucht begangen wird, wie beim Werre-Park-Parkplatz, hatte die Polizei schon vor zehn Jahren begonnen, mit festinstallierten Schildern auf Fahrerflucht hinzuweisen. In den vergangenen beiden Jahren wurden im Mühlenkreis insgesamt 1.664 (2017) und 1.717 (2018) Unfallfluchten erfasst. Bis Ende September dieses Jahres wurden den Beamten kreisweit 1.147 Verkehrsunfallfluchten gemeldet. 210 der Fälle haben sich in Bad Oeynhausen abgespielt. Für den nächsten Schritt arbeitet die Polizei mit dem Werre-Park zusammen. Beobachtet ein Zeuge eine Unfallflucht, kann er sich den Hinweiszettel am Info-Point des Einkaufcenters abholen, ausfüllen und auch dort wieder abgeben. Die Bögen werden dann weiter an die Polizeidienststelle Bad Oeynhausen geliefert. "Im Optimalfall haben Autofahrer immer ein, zwei Bögen im Handschuhfach dabei. Das ist ja kaum Aufwand", sagt Spanke. Bürger können sich die Blätter auch in jeder Polizeiwache abholen.

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