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Außen vor: Tanja Bökamp hat viele Ideen für die Schokoladenfabrik. - © Nicole Sielermann
Außen vor: Tanja Bökamp hat viele Ideen für die Schokoladenfabrik. | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Diese Frau will der alten Schokoladenfabrik wieder Leben einhauchen

Hinter "Frau B. und Gefährten" verbirgt sich Tanja Bökamp, die mit ihrem neuen Projekt die Halle umgestalten will. Neben ihren eigenen Herzensprojekten soll es weitere Events geben.

Nicole Sielermann
20.10.2019 | Stand 20.10.2019, 13:49 Uhr

Bad Oeynhausen. Wenn man Tanja Bökamp zuhört, spürt man den Duft von Schokolade in der Nase. Nahezu schwärmerisch wandelt sie durch die alten, zugigen Räume der Schokoladenfabrik und spricht von Kakao, Rösterei und Pralinen. Bökamp schlüpft in die Rolle der Chocolatiere und möchte Appetit machen auf mehr. Event-Konzepte mit Feinsinn stellt sie sich für das verfallene Gebäude in Rehme vor. "Frau B. und Gefährten" heißt die Agentur, die Tanja Bökamp gegründet hat und die sich ab sofort darum kümmern soll, Leben in die alte Schokoladenfabrik zu bringen. "Denn das hier", sagt Bökamp und zeigt in die Runde, "ist einmalig in OWL." Es ist ein absoluter "Lost Place", ein verlassener Ort. Eigentlich schon ein "Rotten Place" - vergammelt, zerbrochen, zugewachsen. Und trotzdem hat Tanja Bökamp ihre Vision vor Augen. "Wir haben das Nachbargrundstück ebenfalls erworben, haben alles freigeschlagen und mit einem Bauzaun gesichert." Seitdem hätten sie Ruhe vor ungebetenen Besuchern. Rund ums Gebäude ist Platz für 42 Autos. Im Inneren sind die Fenster im Erdgeschoss bereits dicht, Strom ist da, Wasser wird folgen. Und in den kommenden Wochen sollen die Toiletten nutzbar gemacht werden. Das Ziel ist klar: "Wir wollen weg von den Dixie-Toiletten und den Food Trucks, die wir bisher bei Veranstaltungen hatten, hin zum Indoor-Catering", erklärt Bökamp. Weihnachten in der Fabrik Privat und gewerblich sollen sich Interessenten demnächst in die Schokoladenfabrik einmieten können. Im Erdgeschoss. Der Rest ist derzeit nicht nutzbar. "Alles ab dem ersten Obergeschoss wird der zweite Schritt." Erst einmal gibt es von der Stadt grünes Licht für unten. 400 Quadratmeter misst die Fläche, 199 Personen haben Platz. "Weihnachten in der Fabrik" ist eine Idee von Tanja Bökamp. "Eisstockschießen mit Menü" könne sie sich vorstellen. Dazu passende Weihnachtsmusik. Möglichst noch in 2019 soll es losgehen. "Das hängt natürlich auch vom Winter ab." Je nachdem wie knackig kalt oder eben nicht dieser werde. 2013 hatten die Architekten Bökamp die Industriebrache in Rehme gekauft und seit 2014 voller Tatendrang entwickelt. Für 2,5 bis 3 Millionen Euro sollte ein Büro- und Geschäftshaus entstehen. Sechs Mieteinheiten hatten Bökamps in dem 1.400 Quadratmeter großen Gebäude vorgesehen. Zwei der Einheiten wollte das Architekturbüro selbst belegen, weil Bökamps von Gohfeld nach Rehme umziehen wollten. Vor dem Gebäude sollten zwei würfelförmige Neubauten entstehen – für ein Feinkost-Bistro und eine Polsterei. 2017 erklärten Tanja und Henning Bökamp dann, dass ihr Herzensprojekt auf Eis liege. Und nun? Sind die Pläne jetzt endgültig vom Tisch? "Wir haben nichts davon gekippt", sagt Tanja Bökamp. "Wir drehen nur einige Bonusrunden dazwischen", ist sie überzeugt. "Erst einmal wollen wir nun die Fabrik zum Leben erwecken - und dann schauen, wo es hingehen kann." Das letzte Objekt aus der Kaiserzeit Schon jetzt ist die Schokoladenfabrik als Ort für Foto-Shootings beliebt. Dabei soll es nicht bleiben. "Ich möchte als meine Herzensprojekte gerne acht bis zwölf eigene Veranstaltungen im Jahr anbieten", gibt Tanja Bökamp einen Ausblick. Comedy, Konzertlesungen oder Kunstprojekte schweben ihr vor. Aber auch draußen ist Platz - für ein Sommerfest zum Beispiel. "Die Fabrik bietet einfach einen Riesen-Kontrast zu vorhandenen Locations." Allerdings müsse man es mögen. "Mein Mann und ich lieben es", sagt Tanja Bökamp schwärmerisch. Das Gebäude habe einfach Potenzial, ist die Chocolatiere überzeugt. Schokolade darf beim Konzept übrigens nicht fehlen: Weil die Schokoladenfabrik das letzte Objekt in Bad Oeynhausen ist, das aus der Kaiserzeit stammt, soll sie selbst natürlich auch eine Rolle in Bökamps Plänen spielen. Unter der Rubrik Historie. Vielleicht in Zusammenarbeit mit Stadtführer Christian Barnbeck. Und vielleicht sogar mit einem kleinen - schokoladigen - Appetithäppchen vorweg. www.fraubundgefaehrten.de

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