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Das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum wurde 1973 eröffnet. - © Thorsten Gödecker
Das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum wurde 1973 eröffnet. | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen Bad Oeynhausener Märchenmuseum bekommt internationalen Preis verliehen

Museumsleiterin Hanna Dose nahm für das Bad Oeynhausener Märchenmuseum in Volkach den Europäischen Märchenpreis entgegen. Sie verbindet mit dem Museum eine lange Geschichte.

Nicole Sielermann
24.09.2019 | Stand 24.09.2019, 14:00 Uhr

Bad Oeynhausen/Volkach. Irgendwann war Hanna Dose mit Kommilitonen aus Münster auf dem Weg nach Braunschweig. Die Kaffeepause in Bad Oeynhausen wollten sie nutzen, das damals noch recht junge Märchenmuseum zu besuchen. Auch wenn der mitfahrende ostwestfälische Freund eher abfällig über die Einrichtung sprach. Die erste Begegnung mit ihrem späteren Arbeitsplatz aber musste für Dose warten: Das Museum war an dem Tag geschlossen. Sonst hätte sie sich 1992 vielleicht nie auf die Stelle der Leitung beworben. Ihr Engagement für das Märchenmuseum aber brachte ihr und dem Haus nun jüngst den Europäischen Märchenpreis ein (nw.de berichtete), der nun feierlich in Volkach verliehen wurde. Erst nach dem Vorstellungsgespräch besichtigte Hanna Dose einst das Museum. Und war geschockt: Sie habe die angegrauten Tagesgardinen gesehen, die orangefarbene Erzähltruhe, ausrangiert aus der Sparkasse mit Telefonhörern für kleine Kinder, und eine Kopie der Venus von Villendorf. Das Obergeschoss war damals geschlossen. Sie habe nur gedacht, oh Gott, wo hast du dich beworben, schildert Laudatorin Sabine Wienker-Piepho Doses Anfänge in Bad Oeynhausen. Ihr Märchenwissen erwarb sie nach und nach, im Alltag fuhr sie "gefühlsmäßig Achterbahn zwischen den hochfliegenden Träumen im Rathaus für ein internationales Märchenzentrum und den Niederungen in der Villa mit nicht nutzbarem nassen Keller, vollgestelltem Dachboden sowie einer dubiosen Kunstgalerie im Obergeschoss", beschrieb Erzählforscherin und Volkskundlerin Wienker-Piepho Doses erste Jahre. Erst wollte sie wieder weg, dann bleiben, aus Angst, dass das Museum sonst geschlossen wird, und heute sei sie froh, dort, wo sie gearbeitet habe, ein paar Früchte zu ernten. Seit zwei Jahren denke Hanna Dose vermehrt über ihren Ruhestand nach und darüber, was sie noch schaffen möchte, solle und was sinnvoll sei. Und vor allem, was sie danach machen möchte. "Vermutlich wird sie in den Norden ziehen - in ihre alte Heimat", hat die Laudatorin erfahren. Zumal sie und ihre Brüder das Elternhaus in Lübeck behalten hätten, ein klassizistisches ehemaliges Sommerhaus. Sabine Wienker-Piepho: "Sie hat mir erzählt, dass es ihr das Herz zerreißt, demnächst nicht mehr mit der Sammlung des Märchenmuseums zu arbeiten." Vielleicht aber werde sie andernorts Märchenlesungen anbieten. Alleinstellungsmerkmal für die Kurstadt Die Früchte des Märchenpreises gehen aber nicht nur an Hanna Dose, sondern vor allem an das Märchenmuseum: Weil trotz minimaler städtischer Zuwendungen und mehrerer Schließungsversuche das Publikum nicht ausblieb, weil Märchen wissenschaftlich korrekt und trotzdem künstlerisch attraktiv aufbereitet wurden und es sich dadurch in Bad Oeynhausen ein Alleinstellungsmerkmal erworben hat. Der Europäische Märchenpreis der Märchen-Stiftung Walter Kahn ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde zum 33. Mal vergeben. Mit dem Preis werde dieses Mal nicht, so das Kuratorium der Stiftung, eine wissenschaftliche Lebensleistung ausgezeichnet, sondern die Professionalität und Beharrlichkeit, die das 1973 eröffnete Märchenmuseum an den Tag lege. "Museen stehen vor der großen Herausforderung, ihre Besucher und die, die es einmal werden sollen, in eine interessante Themenwelt einzuführen, zu vertiefen und zu begeistern", betonte der Vorstandsvorsitzende der Märchen-Stiftung, Roland Kahn. Dazu brauche es starke, intelligente, durchsetzungsstarke und manchmal - wie aus den Märchen bekannt - auch listige Persönlichkeiten. "Der Preis ist daher auch ein Zeichen, der Stadt Bad Oeynhausen zu zeigen, dass ihr Märchenmuseum überregional wahrgenommen wird und Beachtung findet."

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