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Von der Wandelhalle an die Alster: Staatsbad-Geschäftsführer Peter Adler kann künftig keine Pause mehr auf einer Bank im Kurpark machen. Ab 1. Oktober wird er in Hamburg arbeiten - © Heidi Froreich
Von der Wandelhalle an die Alster: Staatsbad-Geschäftsführer Peter Adler kann künftig keine Pause mehr auf einer Bank im Kurpark machen. Ab 1. Oktober wird er in Hamburg arbeiten | © Heidi Froreich

Bad Oeynhausen Staatsbad-Geschäftsführer Peter Adler geht und blickt zurück

Staatsbad-Geschäftsführer Peter Adler arbeitet ab Oktober in Hamburg. Er zieht eine Bilanz seiner Arbeit. Vom Einzelhandel hätte er sich mehr Engagement gewünscht

Heidi Froreich
13.09.2019 | Stand 12.09.2019, 19:04 Uhr

Herr Adler, in der nächsten Woche beenden Sie Ihre Tätigkeit als Staatsbad-Geschäftsführer in Bad Oeynhausen. Was werden Sie vermissen? Peter Adler: Den wunderbaren Blick aus meinem Büro in den Kurpark und die tollen Menschen, die ich hier kennen gelernt habe, insbesondere mein Team. Bei unserem ersten Interview vor sechs Jahren haben Sie Ihren Wechsel von Hamburg nach Bad Oeynhausen auch damit begründet, kein Großstadtmensch zu sein. Warum gehen Sie nun doch wieder aus dem kleinen Kurort in die Großstadt Hamburg? Peter Adler: Hamburg ist ja nur mein Arbeitsort. Mit meiner Familie werde ich wieder in Lüneburg leben. Das ist durchaus mit Bad Oeynhausen vergleichbar. Und was die Arbeit angeht: Die Aufgabe in Hamburg ist sehr reizvoll und ein für mich sehr reizvoller Kontext. Das bietet die Möglichkeit, mich mit 54 Jahren noch einmal zu verändern und gleichzeitig auf private Entwicklungen zu reagieren. Das war wie eine glückliche Fügung. Sie haben erst Mitte letzten Jahres Ihren Vertrag verlängert. War das damals noch nicht absehbar? Adler: Nein, Ich habe das lange nicht geplant. Der Wunsch nach einem neuen beruflichen Kontext ist in diesen Jahr insbesondere auch durch familiäre Entwicklungen angeschoben worde. Die sechs Jahre, die ich jetzt dabei bin, fühlen sich für mich aber auch stimmig und gut an. Ich war immer Teamplayer Hat die Ankündigung der Stadt, eine neue Stelle für Marketing auszuschreiben, Ihre Entscheidung beeinflusst? Adler: Nein. Ich sehe die neue Stelle für die Stadt als Bereicherung und Möglichkeit, Themen zu bearbeiten, für die vorher keine Zeit und kein Personal da war. Sie werden Verwaltungsleiter bei der Stiftung Historische Museen Hamburg und sind künftig für das Museum der Arbeit, das Hafenmuseum sowie das Speicherstadtmuseum zuständig. Welche Erfahrung als Staatsbad-Geschäftsführer könnte Ihnen künftig hilfreich sein? Adler: Die größte Herausforderung in meinen sechs Jahren im Staatsbad war es, mit vielen unterschiedlichen Interessengruppen so zusammenzuarbeiten, dass am Ende etwas Produktives herauskam. Ich habe hier sicher viele Erfahrungen gemacht, die mir auch in Hamburg zu Gute kommen. Und natürlich habe ich immer wieder erfahren, wie wichtig es ist, sich auch als Chef als Teamplayer zu sehen. Das werde ich auch in Hamburg tun. Teamgeist braucht man nicht nur im Veranstaltungsmanagement, sondern auch in der Personalverwaltung. Die Arbeit in Bad Oeynhausen hat mich ungeheuer bereichert. Stolz auf den Schlemmermarkt Sechs Jahre Staatsbad – worauf sind Sie stolz? Adler: Zusammen mit meinen tollen Kollegen haben wir zahlreiche neue Aktivitäten auf den Markt gebracht. Denken Sie nur mal an das Themenjahr Parolo Hozo, an den Schlemmermarkt oder das Dinner en blanc. Und was haben Sie falsch gemacht? Adler: Scheitern gehört zum Erfolg untrennbar dazu. Wir haben einige Flops hingelegt und natürlich auch Fehler gemacht. Denken Sie zum Beispiel an den Theaterbus, den haben wir glaube ich nach drei Monaten schon wieder abgeschafft. Oder der Gesundheitslauf. Bei mir hat sich über die Jahre auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass alles was mit Sport zu tun hat bei den Sportvereinen der Stadt besser aufgehoben ist und dort auch hingehört. Richtiger Sport gehört auch nicht in den Kurpark, ich habe etwas gebraucht um das zu verstehen. Bei den Parklichterkonzerten aber auch im Theater im Park sind zahlreiche bekannte Künstler aufgetreten. Wer bleibt Ihnen in besonderer Erinnerung? Adler:Das Konzert mit Clueso und Joris 2015 wird mir unvergesslich bleiben. Weil es ausverkauft war und trotz der vielen Menschen aber so eine fantastische Stimmung gab. Aber alle Konzert-Freitage hatten etwas Besonderes und Eigenes. Bei den Theaterschauspielern gibt es wirklich ganz unterschiedliche Charaktere – wie im richtigen Leben. Der Umgang mit Oliver Mommsen und Tanja Wedhorn hat glaube ich dem ganzen Team immer sehr viel Spaß gemacht. Mit den beiden kann man Pferde stehlen gehen. An verkaufsoffenen Sonntagen muss mehr passieren Sie haben vor sechs Jahren die Attraktivitätssteigerung von Kurpark und Innenstadt als Ziel genannt und auf die Unterstützung durch die Innenstadt-Initiative gesetzt. Hat sich die Zusammenarbeit bewährt? Adler: Mein Vorgänger Frank Oette hatte ja bei der CIMA 2013 noch moderierte Stadtmarketing-Workshops beauftragt. Dieser Prozess lief gerade, als ich meine Tätigkeit aufnahm und wir sind alle mit viel Euphorie gestartet. In dem Zusammenhang ist ja auch die Blue Night entstanden oder verschiedene Verschönerungs- und Marketingmaßnahmen, zum Beispiel das Welcome-Heft. Die Realität holt einen dann ja ein, wenn man merkt, dass auch kleine Aktionen mit großer Abstimmung und viel Arbeit verbunden sind. Wichtig ist, dass mehr Ideen und Aktionen aus der Gemeinschaft der Einzelhändler selbst entstehen. Dafür wäre es aber notwendig, dass sich möglichst alle in der Initiative zusammen schließen, so entsteht mehr finanzieller Spielraum und mehr Durchschlagkraft. Das ist allerdings noch ein weiter Weg. Die Händler werden sicher auch zukünftig keine großen Veranstaltungen finanzieren und organisieren können – aber an verkaufsoffenen Sonntagen kann mehr passieren als zur Zeit. Die Stadt hat jetzt ein Tourismuskonzept entwickelt. Welche Ihrer Wünsche wurden dabei berücksichtigt? Adler: Das Konzept ist von einem Runden Tisch in mehreren Workshops erarbeitet worden. Wünsche Einzelner sollten da nicht im Vordergrund stehen. Die Sole erlebbar zu machen war beispielsweise von Anfang an ein gemeinsames Ziel. Daraus ist ja die Idee des Solegartens mit dem jetzt eingereichten REGIONALE- Antrag entstanden. Allerdings habe ich das Gefühl, dass das Tourismuskonzept immer dann hervorgeholt wird, wenn es darum geht ob irgendwo irgendwas gebaut wird. Für uns war im ersten Halbjahr das Thema Gruppenreisegeschäft viel wichtiger. Steht auch im Tourismuskonzept, nimmt aber keiner wahr, weil man nichts sehen oder anfassen kann. Die Zusammenarbeit mit über 20 Kommunen aus OWL, das Verkaufshandbuch, dass wir an über 2000 Reiseveranstalter vertrieben haben, die Expedientenreisen in die Region und die Tatsache, dass wir in die Verkaufshandbücher der Veranstalter selbst rein kommen, sind beispielsweise auch große Schritte in der Realisierung des Konzeptes. Ihr Nachfolger wird noch gesucht, wann er oder sie seine Stelle antritt, ist unklar. Wer erledigt jetzt übergangsweise Ihre Arbeit? Adler:Es wird sicher einen Interims-Geschäftsführer geben. Allerdings kann ich nicht sagen, ob die Person bereits gefunden ist. Details sollten Sie mit dem Vorsitzenden meiner Gesellschafterversammlung besprechen. Soleseife und Handtuch zur Erinnerung Sie haben Ihren Dienst damals mit den Parklichtern begonnen. Wie sieht ihre Abschiedsfete aus? Adler: Eine Abschiedsfete wird es nicht geben. Ich bin auch überhaupt kein Freund von Verabschiedungen und bin mir sicher, dass wir uns Wiedersehen werden. Den Saisonstart am 19. September werde ich als letzten Termin noch machen und natürlich werden wir noch mal im Team zusammenkommen. Was wird Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz in der Großstadt an Bad Oeynhausen erinnern? Adler: Soleseife, Badeschuhe, Handtuch, Hoody... Ich nehme jeweils ein Exemplar unsere Merchandising-Produkte mit und werde ihnen einen guten Platz daheim verschaffen und Bad Oeynhausen hat einen Platz in meinem Herzen und wird ohnehin ständiger Begleiter sein. Sie haben noch für das Parklichterkonzert im nächsten Jahr vorgesorgt. Werden Sie für den Auftritt von Fury in the Slaughterhouse nach Bad Oeynhausen zurückkommen? Adler: Ich kann leider noch nicht absehen was am ersten Augustwochenende 2020 sein wird - aber nach Bad Oeynhausen werde ich ganz sicher zurückkommen. Allein schon weil ich meine Kolleginnen und Kollegen wiedersehen will.

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