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Für lau: Marktleiterin Merve Özdemir und Geschäftsführer Alexander Otto präsentieren die Obst- und Gemüsekiste mit Ware, die im Markt nicht mehr verkauft werden kann und aus der sich die Kunden unentgeltlich bedienen dürfen. - © Jörg Stuke
Für lau: Marktleiterin Merve Özdemir und Geschäftsführer Alexander Otto präsentieren die Obst- und Gemüsekiste mit Ware, die im Markt nicht mehr verkauft werden kann und aus der sich die Kunden unentgeltlich bedienen dürfen. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Eine Kiste gegen Lebensmittelverschwendung in Bad Oeynhausen

Edeka-Markt verschenkt Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern an Kunden, damit die Ware nicht vernichtet werden muss. Damit will Alexander Otto auch eine Alternative zum "Containern" bieten

Jörg Stuke
12.06.2019 | Stand 11.06.2019, 16:54 Uhr

Bad Oeynhausen. Der braune Fleck am Apfel, die Druckstelle an der Tomate: Oft sind es schon solch kleine Schönheitsfehler, die Obst und Gemüse für die Kunden unattraktiv machen. Bislang landeten diese Artikel, die zwar noch gut essbar, aber eben nicht mehr verkäuflich sind, in der Tonne. Damit aber will sich Alexander Otto, Geschäftsführer des Edeka-Marktes an der Schulstraße, nicht länger abfinden. Seit Dienstag steht vor dem Markt eine große Holzkiste, aus der sich die Kunden bedienen dürfen - umsonst. Auch die Diskussionen um das sogenannte "Containern", bei dem Menschen aus den Abfalltonnen von Supermärkten weggeworfene, aber noch verzehrbare Lebensmittel bergen, haben Alexander Otto zu dem Projekt bewegt, das er "Fairteiler" nennt. Den Namen habe er bei einem Supermarkt in Süddeutschland abgeschaut, sagt Otto. Hier in der Region aber ist dieses Angebot nach seiner Einschätzung noch beispiellos. "Es entspricht nicht der Würde des Menschen, für seine Nahrung in Mülltonnen wühlen zu müssen" Zwar sei das "Containern" in der Schulstraße kein akutes Problem. "Bei uns werden die Abfalltonnen nicht durchwühlt", sagt Otto. "Aber wir haben schon darüber nachgedacht, was wir gegen die Lebensmittelverschwendung tun können." Dabei kann der Geschäftsführer des Supermarktes die Beweggründe für das Containern durchaus nachvollziehen. Und zwar sowohl die Motivation der Menschen, die aus ethischen Gründen Lebensmittel vor der Vernichtung bewahren wollen, als auch die derjenigen, die auf diese Lebensmittel angewiesen sind. Zwei Gründe sprechen aber aus seiner Sicht gegen das Containern: "Es entspricht einfach nicht der Würde des Menschen, für seine Nahrung in Mülltonnen wühlen zu müssen", sagt der 30-Jährige. Und: "Wenn gerade Obst oder Gemüse im Sommer einen Tag lang bei 30 Grad in einem Müllcontainer gelegen haben, ist es nicht mehr wirklich essbar." Insofern habe er auch Verständnis für die Entscheidung der Justizminister der Länder, die in der vergangenen Woche beschlossen haben, dass das "Containern" weiterhin strafbar bleiben soll. "Aber dann muss man eine Alternative bieten", findet Otto. Die der Geschäftsführer des Edeka-Marktes in der Selbstbedienungskiste vor der Tür fand. "Wir kontrollieren unsere Ware in der Obst- und Gemüseabteilung mehrmals am Tag", berichtet Otto. Und alles, was dort als nicht mehr verkäuflich eingestuft wird, landet fortan in der Kiste vor der Eingangstür. Hier können sich die Kunden bedienen. Einzige Bedingung: Sie dürfen die aussortierte Ware nicht mit in den Markt nehmen. "Denn dort müsste sie bezahlt werden", erläutert eine Hinweistafel über der Kiste. Auch der Tafel stellt Otto ausgemusterte Lebensmittel zur Verfügung Grundsätzlich werden solch aussortierte Lebensmittel gern auch von den "Tafeln" angenommen, die sie in eigenen Läden an Bedürftige abgeben. Das Diakonische Werk des Kirchenkreises Vlotho betreibt solche Läden in Bad Oeynhausen, Löhne und Vlotho. "Und wir arbeiten auch seit Jahren mit Edeka-Otto zusammen", berichtet Birgit Peters, die die Tafeln im Kirchenkreis Vlotho koordiniert. Wöchentlich stelle sein Supermarkt der Tafel ausgemusterte Lebensmittel im Wert von rund 300 Euro zur Verfügung, schätzt Alexander Otto. Nur: Obst und Gemüse sind nicht dabei. Denn die müssten täglich abgeholt werden. Das Diakonische Werk aber fährt den Edeka-Markt in der Schulstraße nur mittwochs und freitags an. Die anfallenden Mengen würden eine tägliche Abholung nicht rechtfertigen, sagt Birgit Peters. Zumal sich die Tafeln auch massiv auf den Einsatz von Ehrenamtlichen stützen. "Das ist mal eine gute Idee" Interesse, diese Mengen zu steigern, hat Alexander Otto naturgemäß nicht. "Wir wollen unsere Ware natürlich in erster Linie verkaufen", sagt er. "Es ist aber eben auch unser Ziel, keine Lebensmittel wegzuwerfen." Den Weg mit der Selbstbedienungskiste loben schon am Dienstag viele Kunden des Edeka-Marktes. "Das ist mal eine gute Idee", findet Heidrun Reichelt. "Ich würde mir wünschen, dass die Lebensmittel vor allem für die Menschen bleiben, die sich sonst wenig leisten können."

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