Detailverliebt: Der Schriftzug an der Wand macht deutlich, hier ist Kellers Garage und gleichzeitig ein erfüllter Traum. - © Oliver Windus
Detailverliebt: Der Schriftzug an der Wand macht deutlich, hier ist Kellers Garage und gleichzeitig ein erfüllter Traum. | © Oliver Windus

Bad Oeynhausen So wohnt Bad Oeynhausen: Eine echte Männerhöhle

Thorsten Keller schraubt in einem alten Schweinestall an seinen Oldtimern. Stilecht hat er sich zudem eine amerikanische Bar eingebaut

Nicole Sielermann
18.05.2019 | Stand 18.05.2019, 16:00 Uhr

Bad Oeynhausen. In der Luft hängt der Geruch von Öl, die Musik wummert, der Ofen bullert und Thorsten Keller ist völlig in seine Schweißarbeit vertieft. Der Ford Pick-up muss schließlich zum Laufen gebracht werden. Den Besuch nimmt er nicht wahr. Egal. Denn der ist eh schon völlig gefangen in der Atmosphäre der amerikanischen Route 66. Der Schritt durch das alte Scheunentor ist wie ein Schritt in eine andere Welt. In nur acht Wochen hat sich Thorsten Keller seinen Männertraum erfüllt: eine Schrauberwerkstatt mit stilechter amerikanischer Bar. Und das in einem alten Schweinestall. Mitten im Niemandsland von Bad Oeynhausen. Ein alter Mercedes mit einem Surfbrett auf dem Dach. Der Pick-up. Harleys. Amerikanische Nummernschilder, Ölfässer, Popcorn-Automat, Leuchtreklame und eine Diskokugel unter der niedrigen Decke – das, was Thorsten Keller erschaffen hat, ist die „perfekte Männerhöhle", wie er es nennt. „Ich bin einfach super gerne hier", gibt er zu. Auch gern allein. Zum Schrauben. Das mache den Kopf frei. Im Winter allerdings geht’s nicht ohne den Bullerjan und einige Schüttmeter Holz: „Richtig warm wird’s hier aber trotzdem nicht." Zum Rumsitzen sei es zu kalt. Die Hebebühne hat ihre Grenzen Thorsten Keller liebt seinen alten Stall. Und daran ist eigentlich seine Frau schuld. Denn die wollte mit, wenn ihr Mann an seinen Autos schraubt. „Aber nicht in eine kalte Garage", winkt Thorsten Keller ab. Also musste etwas „Ordentliches" her. Vor gut anderthalb Jahren hat Keller (im wahren Leben Geschäftsführer von Keller & Wehbrink in Löhne, ein Zulieferer für die Möbelindustrie, sowie Inhaber von Wittekindmöbel) dann den ehemaligen Schweinestall gefunden und ausgebaut. Hat die Wände rustikal gelassen, einen Werkstattboden legen und eine Hebebühne einbauen lassen. Die hat allerdings ihre Tücken. „Einen Meter, mehr geht nicht", sagt Keller (51). „Dann ist Schluss." Sonst hängt das Auto unter der Decke. Zum Autoschrauben kam Thorsten Keller wie die Jungfrau zum Kinde, wie er sagt. „Zwei meiner drei Kinder haben ein Highschool-Jahr in den USA gemacht." Als die Eltern zu Besuch waren, fiel dem 51-Jährigen ein Pick-up auf, der zum Verkauf angeboten wurde. „In den Südstaaten haben alle irgendeinen gammeligen Pick-up auf dem Hof herumstehen." Vater und Sohn machten sich schlau: „Das Auto war echt billig und total einfach zu importieren." Die Familie hat Zuwachs bekommen So war die Entscheidung schnell gefallen. Inzwischen gehören drei Pick-ups zur Familie. Plus diverse Motorräder und Harleys sowie der alte mausgraue Mercedes. „Das ist das Kinderauto", sagt Thorsten Keller. Eins für alle drei, statt eins für jeden. „Das können sie sich teilen." Und lieben ihren 200er Mercedes mit 55 PS heiß und innig. „Gurte hat er zwar nicht, aber dafür fährt er auch nicht schnell", sagt Keller schelmisch. Die Kinder jedenfalls seien stolz, mit dem Oldtimer vor der Schule vorfahren zu können. Alleine schraubt Thorsten Keller in „Kellers Dreamworks", wie der Schriftzug an der Wand zeigt, nur noch selten. Inzwischen haben auch beide Söhne ihre Leidenschaft fürs Schrauben entdeckt. „Einer ist sogar Kfz-Mechatroniker geworden." Vier Abende pro Woche verbringt Thorsten Keller inzwischen in seiner Höhle. Viel Zeit. „Meine Frau hat’s ja so gewollt", sagt der Bad Oeynhausener lachend. Als junger Mann hatte der 51-Jährige dagegen keine Lust zum Schrauben. „Jetzt hab ich alle Zeit der Welt. Es muss nichts fertig werden. Ist stressfrei", bilanziert er. Und genau das mache einfach Freude. Trotzdem sei es immer „ein kleines Fest, wenn das Auto anspringt". Silvester-Büfett auf dem Pick-up Apropos Fest. Dafür bietet sich der ehemalige Stall natürlich auch an. Oftmals ist er Endziel, wenn Kellers Harley-Gruppe ihre Ausfahrt macht. Und so wundert es nicht, dass in der Ecke ein Grill und eine Paella-Pfanne auf ihren Einsatz warten. „Für chillige Sommerabende." An denen kurzerhand die Scheunentüren aufgeschoben werden. Die Autos stören dabei kaum. „Der Pick-up ist super fürs Büfett", sagt Keller lachend. „Silvester haben wir hier mit 40 Leuten gefeiert." Stilecht amerikanisch natürlich. Dafür ist die Bar schließlich da.

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