Das Amtsgericht Bad Oeynhausen verurteilte einen Dachdecker, der nach dem WM-Spiel Deutschland-Schweden vor einer Kneipe den Hitlergruß gezeigt haben soll. - © Verwendung weltweit
Das Amtsgericht Bad Oeynhausen verurteilte einen Dachdecker, der nach dem WM-Spiel Deutschland-Schweden vor einer Kneipe den Hitlergruß gezeigt haben soll. | © Verwendung weltweit

Bad Oeynhausen Hitlergruß vor WM-Autokorso kostet 27-Jährigen 600 Euro

Für Jogis Elf war nach der Vorrunde Schluss, die grölenden Fußballfans aber mussten sich am Dienstag für die Nazi-Parolen verantworten

Ulf Hanke
15.05.2019 | Stand 14.05.2019, 19:15 Uhr

Bad Oeynhausen. Es war die erste und letzte Gelegenheit zum Jubeln für Anhänger der deutschen Fußballnationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft in Russland gewann Deutschland am 23. Juni 2018 gegen Schweden in Sotschi mit 2:1. Das Spiel begann um 20 Uhr und gegen 22.30 Uhr kreiselten Fußballfans fahnenschwenkend im Autokorso zwischen Sparkasse und Busbahnhof durch die Bad Oeynhausener Innenstadt. Genau in diesem Moment sollen mehrere junge Männer vor einer Innenstadtkneipe den Hitlergruß gezeigt haben. Für Jogis Elf war nach der Vorrunde Schluss, die grölenden Fußballfans aber mussten sich am Dienstag und damit elf Monate nach dem Spiel vorm Amtsgericht für die Nazi-Parolen verantworten. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hatte drei Männer aus der Gruppe angeklagt. Sie sollen außerdem den einzigen Zeugen, der die drei zur Rede stellte, eingeschüchtert und bedroht haben. Die drei Männer, zwei sind 27 und einer 23 Jahre, waren sich keiner Schuld bewusst. Der erste behauptete auf Nachfrage des Richters, er habe "bloß auf der anderen Straßenseite einen Kameraden gegrüßt". Der zweite stimmte mit hochrotem Kopf dem ersten zu und der dritte erklärte, so betrunken gewesen zu sein, dass er sich nicht mehr richtig erinnern könne. Hitlergruß galt offenbar Fahne schwenkenden Südländern Die Szene hatte aber ein Zeuge beobachtet, der mit dem Fahrrad unterwegs und auf den lauten Autokorso aufmerksam geworden war. Schon von Ferne habe er vor der Kneipe "Sieg Heil!" gehört, erzählte der 52-Jährige vor Gericht. Der Hitlergruß habe klar dem Autokorso gegolten. In den Autos saßen "Südländer, die unterschiedliche Fahnen schwenkten". Der Zeuge zeigte Zivilcourage und stellte die jungen, alkoholisierten Männer zur Rede. Das Gespräch wurde jedoch rasch aggressiv, was die Angeklagten ebenfalls erzählten. Es flogen Beleidigungen hin und her, dem Zeugen wurde unmissverständlich zu verstehen gegeben: Er solle jetzt gehen, sonst könne für seine Sicherheit nicht garantiert werden. Von wem die Drohungen ausgingen, daran konnte sich der Zeuge vor Gericht allerdings nicht mehr genau erinnern. Verfahren gegen zwei Angeklagte eingestellt Einer der Angeklagten nutzte die Chance, um sich für die Beleidigungen zu entschuldigen. Ein zweiter erinnerte sich zwar nicht, schloss sich aber der vorsorglichen Entschuldigung an. Nur der 27-jährige Angeklagte bestritt die Darstellung des Zeugen, er könne sich nicht entschuldigen, weil er ja nichts getan habe. Der Zeuge sei auf ihn losgestürzt und habe ihn "Scheiß-Nazi" genannt. Das Gericht stellte gegen die ersten beiden Angeklagten die Verfahren ohne Auflagen ein. Letztlich stand Aussage gegen Aussage. Nach einer Verhandlungspause verurteilte der Richter aber den verbliebenen Angeklagten, einen unter anderem wegen Diebstahl und Körperverletzung vorbestraften Dachdecker. Der Zeuge habe ihm den Hitlergruß klar zuordnen können. Der 27-jährige Bad Oeynhausener muss nun eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 35 Euro (600 Euro) zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte 30 Tagessätze zu 50 Euro (1.500 Euro) gefordert.

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