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Neubau: So soll das Sielbad aussehen. Die Nordwest-Ansicht zeigt auch die den Zugang zum Freibad (l.). - © ARCHITEKTEN GEISING+BÖKER
Neubau: So soll das Sielbad aussehen. Die Nordwest-Ansicht zeigt auch die den Zugang zum Freibad (l.). | © ARCHITEKTEN GEISING+BÖKER

Bad Oeynhausen Der Neubau im Siel: Hallenbad auf schwierigem Terrain

Planung: Der Bau muss fest, darf aber nicht tief gegründet werden. Weil der Quellenschutz Grenzen setzt und Hochwasser droht, wird das Bad deutlich teuer als zunächst errechnet. Trotzdem leisten sich die Stadtwerke eine Palette an Sonderausstattungen

Thorsten Gödecker
04.05.2019 | Stand 03.05.2019, 17:53 Uhr

Bad Oeynhausen. Seit 20 Jahren wird es geplant, nun ist es beschlossen. Im Siel entsteht ein multifunktionales Hallenbad, das die Stadtwerke konservativ kalkuliert rund 15 Millionen Euro kosten wird. Danach soll das Freibad saniert werden. Das günstige Vorbild Wer wissen will, was im Siel entstehen wird, der möge in Gütersloh das Nordbad besuchen. Dort wird im August 2015 nach nur eineinhalb Jahren Bauzeit ein neues Hallenbad eröffnet. Charakteristisch für den Bau ist die breite Fensterfront. Gleiches gilt für das Bad, das nun im Siel entstehen soll. Das große Schwimmbecken des Nordbades hat fünf Bahnen und ist 25 Meter lang. Hinter dem Sprungbereich geht das Sportschwimmbecken in eine gleichmäßige Wassertiefe von zwei Metern über. Im Sprungbereich ist es 3,5 Meter tief. Das 12,5 mal 8 Meter große Lehrschwimmbecken kann variabel „angehoben" werden. Es ist eine Tiefe zwischen 30 Zentimeter und zwei Metern möglich Im Gegensatz zur Planung für das Sielbad fehlt eine Abgrenzung zwischen Sport- und Mehrzweckbecken. Auch einen Multifunktionsraum gibt es im Nordbad nicht. Das unterstreicht, dass der in der Kurstadt geplante Neubau vor allem auf den Rehasport hin ausgerichtet ist. Das Gütersloher Nordbad hingegen ist als Sport- und Ausbildungsbad konzipiert, weil die Stadtwerke in Gütersloh mit der „Welle" ein weiteres, deutlich üppigeres Angebot vorhalten, das die Bereiche Sauna, Freizeit, Entspannung und Erholung abdeckt. Das Nordbad bekommen die Gütersloher für einen Schnäppchenpreis: 6,7 Millionen Euro. Halle auf Heilquellen Damit das Bad Oeynhausener Bad nicht schwimmt, wenn die Werre über die Ufer tritt, muss es schwer gegründet werden. Weil Planer und Architekten davon ausgehen, dass Jahrhunderthochwasser zukünftig alle drei bis vier Jahre zu erwarten sind, muss der Bau einem Jahrtausendhochwasser standhalten. Deshalb wird das Gelände um einen Meter aufgeschüttet und der Bau mit Massenbeton so beschwert, dass er nicht aufschwimmen kann. Die mächtigen Massenbetonsilos kommen in den Keller des Neubaus, können aber wegen des Heilquellenschutzes nicht beliebig tief gegründet werden. Bis auf die Lüftungsanlage, die im Obergeschoss montiert werden soll, wird sich auch die Technik des Bades im Keller wiederfinden. Angebaut wird ein eigenes Blockheizkraftwerk, das neben der Wärmeerzeugung auch Strom für das neue Sielbad liefern soll. Die Stadtwerke erklären diese Zusatzinvestition durch höhere Energieeffizienz, aber vor allem durch Steuereinsparungen. Doch ein Sportbad Weil die ursprüngliche Planung weder eine Sprunganlage noch eine ausreichende Deckenhöhe für Wasserball vorsieht, sind die sportlichen Nutzungsmöglichkeiten dieser Variante eher begrenzt. So wäre es in einem solchen Bad noch nicht einmal möglich, Schwimmabzeichen abzunehmen, weil die Sprungmöglichkeiten fehlen. Für Wasserball ist dieses Bad schlicht zu niedrig. Deshalb soll es nun um 1,75 Meter erhöht werden, so dass die Schwimmhalle dann eine lichte Deckenhöhe von 6,25 Meter aufweist. Der Sprungbereich wird in den Keller abgesenkt und auf 3,5 Meter vertieft. Für Sport und Therapie soll auch der 95 Quadratmeter große Mehrzweckraum mit eigenen Geräteräumen genutzt werden – quasi eine Miniturnhalle im Hallenbad. Auch dieses Bauteil verweist darauf, dass das neue Hallenbad klar auf Therapie hin ausgerichtet ist. Der Architekt wird nicht müde, immer wieder die rollstuhlgerechte und barrierefreie Planung zu betonen, die bestehende Normen deutlich überflügele. So ist unter anderem ein „barrierearmer" Startblock geplant. Therapie und Planschen Obwohl Stadtwerke-Chef Andreas Schwarze noch nicht weiß, wie er die multifunktionale Nutzung des gleichnamigen Beckens organisieren soll, wenn das Bad Ende 2020 eröffnet wird, sagt er den Familien zu, dass auch für deren Kinder Zeiten eingeplant würden. Denn das mit einem Hubboden ausgestattete, 8 mal 12,5 Meter große Becken, dürfte Begehrlichkeiten wecken. Hier, so sieht es die Planung vor, sollen die Bewegungs- und Therapiekurse stattfinden, Vereine ihr Recht bekommen, der Rehasport eine Betätigungsmöglichkeit finden und die Wassergewöhnung von Kindern möglich sein. Um die energieintensive Verdunstung zu verhindern, kann das Becken nachts auf Bodenniveau hochgefahren werden. Entlang der Wände werden Wärmebänke installiert. Üppige Außenanlage Nicht geplant und doch beschlossen: Mehr als eine Million Euro wird die Neugestaltung des Areals zwischen Badvorplatz und Kanalstraße kosten. Kern des Vorplatzes ist eine barrierefreie Bushaltestelle, die das neue Sielbad mit dem Öffentlichen Personennahverkehr verbindet. Familienfreundlich nennen die Stadtwerke die 73 deutlich größeren Parkplätze, die für rund 144.00 Euro saniert werden. Hinzu kommen knapp 130 Fahrradabstellplätze. Allein die sechs Wohnmobilstellplätze sollen knapp 230.000 Euro kosten und auch drei E-Ladestationen sollen vor dem Bad installiert werden. Planschen im Freibad Weil das jetzige Kinderbecken bereits „abgängig" sei und es den Baufahrzeugen im Wege stehen werde, wird es „zurück gebaut" und durch ein neues ersetzt. Preis: 680.000 Euro. Mit 930.000 Euro veranschlagen die Planer den Bau der Sommerumkleiden samt Kiosk und Terrasse. Die jetzige Schwimmmeister-Wohnung und der Kiosk werden abgerissen. Doch damit nicht genug: Die Stadtwerke sind aufgefordert, noch in diesem Jahr eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung des gesamtes Sielbades vorzulegen.

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