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Kernsaniert: In dem Fachwerkhaus an der Ravensberger Straße gibt es einen Wohnbereich und eine Praxis. - © Oliver Windus Fotodesign
Kernsaniert: In dem Fachwerkhaus an der Ravensberger Straße gibt es einen Wohnbereich und eine Praxis. | © Oliver Windus Fotodesign

Löhne/Bad Oeynhausen Außergewöhnlich Wohnen: Vom Bauernhof zum Wohnhaus mit Charakter

Unweit der Oeynhauser Schweiz hat sich der Architekt Henning Bökamp einen Wohntraum erschaffen. Wo einst Pferdegespanne standen, ist heute eine Praxis

Susanne Barth
26.04.2019 | Stand 26.04.2019, 16:40 Uhr

Bad Oeynhausen/Löhne. Das Haus hat Geschichte. Sein ursprünglicher Fachwerkteil wurde 1830 errichtet. Das Gebäude an der Ravensberger Straße unweit der Oeynhauser Schweiz hat Architekt Henning Bökamp fast 200 Jahre später als eigenes Projekt ausgewählt. Die Verwandlung von einem alten Bauernhof in ein charmantes Wohn- und Geschäftshaus begann. Vor den Sanierungsarbeiten stand das Gebäude mehr als 25 Jahre leer. „Dann haben wir uns rangetraut", sagt Bökamp, der dort mit seiner Frau, Kind und Hund lebt. Doch hier wird nicht nur gelebt, sondern auch gearbeitet. In der Deele und weiteren Räumen im Fachwerkteil ist eine Praxis integriert. Dafür war zunächst eine Rundum-Restaurierung und -Sanierung nötig, bei der das Gebäude auch technisch und energetisch auf den neuesten Stand gebracht wurde. Ein Clou im Inneren Alles unter der Vorgabe, den Fachwerk-Charakter des denkmalgeschützten Gebäudes zu bewahren. So wurden in Abstimmung mit der zuständigen Denkmalbehörde die defekten Bauteile ausgetauscht und die entsprechenden neuen Teile originalgetreu in den Baukörper eingefügt. Im Inneren der Clou: Zwei freistehende Kuben dienen als Elemente der Praxisräume. Damit sei nicht nur das Raumvolumen der Deele optimal ausgeschöpft, es ist ein spannender Kontrast zwischen historischem Fachwerk und Modernität entstanden. Das Gebäude in der Kurstadt ist außergewöhnlich und hebt sich vom Wohnstil etlicher Gebäude ab. „Die meisten Wohnungen werden noch mit einem Standardgrundriss gebaut", sagt Christof Rose, Pressesprecher der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Doch zugleich gibt es immer mehr spezifische Angebote für spezielle Zielgruppen: Mikroappartements für Studenten und urbane Nomaden; Wohnprojekte für gemischte Nachbarschaften, die auch Gemeinschaftsräume nutzen wollen; Wohnen mit besonderen Serviceangeboten für urbane Singles oder ältere Menschen. Verdopplung der Einpersonenhaushalte Die Architektenkammer rät, auch solche Spezialangebote so zu planen, dass später andere Nutzungsformen möglich sind. Die Geschichte des Wohnens in den vergangenen 100 Jahren zeigt, dass multifunktionale Räume sich bewährt und am Markt behauptet haben. „Gerade der aktuelle Trend, Wohnen und Arbeiten wieder in ein und derselben Räumlichkeit zusammenzuführen, unterstreicht die Bedeutung solcher Raumkonzepte", sagt Rose. Denn nicht nur die Preise für das Wohnen, auch die Ansprüche daran steigen in Deutschland. Laut Architektenkammer verbrauchen die Deutschen durchschnittlich heute pro Kopf etwa 47 Quadratmeter. „Dieser Wert ist vor allem deshalb so rasant gestiegen, weil die Zahl der kleinen Haushalte immer weiter zunimmt." Seit den 1960er Jahren hat sich der Anteil der Einpersonenhaushalte von 20 Prozent auf 41 Prozent mehr als verdoppelt. Tag der Architektur Ende Juni Chancen, mehr Wohnraum zu entwickeln, biete auch die Nutzung des Baubestandes. „Eine Aufgabe, die angesichts des Mangels an neuem Baugrund von Bauherren, Investoren und Kommunen umfänglich genutzt werden sollte." Tolle Beispiele von Wohn- und Geschäftsgebäuden bietet der Tag der Architektur. So wurden in Düsseldorf aus einer alten Senffabrik Wohn- und Arbeitsräume. 170 Projekte in 88 Kommunen sind am 29. und 30. Juni NRW-weit zu besichtigen.

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