Bad Oeynhausen Neue Titanic-Mitarbeiterin

Vom Kantig zur Titanic: Die in Bad Oeynhausen aufgewachsene Buchautorin Ella Carina Werner hat in der bislang traditionell männlichen Redaktion des Satiremagazins Titanic ihre Berufung gefunden

Elke Niedringhaus-Haasper
23.04.2019 | Stand 22.04.2019, 14:14 Uhr

Bad Oeynhausen. Die Bild-Zeitung, der Focus oder die Nachrichtenagentur Reuters: Wenn Mitarbeiter des Satire-Magazins Titanic bewusst eine Falschmeldung lancieren, gehen ihnen immer wieder mal Kollegen auf den Leim. Das war nicht nur im letzten Jahr so, als die Journalisten der Titanic behauptet haben, dass CSU und CDU getrennte Wege gehen, sondern auch im vergangenen Februar, als sie ein Video veröffentlichten, in dem sie als Linksextremisten verkleidet Feinstaubmessstationen manipulierten. Mit der in Bad Oeynhausen aufgewachsenen Buchautorin Ella Carina Werner hat die traditionell männlich besetzte Redaktion der Titanic nun eine weibliche Kollegin bekommen. Bereits als Gymnasiastin schrieb die heute 39-Jährige für den „Kantig“, die Schülerzeitung des IKG. Und aus ihrer 2012 erschienenen, halbbiografischen Familiengeschichte „Die mit dem Bauch tanzt“, hat die Kulturwissenschaftlerin mit Wahlheimat Hamburg mehrfach in Bad Oeynhausen gelesen. Denn in der Kurstadt spielt auch die turbulente Geschichte um Ella Carina Werners Kindheit und Jugend, die sie hier als Tochter eines Psychologen und einer Bauchtänzerin verbrachte: Sie erzählt darin den wundersamen Aufstieg ihrer Mutter zur berühmtesten Bauchtänzerin von Ostwestfalen- Lippe. Mit falschen Fingernägeln, schwarzer Perücke und tonnenweise Tönungscreme erobert Ursula Werner alias „Shahzadi“ darin die Partykeller und Doppelgaragen der Nachbarschaft und tanzt sich hoch bis ins Rathaus von Bielefeld. Humorvoll und unterhaltsam beschreibt die Buchautorin diese turbulente ostwestfälische Landjugend zwischen Säbeltänzen, Schnabelschuhen und eifersüchtigen Ehefrauen. Ihre Leidenschaft für die Satire hatte Ella Carina Werner, die für die FAZ, die Süddeutsche, den NDR, die Zeit, den Spiegel und die TAZ schrieb, allerdings viel früher entdeckt: Im Alter von 25 Jahren, als sie die satirische Zeitschrift „Die Flause“ mit gründete. Und jahrelang als Herausgeberin der „Exotischen Zeitschrift für komische Literatur“ – ein „Liebhaberprojekt“, wie die Autorin sagt. Zeitgleich entdeckte sie die Titanic und reichte dem Satiremagazin ihre ersten Texte ein. „Und sie wurden sogar gedruckt“, erinnert sich Ella Carina Werner. Ab dieser Zeit schrieb sie auch immer wieder mal als freie Mitarbeiterin für das größte Satiremagazin Deutschlands. Daraus wurde mehr, als sie vor drei Jahren ein Stipendium von der Sondermann-Stiftung für Komische Kunst und Literatur bekam. Und ihr Praktikum bei der Titanic absolvierte. „Ich hatte sofort einen guten Draht zu den Kollegen“, weiß die Autorin noch ganz genau. Als dann im Team des Satiremagazins eine Stelle frei wurde, bekam sie Ella Carina Werner. „Für mich ist das ein Riesenschritt. Denn die Titanic ist eine echte Talentschmiede“, sagt die 39-Jährige. Denn: „Mit komischen Mitteln wunde Punkte treffen, in Dingen wühlen, die schief laufen und einerseits unterhalten und andererseits vor den Kopf stoßen, das ist genau das, was ich mag“. Nachlesen kann man das unter anderem in Werners in der Titanic erschienen „Reportage Nr. 1“ über Altersreichtum in Deutschland, in der „steinreiche Grabverweigerer zu Wort kommen“, die von den Belastungen ihres Wohlstandes berichten – ein Steckenpferd der Journalistin, die wie sie sagt, „besonders gerne komplett ausgedachte Reportagen“ schreibt. Ob ihr weiblicher Einfluss innerhalb der Titanic etwas verändert hat? „Früher wurde die Rubrik ’Briefe an die Leser’ häufig mit ’Tschüss. Deine Jungs von der Titanic’ unterschrieben. Das gibt es jetzt nicht mehr“, sagt Ella Carina Werner. Und mehr noch: „Die Anzahl an freien Mitarbeiterinnen hat sich inzwischen enorm vergrößert. Ganz zu meiner Freude. Denn mir ist es wichtig, insbesondere weibliche Nachwuchssatirikerinnen zu ermuntern, sich in dieser traditionellen Männersphäre breit zu machen“.

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