Farbenfroh: Zu dem Krawallo-Song feierten die Kinder ein buntes Holi-Festival. Foto: PR - © PR
Farbenfroh: Zu dem Krawallo-Song feierten die Kinder ein buntes Holi-Festival. Foto: PR | © PR

OWL „Wir wollen Ängste abbauen“

Welt-Down-Syndrom-Tag: Vanessa Kristahn initiiert bundesweites Videoprojekt. Sieben Kindermusikbands wie Krawallo, Randale und Lieselotte Quetschkommode sowie 130 Kinder wirken bei „Du bist so“ mit

Nicole Sielermann
21.03.2019 | Stand 21.03.2019, 16:38 Uhr

Bünde. Die Diagnose nach der Geburt war erst einmal ein Schock. Als Julian vor zwei Jahren im Herforder Klinikum zur Welt kam, stand schnell fest, dass der kleine Junge Trisomie 21 hat. Das Down-Syndrom. „Natürlich sind wir nicht in Jubelstürme ausgebrochen", blickt Vanessa Kristahn (40) zurück. „Wir waren verunsichert", beschreibt die zweifache Mutter ihre Gefühle. Allein gelassen, unzureichend informiert und unvorbereitet hätten sie und ihr Mann (46) sich nicht nur gefühlt, sondern seien es auch gewesen. Doch was bedeutet die Diagnose eigentlich? „Das Down-Syndrom ist kein Weltuntergang. Das Leben ist danach nicht zu Ende", bilanziert Vanessa Kristahn nach zwei Jahren. Deshalb will sie anderen Eltern Mut machen, Menschen sensibilisieren und das Syndrom in der Gesellschaft ins Positive rücken. Helfen soll dabei der eigens von der heimischen Kinderrockband Krawallo komponierte Song „Du bist so", der anlässlich des heutigen Welt-Down-Syndrom-Tages in den sozialen Netzwerken verfügbar ist. Innerhalb kürzester Zeit hat Vanessa Kristahn zusammen mit Thorsten Klein und Elvira Sternhagen das Videoprojekt ins Leben gerufen. Die Vorlage: ein ähnliches Projekt aus Großbritannien, das 2018 das Internet eroberte. „Eigentlich habe ich mich gar nicht berufen gefühlt, etwas auf die Beine zu stellen, sondern auf die Internet-Gemeinschaft gewartet", gibt Vanessa Kristahn lachend zu. Doch es kam nichts. Also überlegte sie, wie ein Projekt aussehen könne. Klar war, es sollte ein eigens komponierter Song werden, etwas Rockiges, Fröhliches. Um zu zeigen, dass die Kinder Spaß am Leben haben. „Wir haben die Band Krawallo aus Hiddenhausen angesprochen, die sofort zugesagt hat." Entstanden ist ein Lied, bei dem letztendlich sieben Kinderbands aus ganz Deutschland zu hören sind. Mit dabei sind neben Krawallo die Bielefelder Band Randale und Lieselotte Quetschkommode, sowie Andi & die Affenbande, Ich & Herr Meyer, Markus Rohde und Suli Puschban. Noch viel wichtiger aber: 130 Kinder mit und ohne Down-Syndrom feiern im Video ein fröhliches Fest. Entstanden ist ein Lied, in dem es um Inklusion geht, um Vielfalt und darum, Ängste und Vorurteile im Zusammenhang mit dem Down-Syndrom abzubauen. Deshalb hatten die 80 Eltern, die Vanessa Kristahn zusammengetrommelt hat und die im Hintergrund mitwirken, ein genaues Auge auf den Text. „Unsere Kinder sind nicht krank, sie haben nur eine andere Chromosomenstruktur. Es leidet auch niemand am Down-Syndrom", erklärt die 40-Jährige. „Viele Eltern sind für solche Formulierungen empfindlich." Was ist eigentlich normal? Wann hört die Normalität auf? „Eigentlich ist das eine willkürliche Bestimmung." Die Gesellschaft diskriminiere Menschen mit Down-Syndrom aufgrund ihrer Seltenheit. Dabei kommt statistisch alle drei Minuten ein Baby mit Trisomie 21 auf die Welt. „Derzeit wird verstärkt das Thema Pränataldiagnostik diskutiert, der vorgeburtliche Test auf das Down-Syndrom soll zur Regeluntersuchung werden", erklärt Kristahn. Die Sorge vieler Verbände und Initiativen: „Dass Eltern sich nicht mehr trauen, ein Down-Kind zu bekommen, aus Angst, ausgegrenzt zu werden." Sorgen, die Vanessa Kristahn verstehen kann, aber als unbegründet zurückweist. „Ich kann sagen, Down bereichert. Aber natürlich muss das jedes Elternpaar für sich entscheiden." Trotzdem müsse es, betont die Bünderin, einen Gegenpol zu der nicht vorhandenen Aufklärung der Gynäkologen geben. „Es gibt in Deutschland zurzeit keine ausgewogene Beratung." Sie warnt davor, einen solchen Test zu verallgemeinern: „Trisomie ist nicht die einzige Behinderung, mit der ein Kind geboren werden kann. Somit schließt der Test nicht automatisch alles andere aus." Vanessa Kristahn selbst hat nicht mit einer Behinderung ihres zweiten Kindes gerechnet und somit keinen Pränatal-Test gemacht. „Auch weil wir nach der Nackenfaltenmessung, die wir bei unserem ältesten Sohn Robin haben machen lassen, Schwierigkeiten hatten." Der heute Sechsjährige sollte laut Messergebnis eine Behinderung haben. „Man hat mir damals prophezeit, dass ich das Kind verlieren werde." Doch Robin ist kerngesund. Pünktlich zum heutigen Welttag hat die Elterninitiative das Video ins Netz gestellt, hat Multiplikatoren angeschrieben und hofft nun, dass es – zumindest in Deutschland – ein Erfolg wird. „Unser Ziel sind aber nicht die absoluten Zahlen", winkt Kristahn ab. Sondern das Aufmerksammachen. „Wir haben uns bewusst für einen deutschsprachigen Song entschieden. Wir möchten, dass sich die Menschen mit dem Down-Syndrom auseinandersetzen und hoffentlich ein positives Bild hängen bleibt." ´ Video: www.trisomie21.net

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