Empfang: Die beiden Vorstände Friedrich-Wilhelm Nagel (Mitte) und Kerstin Hensel begrüßen die Gäste im Foyer des GOP. Foto: Elke Niedringhaus-Haasper - © Elke Niedringhaus-Haasper
Empfang: Die beiden Vorstände Friedrich-Wilhelm Nagel (Mitte) und Kerstin Hensel begrüßen die Gäste im Foyer des GOP. Foto: Elke Niedringhaus-Haasper | © Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen Die Diakonie-Familie feiert

Geburtstagsfeier: 150 geladene Gäste blicken im GOP auf die Gründung des Diakonievereins vor 20 Jahren zurück. Laumann übt Kritik am Herzzentrum

Bad Oeynhausen. Eigentlich ist die Dame schon recht betagt: Denn mit den 90 Jahren, die sie inzwischen auf dem Buckel hat, ist die Diakonie im Kirchenkreis Vlotho nicht mehr die Jüngste. Dass gestern allerdings erst ihr 20. Geburtstag gefeiert wurde, hat einen einfachen Grund: Genau vor zwei Jahrzehnten ließ sich der Wohlfahrtsverband vor Ort ins Vereinsregister eintragen. Was sich seitdem ereignet hat und wohin die Reise in Zukunft gehen soll, das waren die Themen der Festreden. Rund 150 geladene Gäste, darunter Landräte, leitende Mitarbeiter, Kirchenvertreter, Bürgermeister, Landtagsabgeordnete und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, waren in den Oeynhausen-Saal des GOP gekommen, um das Geburtstagskind hochleben zu lassen. Normalerweise findet man sie im Diakonieladen, in der Bahnhofsmission, an der Tafel, in der Flüchtlingsarbeit, am Sterbebett, in der Pflege oder in der Suchtberatung: Die Mitarbeiter der Diakonie. „Selten aber in solchen Räumen wie hier“, weiß Vorstand Kerstin Hensel aus eigener Erfahrung. Und manchmal kennen sich die Mitarbeiter nicht einmal untereinander persönlich. So geht es auch Halina Lehmann: „Einige unserer Kooperationspartner kenne ich nur vom Telefon. Jetzt sehe ich auch mal das passende Gesicht dazu“, sagt die Leiterin der beiden diakonischen Tagespflegen während des Sektempfangs im Foyer. Gefreut über die Einladung hat sich auch Martin Dullweber: „Besonders gespannt bin ich auf Minister Laumann“, verrät der diakonische Presbyter aus Volmerdingsen. Der Minister konnte allerdings erst mit leichter Verspätung zu der Geburtstagsfeier dazu stoßen. Und wäre Kerstin Hensel, die in ihrer Begrüßungsrede die stagnierenden Zuschüsse des Landes als „sinkende Zuschüsse“ kritisiert hatte, nicht so hartnäckig, hätte der Minister den Seitenhieb glatt verpasst. Aber den bekam Laumann zu seiner Begrüßung dann gleich nachgeliefert. Eine Antwort blieb der Christdemokrat dann aber schuldig. Stattdessen sprach der Gesundheitsminister über den Pflegenotstand. „Es sind nicht die finanziellen Mittel, die dafür verantwortlich sind, sondern uns fehlen auf allen Qualifikationsebenen im sozialen Bereich Mitarbeiter“, so der Politiker. Laumann nennt ein Beispiel: „Die Schuld am Ärztemangel trägt unser System. Es gibt bei uns genug junge Menschen, die Medizin studieren wollen, aber wir lassen sie nicht. Stattdessen holen wir Ärzte aus dem Ausland“. Und noch etwas kritisiert der Christdemokrat: „Es geht nicht, dass das Herzzentrum kaum ausbildet. Da muss unbedingt etwas passieren. Denn die Klinik ist nicht so arm, dass sie keine Pflegeschule bezahlen kann. Ich weiß, was für eine Summe sie auf der Sparkasse liegen hat“. Fröhlichere Töne erklangen von dem Ensemble Vinorosso aus Detmold, das die Gäste mit Musik begrüßte, die auch zu Hochzeiten erklingen könnte: Optimistische Brauttänze, Liebeslieder, Klezmerstücke – einfach Weltmusik zum Wohlfühlen. Genauso optimistisch wie ihre Musik war auch vor 20 Jahren die Aufbruchstimmung im neugegründeten diakonischen Verein, erinnert sich Kerstin Hensel. Allerdings: „Sinkende Kirchensteuern und nachlassende Förderungen – so mancher hat unseren Anfang mit großer Skepsis beobachtet“, so die Chefin im Haus. Aller anfänglichen Skepsis zum Trotz entwickelte sich das zarte Pflänzchen prächtig: „Inzwischen hat sich die Mitarbeiterzahl verdreifacht und die Bilanzsummer verachtzehnfacht“, zieht Hensel eine durchaus positive Bilanz. Und lobt das moderne Management: „In unserem zeitgemäßen christlichen Unternehmen werden Frauen genauso wie Männer bezahlt und arbeiten in Führungspositionen. Das gilt auch für Menschen mit Migrationshintergrund“. Eine andere Erfolgsmeldung, die Kerstin Hensel verkündete, ist ein gemeinsames Projekt mit dem Kirchenkreis Herford, der seit Mittwoch zum Diakonischen Werk gehört: „Unser erstes gemeinsames Kind ist die Gründung eines stationären Hospiz in Herford“. Ebenso erfolgreich ist die Zukunftsmusik, die vor Ort gespielt wird: „An der Herman-Löns-Straße entsteht unser Neubau, in dem auch die Tagespflegen untergebracht werden“. Und: „Was besonders schön daran ist: In direkter Nachbarschaft baut der Kirchenkreis einen Kindergarten. So sind alle Generationen an einer Stelle vertreten“.

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