Dienstagmorgen ab 9.30 Uhr gibt's in der Commerzbankfiliale Bad Oeynhausen wieder Bargeld. Die Schäden nach der Automatensprengung sind beseitigt. - © Ulf Hanke
Dienstagmorgen ab 9.30 Uhr gibt's in der Commerzbankfiliale Bad Oeynhausen wieder Bargeld. Die Schäden nach der Automatensprengung sind beseitigt. | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Commerzbank im Visier von Spreng-Dieben

Kunden können heute wieder Bargeld abheben

Bad Oeynhausen (ulf). Die Commerzbank in Bad Oeynhausen öffnet nach der Sprengung und Plünderung des Geldautomaten am Dienstag ab 9.30 Uhr wieder für Kunden. Die Täter sind weiter flüchtig. Sie haben einen Schaden in Höhe von 150.000 Euro zurückgelassen. Ihre Beute macht wohl nur einen Bruchteil davon aus. Die Polizei Minden-Lübbecke hat einen wichtigen Zeugen, der die Explosion am Donnerstagmorgen mitbekommen hat. Eine heiße Spur dagegen fehlt den Ermittlern. Sprengungen von Geldautomaten sind in Nordrhein-Westfalen keine Seltenheit. Die Täter kommen meist dann, wenn keine Kunden mehr in der Nähe sind. Die Sprenungen sind jedoch hochriskant, ihre Wucht ist schwer einzuschätzen. Das wurde erst vergangenes Jahr deutlich. Am 31. März 2018 zerstörten Unbekannte nicht nur einen Geldautomaten der Deutschen Bank in Spenge, sondern auch das historische Fachwerkhaus, in dem die Filiale untergebracht war. Fünf von acht Sprengungen in NRW bei der Commerzbank Im vergangenen Jahr hat das Landeskriminalamt in NRW 108 solcher Automatensprenungen gezählt. 68 mal blieb es bei einem Versuch. Dieses Jahr gab es bisher acht Sprengungen oder versuchte Sprengungen, fünf davon in Filialen der Commerzbank. Täter suchten bisher die Filialen in Mettman (18. Januar), Grevenbroich (29. Januar), Bad Oeynhausen (7. Februar), Essen-Kupferdreh (8. Februar) und Leichlingen (11. Februar) heim. In Bad Oeynhausen hat die Polizei Minden-Lübbecke nach Auskunft von Pressesprecher Thomas Bensch noch "keine heiße Spur" zu den Tätern. Die Fahndung war Donnerstag auch mit Unterstützung eines Hubschraubers erfolglos geblieben. Allerdings hat sich ein "Knallzeuge" bei den Beamten gemeldet und "wertvolle Hinweise gegeben", sagte Bensch. Die Täter waren offenbar mit einem silbernen Audi-Kombi mit hinten getönten Scheiben unterwegs und flüchteten Richtung Bahnhof. Zwei weitere Hinweise aus der Bevölkerung waren offenbar weniger fruchtbar. Details nannte der Polizeisprecher nicht. Bundeskriminalamt vermutet Täter-Netzwerke in den Niederlanden Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in den vergangenen Jahren Ermittlungsergebnisse zusammengetragen und deutschlandweit mehrere Tätergruppen benannt. 2017 wurden 75 Personen als reisende Täter identifiziert. Die meisten kamen aus Großstädten in den Niederlanden wie Amsterdam und Utrecht, stammten aber aus Marokko. Weitere Tätergruppen kamen aus Bulgarien und Polen. Polnische Täter seien aber offenbar aktiver, als es die Zahl der bislang Tatverdächtigen erscheinen lässt, so das BKA. Gemeinsam ist den Tätergruppen, dass sie vor Ort "arbeitsteilig als Mitglieder von Netzwerken mit einem hohen Maß an Professionalität" agierten, schreibt das BKA. Nach der Tat werden "hochmotorisierte Kraftfahrzeuge oder Motorroller" zur Flucht genutzt. Das Landgericht Köln verurteilte im August 2017 zwei Niederländer (22 und 30 Jahre) mit marokkanischem Einwanderungshintergrund zu jeweils fünfeinhalb Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft konnte ihnen mehrere Taten nachweisen, darunter offenbar auch eine versuchte Automatensprengung in der Filiale der Deutschen Bank in Löhne im Juni 2017. Polizei erwischte 2017 einen Spreng-Dieb in Löhne In einer gemeinsamen Aktion mit der niederländischen Polizei hatten Ermittler am 29. Juni 2017 drei Tatverdächtige observiert, die sich an der Alten Bünder Straße am Automaten der Deutschen Bank zu schaffen machten. Die Beamten griffen vor der Sprengung zu, erwischten jedoch nur einen Tatverdächtigen, die anderen flüchteten mit hochmotorisierten Fahrzeugen. Die Polizisten überfuhren dabei offenbar einen rot-weißen Begrenzungspfosten und mussten die Verfolgung abbrechen, weil ihr Fahrzeug beschädigt war. Wenige Monate später, am 9. Mai 2018, wurde derselbe Automat in Löhne allerdings erfolgreich von bisher unbekannten Tätern gesprengt und geplündert. Dabei entstand Schaden in Höhe von 50.000 Euro, die Höhe der Beute ist unbekannt.

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