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Sitzt: Malte Potthast ist sehr zufrieden mit seiner neuen Weste und dem dazu passenden Jackett. - © Katharina Mengel
Sitzt: Malte Potthast ist sehr zufrieden mit seiner neuen Weste und dem dazu passenden Jackett. | © Katharina Mengel

Bad Oeynhausen Ein gebrauchter Traum in Dunkelblau

Konfi-Kleiderbörse: Der Second-Hand-Basar in Bergkirchen ist längst eine Institution. Immer mehr junge Menschen nutzten das Angebot. Neben Kleidung gibt es gratis ein gutes Gewissen

Katharina Mengel
10.02.2019 | Stand 10.02.2019, 17:26 Uhr

Bad Oeynhausen. „Weiß sieht bei mir aus wie Käsemilch und Spucke – das würde meine Oma Anita zumindest zu mir sagen" – ein klares Statement einer 15-Jährigen. Anlass dazu gibt Marie-Luise Rother ein weißes Spitzenkleid, bestickt mit funkelnden Pailletten. Bei der Konfibörse im Gemeindehaus in Bergkirchen tummelten sich am Samstag einige hundert Suchende. Das Angebot ist groß, weiß Regina Clemens, die mit einem 18-köpfigen Team aus Ehrenamtlichen die Organisation der Konfibörse in die Hand nimmt. „In diesem Jahr können wir noch mehr Kleidung anbieten, als in 2018: Rund 120 Anzüge und knapp 200 Kleider warten auf ihren neuen Besitzer", berichtet Clemens. Nicht nur für zukünftige Konfirmanden gibt es hier, was das Herz begehrt – auch für andere Anlässe und in anderen Altersstufen bietet die große Auswahl genügend Optionen. Und so stehen auch schon vor dem offiziellen Einlass die Menschen Schlange vor dem Gemeindehaus. 20 Prozent des Erlöses der Kleidung wird an die Jugendarbeit der Gemeinde gespendet. Kurz bevor die Türen geöffnet werden, heizt Clemens die Besucher schonmal ein: „Selbst wenn es auch mal etwas teurere Kleider und Anzüge bei uns gibt – denkt daran, dass ihr sie im nächsten Jahr bei uns wiederverkaufen könnt. Also probiert ruhig an, was euch gefällt. Der Preis ist übrigens ein Mindestpreis – wir freuen uns über eine weitere Unterstützung der Jugendarbeit." Sollte der eigene Körper nicht ganz so sein, wie der Stoff vorgibt, steht eine Schneiderin vor Ort beratend bereit. Marie-Luise hat direkt vier Kleider in Augenschein genommen. Neben dem Ausschlusskriterium „weiß" darf es auch nicht schwarz sein: „Ich suche hier für meinen Abschluss der 10. Klasse ein Kleid", so die Gesamtschülerin. „Da darf es ruhig bunt werden, ich freue mich ja schließlich und trauere nicht." In die engere Auswahl kommen sowohl bodenlange, als auch kniekurze Kleider. Orange, Rot oder Pink seien aber zu bunt für einen festlichen Anlass. „Zu viel Glitzer und zu hohe Schuhe dürfen es nicht sein – schließlich bin ich ja nicht Jorge González", sagt Marie-Luise mit einem Augenzwinkern. Ein lila gepunktetes und ein rosa gestreiftes Kleid zieht sie auch an, denn „Spaß muss immer sein – und ich verkleide mich auch gerne mal". Mit viel Geduld friemelt die 15-jährige sich die Verschlüsse der Highheels zusammen. Normalerweise trägt sie solche Schuhe nicht: „Darin kann ja auch kein Mensch laufen." Doch farblich passend sind die weißglitzernden Waffen an den Füßen zu dem pinken Kleid. Nach einem langen Anprobe-Marathon kommen in die engere Auswahl zwei sehr ähnliche Kleider: Dunkelblau sind sie, mit Spitze und ein paar Pailletten. So sieht auch das Traumkleid von Marleen Gurschinski aus. Die 18-Jährige vom Herder-Gymnasium in Minden sucht ein Kleid für ihren Abiball im Sommer. Zusammen mit Bruder, Mutter und Oma stöbert sie zwischen den Kleiderständern im Gemeindehaus. „Ganz schön stressig", findet Oma Inge Lindemeier. Sie unterstützt ihre Tochter bei der Beratung der beiden Enkel. Fünf Meter weiter steht Malte Potthast in einem Outfit, vor dem jeder Vertreter anerkennend seinen Hut ziehen würde. Eine schwarze Weste und das passende Jackett stehen dem 17-jährigen, als wäre es direkt für ihn geschneidert worden. „Das ist für Omas 80. Geburtstag", verrät der Schüler aus Rothenuffeln. Die Augen seiner Mutter strahlen – genauso wie die von Karin Post. Ihre Tochter Angelina Bruns hat endlich gefunden, wonach sie gesucht hat: Ein schwarzes kurzes Kleid mit Tüll. „Sie sieht aus wie eine Prinzessin", ist Mutter Angelina stolz. Viele glückliche Gesichter sieht man während der Veranstaltung. Und das ist auch, was die Konfibörse ausmacht, findet Marie-Luise: „Hier sind sehr nette ehrenamtliche Helfer, die ganze Stimmung ist ganz wunderbar. Es hat Spaß gemacht." Wichtig ist ihr, nachhaltig zu kaufen. „Ich liebe Secondhandshopping. Das geht sonst nur in Bielefeld, oder in größeren Städten gut. Deshalb finde ich es toll, dass wir die Börse hier haben. Und es ist wichtig, dass jüngere Menschen weg von dem Konsumkauf kommen – auch wenn es in den großen Ketten günstige Kleidung gibt: Recycling ist wichtig. Kauft umweltbewusst", ist ihr Appell an vor allem die Jugendlichen in ihrem Alter.

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