Mama rocks: Daniela Röfe (l.) mit Sohn Finley (3) auf dem Arm übt die Tanzschritte, die Evgenij Zotov (r.) beim Breakdance "B.O. rocks" in der Turnhalle der Grundschule Altstadt vormacht. - © Ulf Hanke
Mama rocks: Daniela Röfe (l.) mit Sohn Finley (3) auf dem Arm übt die Tanzschritte, die Evgenij Zotov (r.) beim Breakdance "B.O. rocks" in der Turnhalle der Grundschule Altstadt vormacht. | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Straßentänzer entern Turnhalle

Die „Last Action Heroes“ haben die deutsche Breakdance-Szene in die Kurstadt geholt

Ulf Hanke
12.11.2018 | Stand 13.11.2018, 17:33 Uhr

Bad Oeynhausen. Discjockey „Reverse" legt auf und die Herzfrequenz der Tänzer steigt. 120 Schläge pro Minute knallen aus den Lautsprecherboxen. Das Publikum sitzt im Halbkreis vor der Bühne, es riecht nach Männerfuß und Maschinenöl. In der Mitte wirbeln bald die ersten Tänzer ihre Beine durch die Luft, dass die Halle wackelt und die Stimmung kocht. Die „Last Action Heroes" vom Haus der Jugend haben zum Tanz geladen und die deutsche Breakdance-Szene ist Samstag nach Bad Oeynhausen gekommen. Nach einem Jahr Pause haben die Lokalmatadoren der Szene den Breakdance-Battle „B.O. rocks" wieder aufgelegt. Tänzerinnen und Tänzer aus Rotterdam, Köln, Berlin, Marburg, Hannover und ganz Ostwestfalen-Lippe sind in die kleine Turnhalle der Altstadt-Grundschule gekommen. Sie zeigen atemberaubende Artistik, Körperbeherrschung und Taktgefühl. Getanzt wird zu Hiphop, aber mit deutlich härteren Beats. Discjockey „Reverse" mischt einen ganz eigenen Klang. „Hiphop würde ich das nicht nennen", sagt der DJ in einer kurzen Pause, der eigentlich Gerke Wenzel heißt. Ohne den DJ wäre alles nichts. Er entscheidet, wie hart es in der Mitte zur Sache geht. Wie beim Breakdance-Battle üblich, wird gekämpft: Die Künstler tanzen mit- und gegeneinander in einer Arena umringt vom Publikum. Eine Jury entscheidet übers Weiterkommen und über die Trophäen-Vergabe. Das sind übrigens keine schnöden Pokale, sondern Kunstwerke. „Hero" Reza Jaxon hat Kinderkassetten in Epoxidharz gegossen und so einzigartige Trophäen für „B.O. rocks" geschaffen. Gleich am Anfang der Battle treten drei Jungs an, die sich „Die unfassbaren Drei" nennen. Sie kommen aus Herford, Uelzen und Hannover. Ihnen gegenüber steht Pauline aus Rotterdam. Ganz allein. Erst sieht das aus wie ein Versehen. „Wo ist denn deine Crew?", fragt Evgenij Zotov von den „Heroes", der den Battle moderiert. Pauline zuckt nur kurz mit den Schultern. Egal. Da hämmern die 120 Beats pro Minute auch schon aus den Lautsprechern. Mit den Jungs kann sie spielend mithalten. Breakdance ist schon lange keine reine Männersache mehr. Zwar ist bei den Battles der Frauenanteil unter den Zuschauern größer als unter den Tänzern, doch die Frauen holen auf. Der Tanz kommt ursprünglich von der Straße, aus der Bronx, er ist athletisch, kraftvoll und auch aggressiv. Alles Eigenschaften, die vor allem jungen, wütenden Männern zugetraut werden. Es ist aber auch Teil einer geschickten Legendenbildung. Die „Last Action Heroes" tanzen eine familientauglichere Version. Für ihr Showprogramm ziehen sie sich rote Samthemden an, beißen auf langstielige Rosen und spielen mit dem Klischee vom Latin Lover, während sie Salti durch die Lüfte machen. Mindestens genauso ausgefeilt ist das Showprogramm von „Aspire X-treme", den Turnerinnen vom BSV Wulferdingsen. Zwischen den Battles ist Gelegenheit für den Breakdance-Nachwuchs, sich ein paar Tricks von den Großen abzuschauen. Links und rechts neben dem Publikum bilden sich schnell kleine Arenen, wo die Profis mit den Amateuren neue „Moves" und Mätzchen proben. Und in einer kurzen Pause zeigen die „Heroes" dann auch dem ganz und gar Breakdance-unerfahrenem, aber tanzwütigen Publikum wie’s geht.

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