Geschafft: Der letzte der vier vermeintlich Verletzten ist geborgen. Aufwendig mussten die Feuerwehrleute ihn aus dem auf der Seite liegenden Corsa schneiden. Gleich wird er sich aber grinsend und eindeutig wohlbehalten von seiner Trage erheben. - © Jörg Stuke
Geschafft: Der letzte der vier vermeintlich Verletzten ist geborgen. Aufwendig mussten die Feuerwehrleute ihn aus dem auf der Seite liegenden Corsa schneiden. Gleich wird er sich aber grinsend und eindeutig wohlbehalten von seiner Trage erheben. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Großalarm im Autobahntunnel

Nordumgehung: 80 Feuerwehrleute üben im Hahnenkamptunnel für den Ernstfall. Die Einsatzkräfte treffen erst nach 30 Minuten am Übungsort ein, können dann aber vier „Verletzte“ souverän bergen und versorgen

Jörg Stuke

Bad Oeynhausen. Die Stimme hat etwas Körperloses, beinahe Himmlisches. Die Botschaft, die sie verkündet, ist aber sehr irdisch: „Achtung!" echot es aus den Lautsprechern des Hahnenkamptunnels. „Brand! Lebensgefahr! Verlassen Sie den Tunnel". Die Menschen im Tunnel folgen dieser Aufforderung nicht. Denn sie haben die erste große Feuerwehrübung im Tunnel der Nordumgehung organisiert. Eine Pflichtübung, wie Arsala Amin-Arsalla von Straßen NRW Hamm erklärt. „Bevor solch ein Autobahntunnel für den Verkehr freigegeben wird, ist eine Vollübung mit der Feuerwehr vorgeschrieben," sagt er. Danach sind solche Übungen alle vier Jahre notwendig.Verzögerung durch Ernstfall Vor der Premiere im Nordumgehungstunnel ist aber erstmal Warten angesagt. Um 17.30 Uhr wäre alles bereit. Zwei alte Autos wurden an Ort und Stelle in die Weströhre des Tunnels bugsiert, der kleine Corsa gar auf die Seite gerollt. Die vier Hobby-Schauspieler, die die Verletzten darstellen, wurden mit malerischen Schminkwunden versehen und in und an den Autos platziert. Doch bevor die Übung beginnen kann, muss erst der Ernstfall erledigt sein. Denn im Weserauentunnel in Minden hat es gerade wirklich gekracht. „Unfall mit Verletzten. Darum muss sich die Tunnelleitstelle in Hamm erstmal kümmern", sagt Straßen-NRW-Sprecher Sven Johanning. 18.35 Uhr: Eine gute Stunde später als geplant greift Organisator Amin-Arsalla zum Handy und ruft auf der Leitstelle der Feuerwehr in Bad Oeynhausen an. „Dies ist eine Übung" verkündet er zuerst. Gleich drei Mal. Zumindest der Koordinator der Leitstelle soll wissen, was hier gespielt wird. Neuer Übungsort: Ankunft erst nach 30 Minuten Für die übrigen Feuerwehrleute aber soll es so aussehen, als gehe es um einen richtigen Einsatz. Amin-Arsalla erklärt das Szenario: Zwei Autos sind ineinander gefahren. Rauch steigt auf. „Sieht schlimm aus", sagt er. Die Feuerwehr-Leitstelle alarmiert die Löschzüge Mitte und Nord, 80 Feuerwehrleute machen sich auf den Weg Die Einsatzleitung steuert erst den Leitstand auf dem Tunneldach an, macht sich ein Bild über die Monitore. Dann wird entschieden: Die Rettungskräfte rücken von Norden an. Es dauert aber gute 30 Minuten, bis die ersten Fahrzeuge am Tunnelportal ankommen. „Das ist sicher auch der Achtung vor dem Objekt geschuldet", sagt Feuerwehrchef Falk Ueckermann. Der Tunnel ist eng, verraucht durch Theaternebel und als Übungsort eben auch neu. "Es gibt immer Luft nach oben" Dann geht es flott weiter. Ruckzuck ist der große Lüfter angeworfen, der die Rauchschwaden aus dem Tunnel fegt. Der vermeintliche Brand wird rasch gelöscht, die Verletzten geborgen und versorgt. „Alle Herausforderungen gemeistert", urteilt Ueckermann um 20.05 Uhr„Aber es gibt immer Luft nach oben", sagt sein Stellvertreter Stefan Meier. Und kündigt an: „Das werden wir nun genau analysieren."

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