Unruhige Zeiten: Musikschule der Stadt. Foto: Jörg Stuke - © Jörg Stuke
Unruhige Zeiten: Musikschule der Stadt. Foto: Jörg Stuke | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Verärgerte Kunden spielen nicht mehr mit

Städtische Musikschule: Einrichtung sagt kurzfristig Unterricht ab und begründet das mit Einsparmaßnahme der Stadt. Eltern kündigen. Die Verwaltungsspitze sieht die Verantwortung für das Chaos bei der Musikschulleiterin

Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen. Für vertragsbrüchig hält Axel Grabowski die städtische Musikschule. Er wird vom Sekretariat der Einrichtung am Mittwoch um 15 Uhr telefonisch davon in Kenntnis gesetzt, dass der Einzelunterricht für seine 17-jährige Tochter, der um 17 Uhr beginnen soll, ersatzlos ausfalle. Wenig später teilt die Lehrerin ihrer Schülerin via Whats-App mit, dass ihr Honorarvertrag am Vormittag nicht verlängert worden sei und sie somit den Querflöten-Unterricht einzustellen habe. Die NW hatte gestern exklusiv vermeldet, dass die Stadt zehn Honorarkräfte nicht mehr benötige, weil man im Rathaus davon ausgehe, dass die 17 festangstellen Mitarbeiter nicht ausgelastet seien. Grabowski ist seit zehn Jahren Kunde der städtischen Musikschule und seit Mittwoch stocksauer. Den Vertrag mit der Musikschule hat er umgehend gekündigt. „Das ist ein starkes Stück“, sagt er und ergänzt mit Blick auf den Umgang mit den Honorarkräften: „Da ist man bei jeder Zeitarbeitsfirma besser aufgehoben.“ Ob sein Sohn (13), der in der Musikschule noch Keyboard lernt, weiter macht, hat die Familie noch nicht entschieden: „Uns fehlen schlicht verlässliche Informationen“, sagt Grabowski. Diese Situation teilt er nach NW-Informationen mit bis zu 50 weiteren Kunden, die ähnliche Anrufe erhalten haben. "Personal- und Honorarmittel dürfen nicht gekürzt werden" Wie die Organisation des Unterrichts sich stabilisieren soll, erscheint unklar, denn die Leiterin der Musikschule, Beate von Rüdiger, habe eine Verwaltungsanweisung „missverständlich umgesetzt“, teilt Stadtsprecherin Kerstin Vornheder auf Anfrage mit. „Das war eine Ad-hoc-Aktion, die sich nicht wiederholen wird.“ Gemeint ist, dass von Rüdiger zehn Honorarkräften die Verlängerung ihrer Verträge verweigert habe. Das sei aber Aufgabe der städtischen Personalabteilung und falle nicht in die Zuständigkeit der Musikschulleitung, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt betont, dass es zwar Umstellungen im Personaltableau, aber keine Reduzierungen und Einsparungen gegeben habe. So sei eine Honorarkraft nun tariflich beschäftigt, weil eine Lehrkraft ausgeschieden sei und nun ihren Ruhestand genieße. Der Beigeordnete für Bürgerdienste, Stefan Tödtmann, lässt auf Anfrage mitteilen, dass man sich mit der personellen und finanziellen Ausstattung der Musikschule auf Grundlage des Kulturausschuss-Beschlusses befinde, der ausdrücklich besagt, dass die Stadt die Personal- und Honorarmittel der Musikschule nicht kürzen dürfe. Forderung: Fest angestellte Lehrer besser einsetzen Die Verwaltungsspitze fordert von der Musikschulleiterin, die 17 festangestellten Lehrkräfte, die sich zwölf Vollzeitstellen teilen, so einzusetzen, dass sie ihre Kontingente (33 Stunden pro Woche plus Fahr – und Rüstzeiten) auch tatsächlich leisteten. Nach NW-Informationen kommt es vor, dass festangestellte Lehrer nicht einmal ein Drittel dieser Stunden tatsächlich unterrichten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Musikschullehrer Spezialisten sind und nicht alle Instrumente gleich stark nachgefragt werden. Um die verworrene Situation zu entspannen und weiteren Unterrichtsausfall zu verhindern, habe die Stadt gestern fünf der zehn Honorarkräfte „zurück geholt.“

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