Elektrisch unterwegs: Mit einem E-Auto kamen Stefan Schwartze (v. l.), Angela Lück und Christian Dahm am Donnerstag auf ihrer Sommertour nach Bad Oeynhausen. Dort informierte Thorsten Jungeblut (2.v.r.) die Abgeordneten sowie Bürgermeister Achim Wilmsmeier und Olaf Winkelmann über die Pläne für selbstfahrende Busse. - © Jörg Stuke
Elektrisch unterwegs: Mit einem E-Auto kamen Stefan Schwartze (v. l.), Angela Lück und Christian Dahm am Donnerstag auf ihrer Sommertour nach Bad Oeynhausen. Dort informierte Thorsten Jungeblut (2.v.r.) die Abgeordneten sowie Bürgermeister Achim Wilmsmeier und Olaf Winkelmann über die Pläne für selbstfahrende Busse. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Pilotprojekt mit Bussen ohne Fahrer

Regionale 2022: Thorsten Jungeblut von der Universität Bielefeld stellt den SPD-Abgeordneten auf ihrer Sommertour die Idee für „autonomes Fahren im ÖPNV“ für Bad Oeynhausen, Löhne und Vlotho vor

Jörg Stuke

Bad Oeynhausen. Langsam. Ganz langsam soll das Projekt „Autonomes Fahren im Öffentlichen Personennahverkehr“ starten. Mit bescheidenen 20 Stundenkilometern sollen die fahrerlosen Busse womöglich schon ab Ende nächsten Jahres auf kurzen Versuchsstrecken in Bad Oeynhausen und Löhne unterwegs sein. Und sich dann – auch langsam – zu einem größeren Verbindungsnetz mit selbstständig fahrenden Fahrzeugen entwickeln. Voraussetzung ist aber, dass diese „Projektidee“ auch in das Förderprogramm der „Regionale 2022“ aufgenommen wird, wie Thorsten Jungeblut am Donnerstag den heimischen SPD-Abgeordneten aus Landtag und Bundestag erklärte. Der Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze und die Landtagsabgeordneten Angela Lück und Christian Dahm waren in dieser Woche mit E-Bikes, Bus und Bahn und einem Elektroauto in ihrem Wahlkreis auf „Sommertour“. "Technik ist bald besser als der Mensch" In Bad Oeynhausen ließen sie sich von Jungblut berichten, was die Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV), die Uni Bielefeld und der Fahrzeugzulieferer Hella aus Lippstadt im unteren Werretal planen. In vier Phasen soll ein System von Kleinbussen ohne Fahrer zunächst in Bad Oeynhausen und Löhne, später auch unter Einbeziehung von Vlotho installiert werden. „Ziel ist, einen bedarfsgerechten Öffentlichen Personennahverkehr auch im eher ländlichen Raum anzubieten“, sagte Jungeblut. Für Fahrten etwa zum Einkaufen oder zum Bahnhof. Das Problem bei konventionellen Angeboten, etwa dem Taxibus, seien aber die Kosten, die nicht zuletzt auch durch den Einsatz der Fahrer entstehen. Autonom fahrende Fahrzeuge aber kommen eben ohne Fahrer aus. Mit ihnen ließen sich die Kosten letztlich auf ein Drittel reduzieren, sagte Jungeblut. „Solche Fahrzeuge gibt es schon. Die wollen wir nicht selbst entwickeln“, sagte Jungeblut. Die Technik sei gut. „Und es dauert nicht mehr lange, dann ist sie besser als der Mensch“, ist der promovierte Ingenieur überzeugt. Ähnliche Projekte mit autonomen Kleinbussen gebe es auch schon, allerdings eher in kleinem, behüteten Rahmen, etwa auf dem Klinikgelände der Charité in Berlin oder dem Frankfurter Flughafen. In vier Phasen zum autonomen Fahren Und bescheiden mutet auch Junge-bluts Streckenplanung in Phase 1 an. In Bad Oeynhausen soll ein selbstfahrender Bus zunächst die Bahnhöfe Nord und Süd miteinander verbinden, in Löhne soll ein Fahrzeug zwischen Bahnhof und Rathaus pendeln. Die Fahrzeuge würden hier mit höchstens 20 Stundenkilometern unterwegs sein, stellte der Ingenieur in Aussicht. Diese Phase könnte laut Jungebluts Zeitplan Ende 2019 beginnen. In Phase 2 soll dann eine rund acht Kilometer lange Busverbindung zwischen Bad Oeynhausen und Löhne geschaffen werden. „Das wäre dann schon eine etwas größere Herausforderung“, so Thorsten Jungeblut. Auch, weil hier schon mindestens 50 Stundenkilometer erreicht werden müssten. In Phase 3, geplant ab Ende 2020, sollen dann diese Verbindungen von einem festen Fahrplan auf ein Bedarfssystem, etwa wie beim Taxibus, umgestellt werden. In Phase 4, ab 2022, sollen dann zwei weitere Strecken nach Vlotho eingerichtet werden, eine von Löhne, eine von Bad Oeynhausen. Förderbedard: Fünf bis zehn Millionen Euro „Aber das ist bislang nur eine Projektskizze“, betonte Junge-blut. Man habe diese Skizze bei der Regionale 2022, einem vom Land aufgelegten Förderprogramm für OWL, eingereicht, aber noch keine Förderzusage bekommen. Er gehe von einem Förderbedarf zwischen fünf und zehn Millionen Euro aus. Da es ja darum gehe, gerade auch Ältere und Menschen mit Behinderungen Mobilität zu verschaffen, verdiene das Projekt auch Förderung, sagte Stefan Schwartze. Und Angela Lück bekannte: „Ich hätte vermutlich Hemmungen, in einen Bus einzusteigen, in dem kein Mensch mehr ist.“ Jungeblut erläuterte, dass in der Anfangsphase die Fahrzeuge zwar selbstständig fahren, aber noch ein Mensch dabei sei. „Einer, der auf den Notausknopf drücken könnte.“ Spätestens 2025 sollten die Busse dieses Pilotprojektes dann ohne Piloten auskommen.

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