Zufrieden: Michael Forke (v.l.) hat sich von Etienne Arnaud Poumbock eine neue Ganz-Bein-Orthese anfertigen lassen und dazu natürlich vorher einen Gipsabdruck des Beines gemacht. Gute Arbeit lobt Ralf Torunski, Leiter der Technischen Orthopädie. - © Heidi Froreich
Zufrieden: Michael Forke (v.l.) hat sich von Etienne Arnaud Poumbock eine neue Ganz-Bein-Orthese anfertigen lassen und dazu natürlich vorher einen Gipsabdruck des Beines gemacht. Gute Arbeit lobt Ralf Torunski, Leiter der Technischen Orthopädie. | © Heidi Froreich

Bad Oeynhausen Sanitätshaus: Junger Afrikaner schließt Ausbildung ab

Etienne Arnaud Poumbock aus Kamerun hat im Sanitätshaus der Auguste-Viktoria-Klinik eine Ausbildung zum Orthopädietechnikmechaniker absolviert

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Die Prüfer haben seine Arbeit mit „sehr gut" beurteilt. Mindestens ebenso wichtig ist Etienne Arnaud Poumbock aber das Urteil seines Patienten Michael Focke: „Die Orthese passt wie angegossen". Beides ist für den 29-jährigen der beste Beweis: „Meine Anstrengungen haben sich gelohnt". Poumbock hat seine Heimat Kamerun verlassen und in Bad Oeynhausen nicht nur perfekt Deutsch gelernt, sondern auch eine dreijährige Ausbildung zum Orthopädietechnikmechaniker erfolgreich absolviert. „Ich wollte sehen, wie Behinderten geholfen wird" Private Kontakte waren es, die ihn 2014 nach Bad Oeynhausen geführt haben. Annika Huneke, Tochter des Superintendenten Andreas Huneke, hatte ein freiwilliges soziales Jahr in Poumbocks Heimatstadt Baham-Kamekun absolviert und dabei auch in dem von Poumbocks Eltern gegründetem Heim für elternlose und geistig behinderte Kinder gearbeitet. Natürlich berichtete sie damals auch über den Wittekindshof in ihrer eigenen Heimatstadt – und weckte in Poumbock Neugier. „Ich wollte sehen, wie Behinderten geholfen wird". Er beginnt Deutsch zu lernen und reist im Sommer 2014 nach Bad Oeynhausen. Auch er macht ein Freiwilliges Soziales Jahr – im Wittekindshof. Und weil er nicht nur den Umgang mit Geistig Behinderten lernen will, nimmt er das Angebot an, ein dreimonatiges Praktikum in der Werkstatt der Technischen Orthopädie der Auguste-Viktoria-Klinik zu absolvieren. Dort lernt er auch einen Patienten kennen, der nach einer ganz hohen Bein-Amputation eine spezielle Prothese erhalten hat, mit der er nun wieder laufen kann. „Der bleibt mir ewig in Erinnerung", sagt Poumbock. Weil er sich anschließend für eine Ausbildung zum Orthopädietechnikmechaniker entscheidet. „Ehrgeizig, intelligent, motiviert" „Ehrgeizig, intelligent, motiviert", beschreibt Ralf Torunski wesentliche Eigenschaften, die er an Poumbock während des Praktikums kennengelernt hat. Und die ihn dazu bewegen, dem jungen Mann – als bislang erstem Afrikaner – einen Ausbildungsplatz anzubieten. Drei Jahre später ist er mit seiner Entscheidung noch immer rundum zufrieden, bescheinigt seinem Auszubildenden darüber hinaus großes technisches Geschick und „einfühlsamen Umgang mit Patienten" – weitere wichtige Voraussetzungen für den Beruf. Sprachliche Verständigungsschwierigkeiten habe es auch nie gegeben, selbst die lateinischen Fachbezeichnungen habe sein Azubi in kürzester Zeit gelernt. In Deutschland für die Heimat lernen Der kennt mittlerweile auch deutsche Redensarten und kommentiert seine Ausbildungszeit lächelnd mit den Worten „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg". Und dass er hier alles lernen will, um später Behinderten in seiner Heimat ein Stück Lebensqualität zu schenken, steht für ihn außer Frage. „In Kamerun gibt es nur schwere Stützen aus Stahl, mit denen man kaum längere Strecken gehen kann", sagt er. Ganz anders sein Gesellenstück: Die schwarze Ganz-Bein-Orthese ist aus Karbon, wiegt nicht einmal zwei Kilogramm, fixiert zwar das Sprunggelenk, lässt aber Kniebewegungen zu. „Individuelle Maßanfertigung" nennt Torunski einen weiteren wesentlichen Aspekt deutscher Wertarbeit. Auf der Suche nach einem Arbeitsplatz 35 Stunden hat Poumbock in die Orthese investiert – von der Michael Focke nun profitiert. Der 47-jährige Bauingenieur aus Espelkamp hatte 2010 einen schweren Arbeitsunfall, Sprunggelenk und Knie sind dauerhaft geschädigt, beim Gehen ist er immer auf Hilfsmittel angewiesen. Dennoch ist Focke ohne Gehstützen in seinen Beruf zurückgekehrt, er kann auch sein Hobby, die Reiterei, wieder ausüben – weil er eine Ganz-Bein-Orthese trägt. Poumbock hat ihn jetzt mit seinem vierten Hilfsmittel versorgt. Focke: „Das ist meine Beste." Eine weitere Orthese wird er von ihm nicht bekommen. Poumbock verlässt die AVK-Werkstatt mit seinem Gesellenbrief, sucht nach einem neuen Arbeitsplatz. Und hat dann schon feste Pläne für die Zukunft: „Ich kehre nach Kamerun zurück, um dort Kranken zu helfen". Mit deutscher Wertarbeit.

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