Volles Haus: Autorin Carla Berling wird von Eveline Taut und NW-Lokalchef Thorsten Gödecker eingerahmt. - © bb
Volles Haus: Autorin Carla Berling wird von Eveline Taut und NW-Lokalchef Thorsten Gödecker eingerahmt. | © bb

Bad Oeynhausen Eine Mordstour durch Rehme

Exklusiver Abend: Der Heimatverein Rehme und die NW hatten zu einer Lesung mit Carla Berling geladen. Gleich zwei Mal war die „Mordstour mit Schluck und Stulle“ ausgebucht

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Eigentlich wirkt es ganz idyllisch, dieses Rehme. Zumindest, als sich Carla Berling mit ihren Lesern auf Spurensuche an den Schauplätzen ihrer Krimis macht. Und doch ist da sicherlich so manche Fassade, hinter der sich Abgründe auftun, Geheimnisse gehütet werden. Wie in Carla Berlings zweitem Bad Oeynhausen Krimi „Königstöchter". Der ist gerade in Neuauflage im Heyne-Verlag erschienen und wurde von Berling, die in Bad Oeynhausen als Peggy Wehmeier bekannt ist, bei der Premierenlesung im Rehmer Heimathaus vorgestellt. Zwei Mal ausverkauftes Haus – damit war die „Mordstour mit Schluck und Stulle" vom Rehmer Heimatverein in Kooperation mit der NW ein voller Erfolg. Gleich drei verschiedene Tatorte hatte Carla Berling im Blick als sie am Donnerstag- und Freitagabend mit ihrer Besucherschar durch Rehme zog. Den Auftakt gab’s im Heimathaus, wo Carla Berling dann auch gleich gestand, dass mit diesem Abend ein großer Wunsch in Erfüllung ging: die Lesung in der alten Heimat. „Wir haben früher drei Straßen weiter gewohnt", erzählte sie. Und den Schauplatz Rehme und Bad Oeynhausen habe sie nur deshalb gewählt, weil sie in Köln so fürchterliches Heimweh habe. „Ich habe in meinen Büchern vieles aufgearbeitet", sagte sie lachend. NW-Redaktionsleiter Thorsten Gödecker wünschte den Gästen beim Zuhören genauso viel Spannung, wie er sie beim Lesen hatte. „Das möchte ich als Lokaljournalist nicht erleben, was die Protagonistin in dem Buch erlebt", gab er zu. Die Spannung dürfte gelungen sein. Denn Carla Berling legte bei der Lesung eine beeindruckende Professionalität an den Tag. „Das ist das erste Mal, das ich aus Königstöchter lese", erklärte sie. Es ist das Buch, das den Durchbruch brachte. Als E-Book verkaufte es sich im Eigenverlag 45.000 Mal in sechs Wochen – und machte den Heyne-Verlag auf die Autorin aufmerksam. Derzeit sei Band fünf, „Pechmaries Rache", im Lektorat und solle im kommenden Jahr erscheinen. Entstanden ist mit „Königstöchter" ein Streifzug durch Bad Oeynhausen, durch die Geschichte der Stadt. Es ist ein Krimi, der aber auch tiefe Einblicke in die ostwestfälische Seele gibt. Zum Beispiel, wenn die beiden alten Tanten im tiefsten Ostwestfälisch anfangen zu „schwadronieren". Sätze, die für Ortsfremde erst einmal gewöhnungsbedürftig klingen, Einheimische schmunzeln lassen. Eine Geschichte von Freundschaft und Abhängigkeit Die Geschichte um die „Königstöchter" ist eine Geschichte von Freundschaft, von Abhängigkeit, von unvorstellbaren Taten. Vier alte Damen kennen sich seit Kindertagen. Zwei von ihnen kommen innerhalb kurzer Zeit auf entsetzliche Weise um. Reporterin Ira Wittekind findet heraus, dass sie durch ein grauenvolles Geheimnis untrennbar verbunden waren. Stück für Stück rollt sie Ereignisse aus der Vergangenheit auf und bringt Licht in eine unfassbare Tragödie, deren Folgen bis in die Gegenwart reichen. Und dann: Der dritte Mord. Die Polizei tappt im Dunklen, der Mörder läuft frei herum. Ira ermittelt auf eigene Faust weiter. Alle Fäden scheinen in der Stiftung Morgenstern zusammenzulaufen, und dort entdeckt sie hinter dem Geheimnis der Frauen ein noch viel schlimmeres Drama. Station Nummer zwei für die „Mordstour" war an den vergangenen Abenden der Hof Körtner in Rehme – Vorbild für Carla Berlings Hof Eskendor. Dabei kam der Eigentümer des Hofes, Rolf Körtner, erstmals in den Genuss eines Berling Krimis: „Ich wusste, dass unser Hof Vorbild war", sagt er. „Aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher keinen ihrer Krimis gelesen habe." Das soll sich ändern. Denn Körtners wurden später am Büchertisch von Scherer fündig. Auch wenn der ehemalige Bauernhof Schauplatz für Schauriges ist: „Das macht mir keine Angst", sagte Körtner lachend. Mit einer tollen Illumination wartete die Kirche auf: In blaues und warmes weißes Licht getaucht, entführte die gebürtige Rehmerin die Rehmer nach – Rehme. „Diese Passage habe ich ganz speziell für diese Lesung", betonte die Autorin. Und ließ die Rehmer in Erinnerungen an die Zeit vor 40 Jahren schwelgen. Ganz am Ende stand noch einmal das Heimathaus. Und dann natürlich die vorbereiteten Schmalzbrote- Mit Gurken. Und Rehmer Braken. Und mittendrin Carla Berling, die fleißig Bücher signierte.

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