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Vielfältig: Etliche der an der Ausstellung beteiligten 76 Künstler waren zur Eröffnung in das Märchenmuseum gekommen. Die Foto: Elke Niedringhaus-Haasper - © Elke Niedringhaus-Haasper
Vielfältig: Etliche der an der Ausstellung beteiligten 76 Künstler waren zur Eröffnung in das Märchenmuseum gekommen. Die Foto: Elke Niedringhaus-Haasper | © Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen Wenn Kunst Grenzen überwindet

Ausstellungseröffnung: Noch bis September wird im Märchenmuseum die Werkschau „In einem fernen, fernen Land“ von 76 Künstlern aus vielen Teilen der Welt gezeigt

Elke Niedringhaus-Haasper
02.05.2018 | Stand 02.05.2018, 10:44 Uhr
Sorgt für die richtige Stimmung: Jo Kaufmann mit seinem Akkordeon. Foto: Elke Niedringhaus-Haasper - © Elke Niedringhaus-Haasper
Sorgt für die richtige Stimmung: Jo Kaufmann mit seinem Akkordeon. Foto: Elke Niedringhaus-Haasper | © Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Ein Geist, der viel lieber ein Mensch wäre. Ein Kranker, der von obskuren Eseln mit Schmetterlingsflügeln träumt. Und Himmelskörper, die in der Dunkelheit verschluckt werden um in der Morgendämmerung neu geboren zu werden: Die Ausstellung mit dem märchenhaften Titel „In einem fernen, fernen Land", die die aus Bad Oeynhausen stammenden Künstlerin Katja Rosenberg von London nach Bad Oeynhausen ins Märchenmuseum geholt hat, ist in vielfacher Hinsicht außergewöhnlich.

Am Sonntag wurde die Werkschau – Auftakt zu der Veranstaltungsreihe „Öffne das Fenster" - unter großem Publikumsinteresse eröffnet.

Außergewöhnlich ist allein die Anzahl der beteiligten Künstler und Künstlerinnen: 76 an der Zahl aus allen Teilen der Welt von Simbabwe über Mali bis Norwegen - darunter auch Vertreter aus Bad Oeynhausen: Das Künstlerpaar Rosemarie und Bernhard Sprute, Annelene Schulte, Astrid Mulch, Jitka Kremer und Philomena Höltkemeier. Kein Wunder, dass nicht alle Arbeiten ins Märchenmuseum passen, obgleich der Flur in die Ausstellungsfläche mit einbezogen wurde. Die Lösung des Problems: Ein Teil der Kunstwerke wird in den Schaufenstern des ehemaligen Modegeschäftes von Ilse lang in der Paul-Baehr-Straße, gezeigt.

Außergewöhnlich ist auch die schier unerschöpfliche Bandbreite moderner Kunst: Handsiebdrucke, Comicstrips, Keramiken aus Beton, Münzen und Acryl, Siebdrucke und Monotypien, Aquarelle, Zeichnungen, Skulpturen, Collagen, Lasergravuren, Mischtechniken, Ölgemälde, Papierarbeiten, Digitaldrucke, Lithografien, Buchdrucke, Tintenstrahldrucke, Tuschezeichnungen, Papiermasken, Filmanimationen, farbige Glasarbeiten, Malereien, Radierungen, Plastiken, Gouache Malereien, digitale Fotodrucke, gewebte Baumwollarbeiten, Linolschnitte, Holzarbeiten, Gedichte, Hölzerne Stickrahmen, Stoffapplikationen und sogar Porzellan.

Darauf, dass die Ausstellung inhaltlich ein Gegengewicht zu den in Vergessenheit geratenen Völkern aus Krisengebieten setzen will, ging Helke Nolte-Ernsting in ihrer Begrüßungsrede ein: „Andere Länder haben es lange nicht so gut wie wir, die wir seit über 70 Jahren in Frieden leben dürfen", so die stellvertretende Bürgermeisterin. Für Hanna Dose sind es vor allem die Vorbilder, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen aus diesen Ländern, die den Reiz der Ausstellung ausmachen. „Hier wird die Frage nach der Urerfahrung der Menschen, nach ihren Träumen und Sehnsüchten gestellt. Und das hat nichts von seiner Aktualität verloren", so die Museumsleiterin.

Dass Teppichweber Geschichtenerzähler sein können, zeigt die iranische Künstlerin Afsoon: Dann, wenn sie mit jedem Knoten ein neues Stichwort geben und sich dabei jedes Mal eine neue Tür öffnet. „Meine Teppiche erzählen Geschichten von Kindern, die mit richtigen Gewehren spielen, von Königen, die ihre Macht durch Kriege vermehren wollen, von Führern, die junge Männer und Frauen in den Tod schicken, von der Hilflosigkeit der Massen, die warten, dass Frieden auf ihrem Stückchen Land herrscht. Aber, wie ein jedweder Weber, habe ich mich bemüht, meine Geschichten zu erzählen während ich einen glücklichen und schönen Teppich knüpfe", sagt Afsoon über ihre Arbeiten.

Oder die Siebdrucke und Monotypien der britischen Künstlerin Lynne Blackburn, die sich unter dem Titel „Landschaften im mittleren Osten" auf Berichte der Bombardierungen und der Zerstörung der Häuser im kriegszerrissenen Syrien beziehen - Ansichten zusammengebrochener Gebäude, die ihr Inneres zeigen und dabei die Geschichten der Menschen, die dort wohnten, erzählen. Aber auch die Buchfaltkunst ihrer deutschen Kollegin Birgit Rosendahl unter dem geheimnisvollen Titel „Die Ratte, die sich fledermauste" – angelehnt an ein südafrikanisches Märchen, das mehr Respekt vor dem Alter fordert.

Die grenzübergreifende Ausstellung kann noch bis zum 16. September im Märchenmuseum besichtigt werden: Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr

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