Telefonat mit Joker: Moderator Rainer Schmidt spricht mit dem Olympioniken Sebastian Dietz, während der sportliche Leiter des BSG Frank Recker das Telefon hält und Hans Milberg Fragen stellt. - © Ulf Hanke
Telefonat mit Joker: Moderator Rainer Schmidt spricht mit dem Olympioniken Sebastian Dietz, während der sportliche Leiter des BSG Frank Recker das Telefon hält und Hans Milberg Fragen stellt. | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Geburtstag mit Telefonjoker

Die BSG Bad Oeynhausen feierte ihren 60. Geburtstag. Sebastian Dietz wurde über Bildtelefon zugeschaltet und zum „Sportler des Jahres“ gekürt

Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. Der Moderator, Olympiasieger, evangelische Pfarrer und Kabarettist Rainer Schmidt führte sein Publikum bei der Festveranstaltung zum 60. Bestehen der BSG Bad Oeynhausen zwei Stunden lang kurzweilig und sehr flexibel durch ein Programm aus Grußworten, Lobreden, Ehrungen und einer größeren Panne: Der Verein „Bewegung, Sport, Gesundheit" feierte Samstagabend seinen 60. Geburtstag in der Wandelhalle. Das womöglich bekannteste BSG-Mitglied, der Doppelolympiasieger Sebastian Dietz und sein Trainer Alexander Holstein, wurden aus dem Trainingslager in Lanzarote übers Bildtelefon zugeschaltet. Die Verbindung hakte jedoch beträchtlich, minutenlang versuchte Hans Milberg, der Stadtsportverbandsvorsitzende, vergeblich mit dem überlebensgroßen Dietz auf der Kinoleinwand in der Wandelhalle Kontakt aufzunehmen. Doch der Ton funktionierte nicht, Dietz blieb stumm. Eigentlich sollte der Ausnahmeathlet zu Bad Oeynhausens „Sportler des Jahres" gekürt werden.Frank Recker, der sportliche Leiter des BSG, zückte schließlich kurzentschlossen sein Handy und rief den Sportler an. Das war der erste Telefonjoker des Abends. Weil das Publikum jedoch das Gespräch nicht hören konnte, brauchte es ein Mikrofon. Also kam der zweite Telefonjoker ins Spiel: Moderator Rainer Schmidt hielt sein Mikrofon, das an seinem Kopf befestigt war, an Reckers Handy, damit der Saal mithören konnte. Hans Milberg wiederum sprach seine Fragen an Dietz („Wie ist das Wetter auf Lanzarote?") direkt in Reckers Telefon. Das war der unfreiwillig komischste Höhepunkt des Abends: drei Männer am Telefon. Zuvor hatten Bürgermeister Achim Wilmsmeier („Die BSG ist ein wichtiger Bestandteil unserer Stadtgesellschaft") und Lars Wiesel-Bauer, der Geschäftsführer des Behinderten- und Rehasportverbandes NRW, Lobreden auf die BSG gehalten. Der Verein war am 26. März 1958 von 16 kriegsversehrten Männern gegründet worden. Aus dem Versehrtenverein ist inzwischen mit mehr als 2.000 Mitgliedern Bad Oeynhausens größter Verein geworden, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen Sport treiben. Der Verein macht damit schon ziemlich lange das, was neudeutsch „Inklusion" genannt wird. Längst ist die BSG auch im Leistungssport verwurzelt. Im vergangenen Jahr ist Bad Oeynhausen als paralympischer Landesleistungsstützpunkt anerkannt worden. Für den Moderator Rainer Schmidt war das der Beleg dafür, dass es im Sport eigentlich keine Behinderungen gibt. Schmidt, der ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel geboren wurde, erzählte von seinem olympischen Moment, als er in Barcelona 1992 im Tischtennis-Finale den Matchball zur Goldmedaille verwandelte. Direkt danach habe jemand wissen wollen, wie er denn dabei mit seiner Behinderung umgegangen sei. Seine Antwort war damals ein verständnisloses: „Hä? Ich habe gerade Gold gewonnen!" Im Sport, erklärte Rainer Schmidt den Festbesuchern, gebe es nur Menschen mit besonderen Talenten. Zum Vergleich fragte er im Publikum nach Tischtennisspielern – mit langen Armen. Einer meldete sich, er spielte Kreisklasse. Schmidt darauf mit entwaffnender Unverschämtheit: „Und das nennen sie Tischtennis?" Den Schlussakkord der Vereinsgeburtstagsfeier setzte der BSG-Vorsitzende Holger Diekmann. Er zeichnete zwei langjährige Mitglieder für ihre Verdienste um den Rehasport aus: Günter Sander (60 Jahre) und Lothar Heine (40 Jahre).

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