Alle Sportler fliegen hoch: Paul Kröker (v. r.), Oliver Windus und Jenny Kordes werden von Leni Windus beim Superman-Pusher beobachtet. Die Übung, bei der die Sportler komplett flach in der Luft liegen, ist aber nur für Fortgeschrittene geeignet. Fotos: Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann
Alle Sportler fliegen hoch: Paul Kröker (v. r.), Oliver Windus und Jenny Kordes werden von Leni Windus beim Superman-Pusher beobachtet. Die Übung, bei der die Sportler komplett flach in der Luft liegen, ist aber nur für Fortgeschrittene geeignet. Fotos: Nicole Sielermann | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Der fliegende Superman

Schwerpunktthema Fitness (letzter Teil): Freiluftathleten nutzen lediglich den eigenen Körper als Trainingsgerät. Jenny Kordes, Oliver Windus und Paul Kröker üben einzeln oder in der Gruppe. Apps unterstützen dabei

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Aphrodite fordert ganz schön. Und Morpheus ist nahezu schweißtreibend. Was getarnt als griechische Götter daher kommt, hat es in sich. Wer mittels Freeletics, ein Programm aus fordernden und dynamischen Ganzkörperübungen, seinen Körper formen will, braucht Disziplin. Und muss bereit sein, sich zu quälen. Denn 450 Übungen pro Workout sind nichts. Dafür stehen gerade einmal 30 Minuten zur Verfügung. In Groß- und Nachbarstädten gibt es bereits Trainingsanlagen – sogenannte Calisthenicsanlagen. Nur die Kurstadt hinkt hinterher. Dabei gibt es auch hier eine große Interessengruppe, die einzeln oder gemeinsam den Sport im Freien ausübt. Athleten haben das Fitnessgerät dabei Jenny Kordes (28), Paul Kröker (31) und Oliver Windus (45) haben sich an diesem Nachmittag auf dem kleinen Tartanplatz an der Bernartschule verabredet. Außer einer Klimmzugstange (hier in Form eines eisernen Tores), einer Fitnessmatte (um die Gelenke zu schonen) und etwas Platz zum Laufen und Springen brauchen sie weiter nichts. „Das Fitnessgerät – den eigenen Körper – haben wir immer dabei", sagt Oliver Windus lachend. Für den selbstständigen Fotografen ist es vor allem der Zeitfaktor, der ihn für das Freeleticsprogramm begeistert: „Ich bin nicht festgelegt und kann es machen, wo und wann ich will", erklärt Windus. Zuhause, draußen im Garten, im Hotel oder Stadtpark – Möglichkeiten gibt es viele. „Über Facebook oder Apps finden sich auch in anderen Städten Gruppen, bei denen man mittrainieren kann", erklärt er. „Das ist weltweit möglich", weiß Jenny Kordes. Auch in der Kurstadt gibt es eine Gruppe von 15 bis 20 Sportlern, die sich regelmäßig treffen. „Es macht einfach saumäßig Spaß in der Gruppe, man motiviert und kontrolliert sich gegenseitig." Die Übungen sind nicht neu, aber sie haben bei den „freien Athleten" neue Namen. Kniebeugen heißen Squats, Liegestütz nennen sich Pushups, Froschsprünge werden zu Froggers oder Liegestützsprünge zu Burpees. Das Besondere an Freeletics: Das Workout soll maximal 45 Minuten dauern und wird gemäß dem Hoch-Intensitäts-Training in hoher Geschwindigkeit absolviert. Das Motto klingt nach Drill: „Aufgeben ist keine Option", sagt auch Oliver Windus. Denn es gehe nicht nur um die physische Kraft, sondern auch darum, den Willen zu haben, sich selbst zu überwinden. „Der Kopf ist für die meisten Leistungen das Problem – nicht der Körper." Viele Workouts schienen gerade am Anfang unschaffbar zu sein. „Doch innerhalb kürzester Zeit verändert sich alles und plötzlich geht es einfach."Und so wirbt die Münchener Firme Freeletics auch mit dem Slogan „Die Form Deines Lebens. Garantiert". Und das in nur 15 Wochen. Dafür wird der Kunde ordentlich gefordert. Das, was Windus, Kröker und Kordes an diesem Nachmittag zeigen, ist ein Programm für Fortgeschrittene. Auf solche Klimmzüge oder auch den Superman-Pusher sollten Anfänger verzichten. „Jeder, wirklich jeder, der gesundheitlich geeignet ist, kann hochintensive Workouts absolvieren", ist Oliver Windus überzeugt. Die einzelnen Workouts, die man mithilfe einer Trainingsapp absolviert, widmen sich entweder der Kraft, der Ausdauer oder der Kraft-Ausdauer. Beim Einstiegsprogramm mit dem irreführend sinnlichen Namen „Aphrodite" müssen die Sportler zum Beispiel 50 Sit-ups, Kniebeugen und Burpees schaffen – in der ersten Runde. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht’s in die nächsten Runden, mit abnehmenden Wiederholungen (40, 30, 20, 10). Die Zeit, die man insgesamt benötigt, gibt den Fitness-Stand an. Je schneller man das Programm erledigt, desto besser. Im Workout sind auch Übungen zum Aufwärmen und Dehnen sowie Laufeinheiten integriert. Empfohlen sind mehrere Trainings pro Woche. Paul Kröker trainiert fünfmal pro Woche Stolze fünfmal pro Woche widmet sich Paul Kröker dem Sport. Neben Freeletics ist er im Fußball aktiv und läuft Hindernisparcours: „13 Kilometer." Oliver Windus steigt neben den Workouts aufs Rad. „Draußen – das ist einfach freier als an Geräten. Und natürlich gesünder", sagt der 45-Jährige. Bisher gibt es Anlagen für die Sportler nur in Minden, Herford oder Vlotho. Nun hoffen die Freien Athleten, dass auch in Bad Oeynhausen eine Calisthenicsanlage, eine Kombination aus Klimmzugstangen, Sprossenwänden, Barren und Leitern, gebaut wird. Angedachter Standort: Sielpark. Der wiederum stößt auf wenig Gegenliebe: „Alleine als Frau trainiert man dort nur ungern", gibt Jenny Kordes zu. „Vor allem in der Dämmerung ist es unheimlich." Ihre Trainingspartner sind mit dem Standort ebenfalls unzufrieden. „Warum gliedert man die Anlage nicht an eines der beiden Sportzentren an?", fragt Paul Kröker. Dort gebe es durch den regulären Trainingsbetrieb auch in den Abendstunden die soziale Kontrolle.

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