Jordansprudel: Laboruntersuchungen ergeben, dass der Salzgehalt nur noch für "Heilwasserqualität" ausreicht. - © Jörg Stuke
Jordansprudel: Laboruntersuchungen ergeben, dass der Salzgehalt nur noch für "Heilwasserqualität" ausreicht. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Jordansprudel in Bad Oeynhausen liefert keine Sole mehr

Laboruntersuchungen: Salzgehalt reicht nur noch für „Heilwasserqualität“ aus. Betriebsleiter Henschel verweist auf zu geringe Abnahmemenge.Er verspricht, einen möglichen „Solegarten“ dennoch realisieren zu können

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Aus dem Jordansprudel kommt nur noch Heilwasser, aber keine Sole. Das gilt auch für den Alexander-von-Humboldt-Sprudel. Als „natürliche Schwankungen" bewertet Staatsbad-Betriebsleiter Dirk Henschel die neuesten Laboruntersuchungen. Negative Konsequenzen würden die Daten jedenfalls nicht nach sich ziehen: „Das sind Momentaufnahmen, aber keine grundsätzliche Qualitätseinbußen". Negative Auswirkungen fürchtet er nicht – auch nicht für die mögliche Schaffung eines Erlebnisparks Sole. Einmal im Jahr werden alle Brunnen des Staatsbades einer Qualitätsprüfung unterzogen. Dabei werden nicht nur Geschmack und Temperatur, sondern auch die chemischen Bestandteile des Wassers überprüft. „Heilwasserqualität" bescheinigt Peter Kern sowohl dem Jordansprudel als auch der Alexander von Humboldt Quelle. Der Chemiker ist als fachkundige Person nach dem Arzneimittelgesetz für die Qualitätskontrolle verantwortlich, hat die Analysen im Auftrag der Labor-Union durchgeführt. „Den Zusatz Sole verdienen die beiden größten Quellen des Staatsbades dagegen derzeit nicht", ergänzt Kern. Die erforderliche Mindesttemperatur von 20 Grad wird zwar erreicht, nicht aber die vorgeschriebene Mindestmenge von 5,5 mg Natrium und 8,5 g Chlorid-Ionen pro Liter Wasser. Das Wasser der Kurdirektor-Schmidt-Quelle liefert zwar den erforderlichen Salzgehalt, erreicht aber nicht die Mindesttemperatur, ist daher nur eine „Kaltsole". Für Dirk Henschel bringen die neuen Labordaten keine neuen Erkenntnisse, im Gegenteil. Er verweist auf Untersuchungsergebnisse vergangener Jahre. Insbesondere in den Jahren 1999 bis 2001 seien beim Jordansprudel die Schwellenwerte von Natrium und Chlorid sogar noch niedriger gewesen als 2017. „Die Heilwasserqualität steht jedenfalls außer Frage", ist er sich mit Kern einig. „Ebenso wenig wie der Zusatz „Bad", ergänzt Andreas Moseke, Pressesprecher der Bezirksregierung Detmold. Es benötigt entsprechenden Wasserdruck „Wenn die volle Kapazität nicht abgefragt wird, verändert sich die Qualität", betont Chemiker Peter Kern. Seit einem Jahr ist der Alexander von Humboldt-Sprudel abgeschiebert, weil mit der Klinik, Porta Westfalica auch der letzte Groß-Abnehmer auf natürliche Sole aus dieser Quelle verzichtet hat. „Wenn wir die Quelle wieder öffnen, haben wir innerhalb weniger Tage wieder Sole", verspricht Henschel. Der Humboldt-Brunnen ist eine artesische Quelle, die ihre Qualität nur bei entsprechendem Wasserdruck entfaltet. Henschel: „Die letzte Probe wurde von stehendem Wasser entnommen". Auch beim Jordansprudel sehen Kern und Henschel eher ein Quantitäts- als ein Qualitätsproblem. 50.000 Kubikmeter Jordan-Wasser werden pro Jahr an die Bali Therme geliefert, erst im letzten Jahr hatte es wegen Leitungsproblemen Unterbrechungen in der Versorgung gegeben, so dass die Lieferung sogar zeitweise unterbrochen wurde. Bei seiner Entdeckung als größte thermalsolehaltige Quelle der Welt im Jahr 1926 schossen aus dem Jordansprudel 400 Kubikmeter Wasser in die Höhe – pro Stunde. Echte Thermalsole, nicht nur Heilwasser. Dass sich das in Zukunft ändern wird, hält Henschel für ausgeschlossen: „Die Nutzung der Sole für medizinische Zwecke ist wegen der hohen Investitionen in das Leitungsnetz unwirtschaftlich". Mit der Klinik Porta Westfalica habe das nun auch die letzte Klinik erkannt. Der medizinische Nutzen der Sole stehe zwar weiter grundsätzlich außer Frage – allerdings gebe es heute in Bad Oeynhausen kaum noch Patienten, die davon profitieren. Für Herzpatienten beispielsweise sei ein Sole-Bad viel zu belastend. „Die Nachfrage ist minimal", bescheinigt er dem Angebot im ambulanten Therapiekonzept Reha-Concept. 400 Wannenbäder pro Jahr Etwa 400 Wannenbäder werden pro Jahr gefüllt – überwiegend mit Heilwasser der Dr.-Schmidt-Quelle (rund achtprozentige Sole), das mittels Dampf auf die notwendige Nutzungstemperatur gebracht wird. Ein deutlich geringerer Anteil kommt aus dem Oeynhausen-Sprudel, der derzeit einzigen, aber – was die Menge der Ausschüttung betrifft – verhältnismäßig kleinen Thermalsolequelle. Bei ihrer Entdeckung war sie das tiefste Bohrloch der Erde. „Wir wollen die Sole erlebbar machen", hat Bürgermeister Achim Wilmsmeier schon im letzten Jahr versprochen. Möglicherweise hat ihn dazu auch ein Blick in die Satzung des Eigenbetrieb s Staatsbad veranlasst: Dort heißt es in §2: Gegenstand des Eigenbetriebes ist die Herstellung, Anschaffung, Erweiterung und Unterhaltung der zu Kur- und Erholungszwecken im Besitz des Eigenbetriebes befindlichen Einrichtungen" (...) Der Bürgermeister hat einen Runden Tisch „Gesundheit" ins Leben gerufen, der Ideen entwickeln soll. Der Kämmerer hat 1,7 Millionen für Projekte im Kurpark bis 2020 im Haushaltsplan bereitgestellt. Im März will der Runde Tisch seine Ideen vorstellen. Der Betriebsleiter, der mit am Tisch sitzt, lässt sich vorab keine Einzelheiten entlocken. Nur soviel mag er verraten: „Große Mengen Sole werden jedenfalls nicht benötigt". Und für kleinere Projekte werde man selbstverständlich dafür sorgen können, dass der „Solegarten" seinen Namen zu Recht trägt: Henschel: „Wenn wir wollen, können wir innerhalb weniger Tage echte Thermalsole liefern."

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