Carla Berling Foto: Philippe Ramakers - © intuitive fotografie
Carla Berling Foto: Philippe Ramakers | © intuitive fotografie

Bad Oeynhausen Bad Oeynhausen Krimi: Der schöne Ludwig brennt

Krimistoff: Carla Berlings „Mordkapelle“ liegt ab Montag in den Buchhandlungen. Gebürtige Bad Oeynhausenerin ist Top-Autorin im Heyne-Verlag. Premierenlesung am 27. April in der Wandelhalle

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. An einem malerischen Sommerabend brennt nicht nur die Friedhofskapelle auf dem Mooskamp nieder, in der Ruine steht auch noch ein Rollstuhl mit einem Toten. Der schöne Ludwig. Elendig verbrannt. Die Familie schweigt. Und Ira Wittekind ermittelt. Das, was Carla Berling den Lesern in ihrem neuen Bad Oeynhausen-Krimi vermittelt, beruht auf einer wahren Geschichte. Ein Jahr hat Berling, die unter Pseudonym schreibt und in Bad Oeynhausen als Peggy Wehmeier bekannt ist, am Krimi geschrieben und gefeilt. Ab Montag, 10. April, liegt „Mordkapelle" nun in den Buchhandlungen aus. Wenn sich am Montag die Türen der Buchhändler öffnen, wird Carla Berling eine der Ersten sein, die hineinschleicht und schaut, wo ihr Buch liegt. „Das erlebst du nur ein Mal im Leben zum ersten Mal", sagt sie. Da darf das Selfie für den Facebook-Auftritt nicht fehlen. „Auf diesen Tag habe ich 23 Jahre gewartet", sagt die 56-Jährige, die bisher im Eigenverlag die ersten Bände um die Journalistin Ira Wittekind veröffentlich hat. „Meine Familie hat all die Jahre an mich geglaubt – aber nun glaubt bei Heyne ein ganzes Team an mich. Das ist schon ein Ritterschlag." Das war auch schon die Zusage des Verlages vor zwei Jahren. „Ich hatte nur den Titel des Buches", erinnert sich Carla Berling zurück. Mehr nicht. „Der Heyne-Verlag hat das quasi blind gekauft." Weil die ersten drei Bände um Ira Wittekind (die ab Ende 2017 nach und nach in Neuauflage erscheinen) überzeugt haben. Es sind die Lebenserinnerungen einer alten Dame, die Carla Berling in „Mordkapelle" verarbeitet hat. „In deren Familie gab es einen sehr attraktiven, sehr jungen, sehr reichen Apotheker, der eine 25 Jahre ältere kranke Frau mit Vermögen geheiratet hat." Als sie verstarb hinterließ sie ihm ein riesiges Vermögen – verbunden mit der Auflage nicht erneut zu heiraten. „Er war nicht doof, adoptierte ein junges Mädchen und konnte so mit ihr unter einem Dach leben." Nach zehn Jahren allerdings verstieß er sie und machte die Adoption rückgängig. „Um die nächste zu heiraten – mit noch mehr Geld." Das alles ist wahr. Die Handlungsstränge drumherum, der Mord, der Schluss – das alles entspringt der Fantasie Berlings. Dafür arbeitet sie Zuhause an ihrem Schreibtisch sehr strukturiert. Schreibt ein Exposé, entwickelt die Figuren mit Biografien, erstellt Kapitelplan und Szenen – das wird alles so oft überarbeitet, bis es passt. „Wenn ich mich daran halte, habe ich keinen Hänger", sagt die gebürtige Rehmerin. Nur um Seite 150 herum überfällt Carla Berling jedes Mal ein Faulheitsanfall. Doch schließlich waren nach einem Jahr die rund 400 Seiten Krimi fertig. „Und die Arbeit fing erst an", sagt Carla Berling lachend. „Es gab ein umfangreiches Lektorat, Passagen fielen weg, anderes musste umgeschrieben werden." So sei ein Slogan „Show, don’t tell" gewesen. „Also alles direkter, nicht so viel indirekte Rede", erklärt Berling das Credo der Lektoren. Noch hat niemand das Buch gekauft. Aber Carla Berling hat schon bei der Tagung der Verlagsvertreter überzeugt. „Das sind die, die das Buch in die Buchhandlungen bringen. Ich hatte nur acht Minuten, zu zeigen was ich kann. Die waren begeistert – und ich hab’ geschwebt", sagt Berling lachend. Aber sie will vor allem die Leser überzeugen: „Ich möchte so gerne ein Buch schreiben, das jedem gefällt." Die Schar der Fans wird immer länger. Besonders die beiden alten Tanten – Sophie und Friedchen – kommen an. Sie lässt Carla Berling im tiefsten Westfälisch plappern, Zigarre rauchen und mit Kittelschürze auf der Bank vor der Tür sitzen. „Da werden viele an ihre Großeltern erinnert", hat Carla Berling in Gesprächen erfahren. Auch im fünften Band um Ira Wittekind dürfen die Tanten nicht fehlen. „Thematisch bin ich schon mittendrin." Auf den Markt kommt der Krimi aber erst 2019. Carla Berling selbst mag vor allem Ira Wittekind. Die, wenn man noch die Journalistin Peggy Wehmeier kennt, die Carla Berling einst war, durchaus autobiografische Züge hat. „Ira arbeitet zumindest wie ich", sagt Berling. Sie könne die Figur nur so zeichnen, wie sie selbst auch agieren würde. „Ich habe als Journalistin immer die Menschen zum Reden gebracht", erinnert sich die 56-Jährige. Was sie aber vor allem mit der immer sauber recherchierenden und respektvollen Ira zeigen will: „Das wir Journalistin nicht die Geier von der Presse sind. Damit möchte ich aufräumen. Wir sind uns alle unserer Verantwortung bewusst – und machen keinen Boulevard." ?¦ Verlosung

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