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Training mit Attrappe: Im Schießkeller der Kreispolizei stellen Marco Vogt (l.) und Henrik Riechmann eine Gefahrensituation nach - ausgestattet mit schusssicherer Weste und Schusswaffenattrappe. Die rote Pistole ist zwar baugleich mit der Walther P 99, kann aber keinen Schuss abgeben. Mit der Attrappe trainieren die Beamten die Handhabung bis zum Schuss. - © Nicole Bliesener
Training mit Attrappe: Im Schießkeller der Kreispolizei stellen Marco Vogt (l.) und Henrik Riechmann eine Gefahrensituation nach - ausgestattet mit schusssicherer Weste und Schusswaffenattrappe. Die rote Pistole ist zwar baugleich mit der Walther P 99, kann aber keinen Schuss abgeben. Mit der Attrappe trainieren die Beamten die Handhabung bis zum Schuss. | © Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen Video-Training für den Waffeneinsatz

Kreispolizei: Marco Vogt und Henrik Riechmann üben regelmäßig mit den Beamten den Schusswaffeneinsatz

Nicole Bliesener
25.01.2017 | Stand 24.01.2017, 19:29 Uhr

Bad Oeynhausen. Der Mann im Blaumann macht sich auffällig lange an der Fahrertür zu schaffen. Einen Schlüssel für den Wagen hat er offensichtlich nicht. Der vermeintliche Autoknacker wird von einem Polizisten beobachtet. An dieser Stelle stoppt Polizeioberkommissar Marco Vogt das Video. Das Bild auf der Leinwand des Schießkellers ist eingefroren. "An dieser Stelle kann der Film auf unterschiedliche Weise weitergehen, je nachdem wie der Kollege reagiert", erklärt Einsatztrainer Vogt. Vogt trainiert zusammen mit Polizeioberkommissar Henrik Riechmann die Polizeibeamten im Kreis Minden-Lübbecke an der Waffe. Das Schießen auf Zielscheiben gehört dabei längt der Vergangenheit an. "Aus 25 Metern auf die Scheibe schießen, das ist eher was für die olympischen Spiele, aber nicht für den Polizeieinsatz", sagt Riechmann. Trainiert werden gefährliche Situationen und zu einer solchen könnte die Begegnung mit dem vermeintlichen Autoknacker schnell werden. Marco Vogt lässt zu Demonstrationszwecken das Video weiterlaufen. Der trainierende Polizist soll den Verdächtigen auffordern sich umzudrehen. Erst dann kann der Polizist erkennen, ob der Autoknacker eine Waffe bei sich trägt. In diesem Fall lässt sich der Mann im Blaumann nicht durch Ansprache zur Aufgabe bewegen, in der nächsten Filmsequenz stürmt er - bewaffnet mit einem schweren Kuhfuß - auf den Polizisten zu. Auch wenn es sich nur um ein Video handelt, der Adrenalinspielgel steigt. "Der Kollege muss unter Druck in Sekundenschnelle handeln, um den Angreifer abzuwehren", erklärt Vogt. Das Training habe sich verändert, weiterentwickelt - auch aufgrund der Terroranschläge und einer insgesamt gestiegenen Gewaltbereitschaft. "Wir müssen uns selbst und andere im Einsatz schützen", wissen Marco Vogt und Henrik Riechmann. Zu dem Training an der Waffe gehört neben der Beherrschung der Polizeipistole Walther P 99 auch der Einsatz der Maschinenpistole MP 5. Eine solche Maschinenpistole gehört nach einer Vorgabe des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger seit einigen Wochen zur Ausstattung jedes Streifenwagens. Mindestens zweimal pro Jahr muss jeder Beamte seine Fertigkeiten an der Waffe überprüfen lassen. Trainiert wird Einsatz und Umgang mit den Schusswaffen mit verschiedenartigen Zielen. "Die Videosequenzen sind eine Möglichkeit", weiß Marco Vogt. "Wir analysieren in den Lehrgängen auch die Teilnehmer, überprüfen wie gut die Kollegen jeweils sind und richten das Training entsprechend aus", für Henrik Riechmann hinzu. Die Standardschießübung aber müsse jeder erfüllen, andernfalls verliert derjenige seine Erlaubnis eine Waffe zu führen. Trainiert wird heutzutage schwerpunktmäßig der Schusswaffengebrauch auf kurzen Distanzen. Das Training muss die Realität so gut es eben geht simulieren. "Die Angreifer sind meistens nicht mehr als fünf, sechs Meter entfernt, da gilt es schnell und sicher zu reagieren. Die Reaktionszeit beträgt in solchen Gefahrensituationen weniger als eine Sekunde", sagt Einsatztrainer Henrik Riechmann. Ziel sei es, in einer Gefahrensituation einen Wirkungstreffer zu setzen, um den Angreifer zu stoppen. "Bei allem ist die Schussabgabe immer das letzte Mittel", sagt Vogt. Jeder Schuss müsse einzeln bewertet werden, das gilt selbstverständlich auch für den Einsatz der Maschinenpistole. Auch mit der dürfen Polizisten nur einzelne Schüsse abgegeben. "Technisch ist ein Dauerfeuer mit der MP möglich, das lässt aber unser Polizeigesetz nicht zu", fügt Riechmann erklärend hinzu. Zudem sei die Einzelschussabgabe sicherer, weil zielgerichteter. "Im Dauerfeuer ist der Rückschlag kaum zu kontrollieren, die Waffe zieht nach oben. So etwas klappt nur in Hollywood, hat aber mit der realen Polizeiarbeit nichts zu tun", sagt Henrik Riechmann. Geübt muss auch der Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray.

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